Maikammer Ehrenamt: Strahlende Kinderaugen als Belohnung

Applaus für die Musik: ein Blick ins Publikum.
Applaus für die Musik: ein Blick ins Publikum.

Andreas Schwaab, Günter Scherr oder Reinhold Wenz: Das sind nur drei Beispiele von Ehrenamtlern und Vereinsvertretern in der VG Maikammer. Beim Neujahrsempfang der Verbandsgemeinde erzählen sie von ihren Erfolgen, aber auch von ihren Nöten.

Fast hundert Vereine und Gruppen gibt es in der Verbandsgemeinde Maikammer, die sich darum kümmern, das soziale, kulturelle und kommunalpolitische Leben zu gestalten. „Ohne sie gäbe es kaum Freizeitangebote und viel weniger Veranstaltungen“, sagte Verbandsbürgermeisterin Gabriele Flach (CDU) beim Neujahrsempfang im Maikammerer Bürgerhaus. Kindern und Jugendlichen würden die Möglichkeiten fehlen, ihre sozialen Fähigkeiten zu entwickeln, neue Bürger täten sich schwer bei der Integration, und die Schwächeren in der Gesellschaft hätten einen sehr viel schwereren Stand.

Der Maikammerer Seniorentreff beispielsweise organisiert mit fünf, sechs Helfern alle zwei Wochen in der Steinmühle ein Treffen, zu dem rund 30 Senioren kommen. „Es gibt Kaffee und Kuchen, aber wir singen auch oder lesen Gedichte vor“, berichtet eine der Helferinnen – eine, die lieber im Hintergrund arbeitet und deshalb auch ihren Namen nicht nennen will. Für die Senioren sei das Treffen ein wichtiger Termin, sie könnten Freundschaften und Bekanntschaften knüpfen und organisierten sich teilweise auch selbst. Fünf, sechs Helfer sind mit am Start, und es gibt auch einen Fahrdienst.

Senioren aus der Einsamkeit holen

Etwas für die älteren Bürger tun möchte auch Günter Scherr aus St. Martin. Der Bauingenieur in Rente lebt erst seit ein paar Jahren wieder in seinem Heimatort und will sich nun ehrenamtlich einbringen. Seit ein paar Monaten bietet er zusammen mit drei, vier weiteren Helferinnen Senioren Unterstützung im Alltag an. „Beispielsweise habe ich einmal einen älteren Herrn begleitet, der eine Augen-OP hinter sich hatte“, erzählt er. Darum gehe es der Gruppe: Menschen unterstützen, aus der Einsamkeit holen, sie aktivieren. Dabei hätte das Team durchaus noch Kapazität, erklärt Scherr. „Wir sind noch neu und nicht so bekannt.“

Eine ganz andere Gruppe hat Reinhold Wenz im Blick: Er bringt Kindern das Schwimmen bei. „Ich bin schon immer gerne geschwommen, das tut mir gut“, erzählt Wenz, der als hauptamtlicher Werksfeuerwehrmann arbeitet. Was ihn motiviere, seine Leidenschaft fürs Wasser weiterzugeben, sei das „Strahlen in den Augen der Kinder“, wenn sie den Dreh beim Schwimmen heraushaben. „Das gibt ihnen insgesamt unglaublich viel Selbstbewusstsein“, erklärt er. Am besten sei es, Kinder schon früh ans Wasser zu gewöhnen und ihnen mit etwa sechs Jahren das Schwimmen beizubringen. Wenz hat selbst zwei erwachsene Töchter und zwei Enkel. Die Kurse finden übrigens im Kalmitbad statt, drei Wochen lang, an jeweils vier Terminen.

Lebensmittel für 600 Menschen

Neben Wenz am Tisch steht an diesem Abend Annemarie Harwood, die Vorsitzende der Tafel Edenkoben, die auch die Verbandsgemeinde Maikammer versorgt. Das Strahlen in den Augen – das kennt auch sie. 600 Menschen erhielten derzeit Unterstützung der Tafel, darunter 190 Kinder, sagt die 59-Jährige. Jeden Freitag werden im Industriering in Edenkoben Lebensmittel an Hilfsbedürftige ausgegeben, teilweise wird Ware auch ausgefahren. Als hilfsbedürftig zählten nicht nur Arbeitslose, erklärt Harwood. Auch wer in der Ausbildung zu wenig verdiene, um über die Runden zu kommen, könne Unterstützung bekommen.

Harwood hat in der Corona-Zeit angefangen, sich bei der Tafel zu engagieren. „Das war eine tolle Möglichkeit, raus zu kommen“, erinnert sie sich. Bis vor Kurzem war sie stellvertretende Vorsitzende, inzwischen steht sie an der Spitze des Vereins. „Wir sind ein tolles Team“, sagt sie. Weitere Helfer seien indes immer gefragt, da viele der Mitarbeiter schon älter seien und sich irgendwann zurückzögen.

Geflüchtete wiederum finden Unterstützung beim Arbeitskreis Flüchtlinge. Seit acht Jahren schon organisiert die Gruppe das Asylcafé und übernimmt außerdem Einzelbetreuungen. Rund 20 Flüchtlinge kommen regelmäßig zu den Treffen, erzählt Helmut Großmann, der als Agraringenieur viele Jahre hauptberuflich in der Entwicklungsarbeit aktiv war und seit zwei Jahren im AK Flüchtlinge mitarbeitet. Derzeit gibt er Deutsch-Unterricht für Syrer. 68 Flüchtlinge leben derzeit in Maikammer, hatte Flach zuvor in ihrer Ansprache gesagt. Laut Großmann fühlen sich die meisten wohl in ihrer Gemeinde.

800 Stunden pro Jahr für die Feuerwehr

Wenn es um Hilfe und gesellschaftliches Engagement geht, darf natürlich auch die Feuerwehr nicht fehlen. Andreas Schwaab hat das Amt des Maikammerer Wehrleiters vor fünf Jahren übernommen, sein Stellvertreter ist Gerd Ruf. Warum die beiden das machen? Die Antwort ist knapp: aus Überzeugung. Sie wissen, dass die Feuerwehr gebraucht wird. Dafür sind sie bereit, einen großen Teil ihrer Freizeit zu opfern. Bei der Aufstellung des Feuerwehrbedarfsplans hätten sie mal zusammengerechnet, wie viele Stunden dafür so pro Jahr anfallen, erzählt Schwaab. „Wir sind auf 800 Stunden gekommen.“ Dass sie dennoch genügend Mitstreiter haben, liege vor allem an der guten Jugendarbeit der örtlichen Wehren. Auch die Bambini-Feuerwehr in St. Martin sei „sehr wichtig und sehr beliebt“. Eine Sache sei dennoch nicht einfach: genügend Personal für die Tagesbereitschaft zusammen zu bekommen. Denn das können nur Menschen sein, die vor Ort arbeiten. Sonst sind sie nicht schnell genug da, wenn’s wo brennt.

Sorgen für Stimmung im Saal: Gerd Stauch, Utami Andayani und Markus Metz.
Sorgen für Stimmung im Saal: Gerd Stauch, Utami Andayani und Markus Metz.
Gespräche in lockerer Atmosphäre, hier mit St. Martins Ortsbürgermeister Timo Glaser.
Gespräche in lockerer Atmosphäre, hier mit St. Martins Ortsbürgermeister Timo Glaser.
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