Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Ein besonderes Projekt: Hambacher Winzer rekultiviert einen Terrassenweinberg

David Bonnet in seinem Weinberg.
David Bonnet in seinem Weinberg.

An Ahr und Mosel keine Seltenheit, in der Pfalz schon: David Bonnet vom Weingut Naegele rekultiviert einen Terrassenweinberg. Warum das ein besonderes Projekt für ihn ist.

„Wenn ich gewusst hätte, wie viel Arbeit das ist, hätte ich es wahrscheinlich nicht gemacht, aber jetzt bin ich froh über das Resultat“, sagt Winzer David Bonnet und lächelt. Das Resultat kann sich sehen lassen. Hoch über Hambach steht er in seinem 14 Ar großen Riesling-Weinberg mit insgesamt drei Terrassen. Die Reben in den ersten beiden Terrassen sind rund 40 Jahre alt, in der ersten Terrasse steht auch ein Mandelbaum mitten im Weinberg, und am Rand eine Holzbank für kurze Pausen. Vogelgezwitscher ist zu vernehmen, die natürliche Begrünung schmeichelt dem Auge. Der idyllische Ausblick reicht bis Neustadt, Lachen-Speyerdorf, Haßloch und, bei gutem Wetter, sogar bis Speyer und Heidelberg.

Die romantische Einzellage „Am Hinterberg“ hat aber auch ihren Preis. Weinberge am Waldesrand sind der Gefahr ausgesetzt, dass Wildtiere wie Rehe und Wildschweine gerne an den Trauben naschen. „Mehr, um besonders im Sommer ihren Durst zu löschen. Gut, dass da die Riesling-Trauben noch sauer sind, das mögen die Tiere nicht so“, weiß der 25-jährige Bonnet. Und wegen der Schafe, die im Frühjahr in seinem Weinberg weiden und einen Teil ihrer Wolle an den Rebstöcken hinterlassen, würden laut Bonnet die Wildtiere abgeschreckt werden – sie mögen den Geruch der Wolle nicht. Für ihn seien die Schafe aber ideal: Sie würden die Begrünung im Weinberg „mähen“ und durch ihre Exkremente den Boden düngen.

Ehrgeiz wurde geweckt

David Bonnet lässt vor seinem Auge Revue passieren: „Das Ganze hat eigentlich im Sommer 2023 angefangen.“ Die Fläche bestand aus drei verschiedenen Terrassen, die beiden unteren waren mit Reben bestockt, die obere verwildert. Die beiden unteren Terrassen hatten sie die Jahre zuvor an einen Hobbywinzer aus Hambach verpachtet, der allerdings Mitte 2022 die Bewirtschaftung eingestellt hatte. Bonnets Ehrgeiz war geweckt, etwas dagegen zu tun, denn „somit verwilderten auch die beiden unteren Terrassen, und ich begann, sie von der zwei Meter hohen Brombeerwand zu befreien“.

Und die arbeitsreiche Geschichte ging weiter. Im folgenden Winter 2022 sei Bonnet, auf Anregung seiner Mutter Eva Naegele, dann auf die Idee gekommen, auch die obere Terrasse, die ihnen nicht gehörte, freizuschneiden. Der Jungwinzer sagt: „Ursprünglich wollte ich eigentlich nur versuchen, den weiteren Einbruch der Trockenmauer zu verhindern, da diese an über sieben verschiedenen Stellen bereits eingebrochen war und die Steine auf unserer darunterliegenden Terrasse landeten.“ Doch so langsam sei in ihm der Gedanke aufgekommen, dass es ein spannendes Projekt wäre, diese Terrasse wieder neu zu bepflanzen.

Nach über einem Jahr Recherche hätten sie dann auch die Eigentümer der oberen Terrasse ausfindig machen können, eine Familie aus Hamburg, die „uns die Terrasse dann auch direkt schenken wollte“, so Bonnet. Nach dem Besuch beim Notar und somit dem Besitzübergang in ihre Hände – mittlerweile war es November 2024 – habe Bonnet mit dem ersten Teil des Wiederaufbaus der Mauer begonnen. Währenddessen entfernten sie auf der Terrasse auch die ersten Kastanienbäume, inklusive Wurzelwerk, mit einem kleinen Raupenbagger. „Und somit baute ich fast jedes Wochenende, während der Studienzeit in Geisenheim, an der Mauer weiter – bis in den Februar 2026 hinein“, erinnert sich der Winzer.

Soll ein Aushängeschild werden

Die Mauer besteht aus Buntsandstein, ist 50 Meter lang und rund eineinhalb Meter hoch. Die benötigten Steine habe Bonnet von einem Steinmauerhaufen auf dem Weingutsgelände hinter ihrem Haus genommen. David Bonnet studierte in Geisenheim Weinbau und Önologie. „Ein Trockenmauerkurs an einem Wochenende half mir auch, Wissen zu bekommen, wie man eine Trockenmauer erstellt und repariert“, erklärt der Hambacher.

Bonnet zeigt sich zufrieden. Die Arbeit im Terrassenweinberg macht ihm Spaß, auch, weil alles mit der Hand gemacht werden muss – also auch die Lese und das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln mit Hilfe einer sogenannten „Buckelspritze“. Der Winzer erklärt dazu: „Wegen der hohen Biodiversität sind weniger Pflanzenschutzmittel nötig.“ Ein weiterer Vorteil der Lage hoch über Hambach.

Nach der erfolgreichen Beantragung neuer Pflanzrechte steht einer Neubepflanzung in diesem Frühjahr nichts mehr im Weg. Holzpfähle sind schon eingeschlagen, und die Setzlinge freuen sich sicher, Teil dieses Projekts zu sein. Der Jungwinzer hat seit 2024 unter eigenem Namen eine eigene Weinlinie und eine klare Vision: „Der Terrassenweinberg soll mein Aushängeschild werden.“

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