Neustadt Eine Schaufel im Gepäck für den Toilettengang

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Neustadt. Mit vier weiteren Pfälzern und einem Nordlicht war der Diedesfelder Holger Reif erstmals Teilnehmer der Allgäu-Orient-Rallye, einer Benefiz-Veranstaltung von Young- und Oldtimerfreunden. Jetzt ist die Gruppe mit Namen „Via Vino Rallye Team“ wohlbehalten wieder daheim – nach drei Wochen und etlichen tausend Kilometern teilweise quer durch die Wüste. Würde er es wieder tun? „Ich könnte mir das schon vorstellen“, sagt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Denn Abenteuer hin oder her: Brenzlige oder gar gefährliche Situationen hat er auf seiner Reise nicht erlebt, dafür spannende Begebenheiten: „Ich hatte es mir kritischer vorgestellt.“ Doch der Reihe nach: Den Plan, mal bei einer solchen Rallye mitzufahren, hatten Holger Reif und sein Bruder schon vor einigen Jahren. Darum habe er bereits 2010 den etwas betagten BMW gekauft – an die Kraftfahrzeuge werden bestimmte Anforderungen gestellt (siehe „zur Sache“) – in den Jahren danach an diversen Orientierungsfahrten teilgenommen. Schon damals war klar, dass es nicht einfach würde, einen der begehrten 111 Startplätze zu ergattern: Die werden nach dem Windhundprinzip via Internet vergeben – und zwar nachts ab 3.33 Uhr. Am 7. Juli – sein Bruder hatte zwischenzeitlich abgesagt, stattdessen ist sein Arbeitskollege Alexander Gollub eingesprungen – loggte sich Reif dann pünktlich ein, und es passierte: nichts. Der Server war abgestürzt. Und so landete Reif dann beim nächsten, eher halbherzigen Versuch um 8.30 Uhr dann doch noch im Teilnehmerfeld, mit der Startnummer 16. „Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet, aber als die Bestätigung kam, habe ich das als Wink des Schicksals genommen“, erinnert er sich. Dann ging es darum, noch zwei Fahrer zu finden, um die vorgeschriebene Teamgröße von sechs Personen zu erreichen. „Anfangs war das Interesse riesig, aber die meisten sind dann doch abgesprungen“, sagt Reif. Nachvollziehbar sei das, meint er, denn es sei als Berufstätiger schon nicht einfach, zusätzlich drei Wochen Zeit zu investieren, wenn man die Familie nicht allzu sehr verärgern wolle. Doch irgendwann war die passende Konstellation gefunden, fünf Männer und eine Frau, und auch der Fuhrpark komplett: Zusätzlich zum BMW fuhren ein Mercedes 220 TE Baujahr 1993 und ein Nissan Pathfinder Baujahr 1999 – im Jargon des Teams das X-Mobil, der Onax und der Joker. Und diese seltsamen Namen erklären sich so: Der BMW war einst ein Zivilfahrzeug der Polizei, also ein Ex-Bluesmobil, beim Mercedes fiel immer mal wieder etwas ab, beispielsweise die Achse, also Ohne Achse, und der Nissan – ein Wagen mit Vierradantrieb – sollte einspringen, wenn einer der beiden Hecktriebler festgefahren sein sollte. Gefahren wurde der kleine Fuhrpark von Holger Reif, Alexander Gollub, Karin Hübner, Franz Czerny, Herbert Dreißigacker und Rudi Erler. Insgesamt fast 300 Fahrzeuge machten sich dann am 3. Mai in Oberstaufen im Allgäu auf den Weg nach Jordanien – wegen der angespannten politischen Lage in Syrien allerdings mit einem Umweg über das Mittelmeer. „Angekommen sind 258“, sagt Reif. Denn auch Totalausfälle gebe es auf der fast 3000 Kilometer langen Reise mit den alten Autos – und das sei einkalkuliert. Das Pfälzer Team freilich hat sein motorisiertes Trio mehr oder minder heil über die Ziellinie gebracht: „Nur der BMW war am Schluss ziemlich platt“, meint Reif. Bis Istanbul durften die Teams die Strecke selbst wählen – Autobahnen freilich sind verpönt – in der Türkei wurden dann die „Roadbooks“ mit dem weiteren Verlauf verteilt. Entlang der Schwarzmeerküste ging es weiter in die Stadt Tatvan, wo die Pfälzer Racer nach einem zufälligen Kontakt zu einem dortigen Englischlehrer ihre Spenden – Schulmaterial und Kleidung – verteilten. „Ursprünglich wollten wir die Sachen schon in Van lassen, weil da kürzlich ein Erdbeben war. Vor Ort haben wir aber festgestellt, dass da schon wieder alles weitgehend in Ordnung war. So sind die Sachen an einem Ort gelandet, wo sie viel dringender gebraucht werden“, erinnert sich Reif. Am Tag 14 – in der türkischen Stadt Sanliurfa – wartete dann die erste technische Herausforderung auf die Abenteurer: Der „Joker“ gab Rauchzeichen. Bis Iskenderun, wo die Fahrzeuge nach Israel verschifft werden sollten, war kein passendes Ersatzteil zu beschaffen. Es mussten zahlreiche Zwischenstopps „zum Schrauben“ eingelegt werden. Nach der Verschiffung der Autos nach Haifa ging es weiter ans Tote Meer und nach Jerusalem – und für die Autos langsam an die Grenzen: Beim BMW streikten zwei der acht Zylinder, im Mercedes machte der Kühler Sorgen. Für den Nissan musste ein Zündverteiler besorgt werden, was sich als besondere Herausforderung erweisen sollte. Doch das X-Mobil fuhr – wenn auch mit deutlich erhöhtem Wasser- und Ölverbrauch. Am Benz-Kühler wurde getrickst, aber der Verteiler für den japanischen Sechszylinder war nicht zu bekommen; und ohne geht nichts. „Die Leute vor Ort waren ungeheuer hilfsbereit. Schließlich ist es doch gelungen, selbst einen Verteiler zu basteln – improvisiert natürlich“, sagt Reif. „Wir haben den Totalausfall befürchtet, aber er hat durchgehalten.“ Durch die Wüste wurde nach Kompass gefahren, „und vor allem ständig verfahren, aber mit Händen und Füßen haben wir die Verständigung mit den Leuten hingekriegt“, so Reif. Doch nicht nur Technik und Navigation stellten die Teams vor Herausforderungen: Da ist einmal das Zusammenleben auf engstem Raum – „manche Teams sind da regelrecht auseinandergeflogen“ – das Fehlen von Toiletten – „eine Schaufel sollte da schon im Gepäck sein“ – und das tägliche Improvisieren der Übernachtung. Reif und Gollub hatten zwar ein Zelt im Gepäck, doch das erwies sich als zu klein. Wegen der Budgetbegrenzung war eine tägliche Hotelübernachtung nicht drin. So habe er die Erfahrung mit dem hohen Schlafkomfort im BMW gemacht, das Zelt überließ er dem Kollegen. Alle zwei Tage reichte das Geld für ein Hotel. Endlich angekommen in Jordanien, gab’s erst mal ein großes Fest. Für Platz eins und die Siegprämie, ein Kamel, hat es bei den Pfälzern zwar nicht gereicht, immerhin aber für einen der vielen vierten Plätze – bei der Rallye werden nur die ersten Drei gewertet. Doch auch ohne Kamel sei er glücklich, die Reise gut überstanden zu haben: „Es war ein Abenteuer.“

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