Neustadt Eine Anleitung zum Leben
Neustadt-Gimmeldingen. Literatur, Musik, Kulinarik und bildende Kunst verbinden sich am kommenden Wochenende im Schlösschen Hildenbrandseck zu einer ganz eigenen Mischung. Im Mittelpunkt stehen dabei unter dem Motto „Ars moriendi“ die Themen Vergänglichkeit, Tod, Trauer und Verlust, denen jedoch ausdrücklich ein lebensbejahender Aspekt abgewonnen werden soll. Den bildkünstlerischen Anteil übernimmt die Wiesbadener Bildhauerin Birgid Helmy
„Wir wollten uns im Trauermonat November ganz bewusst auf das Thema Tod und Trauer in seinen unterschiedlichen Facetten einlassen, inne halten, um im Bewusstsein um die eigene Endlichkeit dann das Leben umso intensiver mit allen Sinnen zu genießen“, meint Hausherrin Susanne von Oettingen und stellt mit Bildhauerin Birgid Helmy die ersten Skulpturen im Gewölbekeller des denkmalgeschützten Anwesens auf. Die Künstlerin, die an ihr Studium der Sozialpädagogik ein Studium der Bildhauerei anschloss, in Wiesbaden lebt und ihr Atelier im Künstlerhaus 6 in einer ehemaligen Krankenstation der Psychiatrischen Klinik auf dem Eichberg im Rheingau hat, stellt einige ihrer Werke aus, die sich mit Vergänglichkeit, Tod, Trauer und der Verarbeitung von Verlusterfahrungen auseinander setzen. Und das nicht nur auf ernste, sondern stellenweise auch auf leicht humorige oder direkt brüskierende Weise. Helmy ist interessiert an menschlichen Entwicklungen, stellt ihre Figuren in Lebenszusammenhänge, wo sie gleich einem allwissenden Erzähler nicht nur die äußere Ansicht sprechen lässt, sondern auch das Seelenleben erfassen will. Da ist der „Herzzeitlose“, ein Terrakotta-Unikat aus dem Tonblock gearbeitet, der sein Herz als Sitz des Lebens und der tiefgreifenden Emotionen scheinbar offen zur Schau trägt. Doch oft sei das so Offensichtliche genau das, was tief im Innern eigentlich fehle, meint Helmy. Sehr berührt habe sie ein Gedicht der deutsch-russischen Dichterin Elisabeth Kulmann, die nur 17 Jahre alt wurde. So fertigte die Künstlerin das Miniaturabbild „Kulmann“ auf einem schwarzen Felsen, den Tod, ebenfalls in Schwarz, in unmittelbarer Nähe. Ein Werk weiter zieht eine Frau eine ihrer Brüste blank, um das Gefühl von zwei in einer Brust schlagenden Herzen und Zerrissenheit darzustellen. Freude und Leid können einander abwechseln, aber auch nebeneinander bestehen. Vier „Prominente“ sollen ebenfalls im Gewölbe Platz finden. Die Skulpturen der Schriftstellerin Simone de Beauvoir und ihres Partners Jean Paul Sartre, ein Abbild des nackten Regisseurs Rainer Werner Fassbinder und eine Figur von Ingeborg Bachmann, alle mit ungewöhnlichen Lebensläufen. „Auch, wenn figürliche Skulpturen als traditionell gelten, achte ich auf moderne Gestaltung und Techniken“, erklärt Helmy, die außer in Terrakotta auch mit Kunststoff arbeitet. Eine aufwendige Technik, da vorher eine Gipsfigur als Form geschaffen und das auszugießende Polymerharz mit Beimischungen wie Marmormehl gefestigt werden muss. Termin Die Vernissage der Ausstellung morgen, Freitag, um 18.30 Uhr im Schlösschen Hildenbrandseck in Gimmeldingen ist mit einem musikalisch-literarischen Abend verbunden, bei dem der Oboist Detlev Rollmann und der Pianist Andreas Zopf unter anderem Werke von Telemann, Bach, Schumann, César Franck und Michael Head interpretieren werden, Die Neustadter Schauspielerin Ela Sommer trägt dazu Texte von Kaschnitz, Hesse, Kaleko, aber auch Erich Kästner und Heinz Erhardt vor. Der Eintritt dafür kostet 19 Euro. Auf Wunsch gibt es auch eine kulinarische Ergänzung, die der Catering-Service Schwanenmeyer beisteuert. Mit Essen und Begrüßungsgetränk liegt der Preis bei 48 Euro. Anmeldung unter 06321/1890845, info@hildenbrandseck.de oder in der Neustadter Bücherstube (06321/2235). Birgid Helmys Skulpturen sind auch noch am Samstag und Sonntag, 12. und 13. November, ohne Anmeldung und Eintritt jeweils von 10 bis 18 Uhr zu sehen.