Neustadt
„Eine beeindruckende Frau“: Sumaya Farhat-Naser im Pfarrzentrum St. Bernhard
Sumaya Farhat-Naser ist klein und trägt an diesem Abend dunkle Kleidung, doch trotzdem fällt die 73-Jährige sofort auf, sie strahlt Selbstbewusstsein und Stärke aus. Frieden im Heiligen Land und ein selbstbestimmtes Leben für Palästinenser, das sind die Themen von Farhat-Naser, die Christin ist, in einer Schule der Diakonissen Deutsch gelernt, in Hamburg studiert und im Fach Botanik promoviert hat. Doch sie begann mit dem Konflikt in der Ukraine. „Man muss sich verteidigen mit allen Mitteln“, zitierte Farhat-Naser einen Satz, der in Bezug auf die Ukraine oft zu hören ist. In ihrer Heimat dürfte sie diesen Satz nicht sagen, „denn ein Palästinenser, der das sagt, gilt als Terrorist“.
Friedensaktivitäten sind im Heiligen Land derzeit nicht mehr möglich – man darf sich nicht treffen
Eine Aussage, die nachdenklich machte. Farhat-Naser wird in den nächsten knapp zwei Stunden viele Sätze sagen, die nachdenklich machen. Etwa wenn sie mit ihrer kräftigen Stimme davon berichtete, dass die Wohnungen der Palästinenser nicht an das Wasserleitungsnetz angeschlossen werden dürfen, dass palästinensische Kinder über Monate von den Israelis unter Hausarrest gestellt werden, hohe Mauern, um die Gemeinden der Palästinenser gebaut werden. Die vollkommene Stille im Raum wurde gelegentlich von einem leise geflüsterten „Das ist ja schrecklich“ einer Zuhörerin unterbrochen.
„Es gibt auch aufrichtige, tolle Israelis“, betonte die Palästinenserin. Sie erzählte von gemeinsamen Aktivitäten für den Frieden mit jüdischen Frauen. Die seien aktuell nicht mehr möglich, weil sich Juden und Palästinenser nicht mehr treffen dürften. Denn die Lage werde immer schlimmer. Die Vereinbarungen, die bei den Friedensverhandlungen vor 30 Jahren getroffen wurden, seien von den Israelis alle gebrochen worden. Zudem habe die Politik von Donald Trump, der unter anderem Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und die finanzielle Unterstützung der Palästinenser eingestellt hat, die Lage verschlechtert. Joe Biden habe bislang keine der Maßnahmen zurückgenommen.
Ihr eigener Sohn wurde angeschossen, Schirin Abu-Akle war eine Freundin
Leidenschaft, Begeisterung, Energie, Enthusiasmus waren zu spüren, als Farhat-Naser von ihren Aktivitäten für Frieden spricht. Davon, wie sie mit Kindern und Frauen Gewaltfreiheit übt, wie sie mit Frauen Hebräisch lernt, damit diese sich mit den Israelis verständigen können, davon wie sie in Dörfern Kulturzentren einrichtet, damit die Menschen Positives und Schönes erleben.
„Negative Gefühle nehmen Energie“, so Farhat-Naser. Auch sich selbst gegenüber müsse man eine positive Haltung finden, sich Fehler verzeihen und sagen „Ich bin wunderbar“. Positives vermittelte Farhat-Naser auch ihren Zuhörern, zeigte Bilder von der Schönheit Palästinas, schwärmte von Festen, von ihrer Mutter, der sie viel zu verdanken habe, erzählte von positiven Erlebnissen und Erinnerungen, die ihr Kraft geben. Kraft, die sie auch an diesem Tag brauchte, wie ihr am Ende der Veranstaltung anzumerken war. Die Journalistin Schirin Abu-Akle, die erschossen wurde und deren Beerdigung am Freitag von israelischen Soldaten gestört wurde, sei eine Freundin von ihr gewesen, erzählte sie. Kraft gebe ihr auch, dass viele Menschen sie unterstützten und die Anerkennung die sie bekomme, etwa in Form von Preisen, so Farhat-Naser im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Kraft, die ihr auch geholfen habe, als ihr Sohn von Israelis angeschossen wurde.
„Sie sind beeindruckend“, sagt eine Frau
„Sie sind beeindruckend“, sagte eine Frau. Vielleicht ist das der Grund, warum am Ende kaum Fragen gestellt werden. Doch kaufte manche Besucherin eines der Bücher, die Sumaya Farhat-Naser geschrieben hat. Andere erzählten, dass sie gekommen waren, um die Frau zu erleben, deren Bücher sie beeindruckt haben.
„Krieg ist keine Lösung, sondern bringt noch mehr Probleme“, dieser Satz gilt für Farhat-Naser gleichermaßen für den Krieg zwischen der Ukraine und Russland wie für den Kampf zwischen Israelis und Palästinensern.