Forst RHEINPFALZ Plus Artikel Ehepaar Doll feiert Diamantene Hochzeit: Verständnis auch in Krisenzeiten

Seit 1979 bieten Winfried und Marie-Luise Doll in der Wein- und Sektprobierstube im Kirchenstückweg das Sortiment des Forster Wi
Seit 1979 bieten Winfried und Marie-Luise Doll in der Wein- und Sektprobierstube im Kirchenstückweg das Sortiment des Forster Winzervereins an.

Ein im gesellschaftlichen Forster Leben fest verankertes Ehepaar feiert an Silvester Diamantene Hochzeit: Marie-Luise und Winfried Doll heirateten am 31. Dezember 1965.

Dass sich Winfried und Marie-Luise Doll, damals noch Mosbacher, vor 60 Jahren das Ja-Wort gaben, war sozusagen programmiert. Denn schon als Kinder hatten sie in der damaligen Forster Volksschule ein Auge aufeinander, besuchten dieselben Klassen, trafen sich auch bei sportlichen Aktivitäten und bei der Kommunion. Die Sympathie wuchs und das zarte Pflänzchen der liebevollen Zuneigung gedeihte. Am 1. April 1962 starteten dann beide ins Berufsleben. Winfried Doll (78), der genau wie Marlies (78) aus Forst stammt, aber in Landau das Licht der Welt erblickte, hat gleich zwei abgeschlossene Ausbildungen: als Chemie-Laborant und als Industriekaufmann. Er arbeitete zunächst bei der BASF, dann beim Ludwigshafener Chemie-Unternehmen Raschig. Marlies Doll qualifizierte sich als Großhandelskauffrau und verdiente sich im Deidesheimer Hahnhof ihre ersten Sporen.

Eines der ersten Geschenke von Winfried an Marlies war mit 16 Jahren ein kleiner Regenschirm, ein „Knirps“. Ein bedeutungsvolles Präsent, wie die Zukunft zeigen sollte. Denn da gibt es das Lied „Marmor, Stein und Eisen bricht – aber unsere Liebe nicht“ von Drafi Deutscher, das zielgenau am Hochzeitstag 31. Dezember 1965 der beliebteste Song in Deutschland war und das mit der passenden Zeile beginnt: „Weine nicht, wenn der Regen fällt, dam-dam, dam-dam, es gibt einen, der zu Dir hält“.

Jubiläumsflitterwochen auf Lieblingsinsel Fuerteventura

Geliebte „Knirpse“ menschlicher Art, die als Zwillinge hätten durchgehen können, spielten bei der jungen Familie Doll ebenfalls eine Rolle. Die Söhne Steffen und Michael, „Micky“ genannt, kamen 1966 beziehungsweise 1967 auf die Welt. Das Paar hatte sich am 30. Dezember 1965 im Forster Standesamt trauen lassen. Den kirchlichen Segen erhielten sie einen Tag später – an einem Freitag – in der Jakobuskirche in Neustadt-Hambach. Der Grund war, dass der ihnen vertraute Berufsschul-Pfarrer König mit einem Pfarrer dort befreundet war.

Dank der Enkel Mara (33), Aaron (30) und David (27) sind die Dolls Oma und Opa. Das erste Urenkelchen hat sich für Anfang des neuen Jahres angekündigt. Bei den großen Familien-Jubiläumsflitterwochen ab 7. Januar auf der Lieblingsinsel Fuerteventura – die Dolls bezeichnen sich als leidenschaftliche „Sonnenanbeter“ – wird es noch nicht dabei sein können. Gefeiert wird aber auch vor Ort im Forster Kirchenstückweg an Silvester.

Dass der Name Doll in Forst und darüber hinaus seit Jahrzehnten ein Begriff ist, hat mehrere Gründe. Da ist zunächst einmal die 1979 gestartete Wein- und Sektprobierstube im Kirchenstückweg, in der die Dolls auch an Wochenenden und Feiertagen bereitstehen, um das breite Sortiment des Forster Winzervereins zu offerieren. Keine Geringeren als der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl (gestorben 2017) und der einst in Forst und jetzt in Österreich lebende Maler und Bildhauer Georg Baselitz (87) gehörten zu den Kunden. Von 1990 bis 2005 betrieb das Paar während der Forster Kerwe einen eigenen Essens- und Weinstand sowie einen Sektausschank vor seinem Haus im Kirchenstück. Da sind die beiden 2004 eröffneten Ferienwohnungen neben dem ab 1969 in Eigenregie gebauten Wohnhaus, in denen Gäste aus ganz Deutschland und Nachbarländern Station machen.

Gemeinsames Interesse an Fußball und FCK

Da ist das entschiedene Engagement des parteilosen Winfried Doll („Ich will nicht an einen Vorbeter gebunden sein“) gegen das ursprünglich geplante und dann an einem Bürgerentscheid gescheiterte große Hotel am nördlichen Forster Ortseingang. Da ist Winfried Dolls Einsatz bei Pflege und Erhalt der Sandsteinmauern und der Fassade der ehemaligen Scheune im Kirchenstückweg. Und da ist seine Initiative für eine bessere Nachtruhe im Umfeld der katholischen Kirche St. Margareta: 2007 erreichte er dank Gemeinderatsbeschluss, dass die Kirchenglocken jede Nacht zwischen 22 und 7 Uhr schweigen.

Auch Marlies Doll ist vielseitig aktiv, zum Beispiel als Übungsleiterin beim TuS Forst, wo sie die Gymnastik-Abteilung gegründet hat. Seit mehr als 70 Jahren ist sie ferner Mitglied des TuS Wachenheim und dort noch heute vertretungsweise Leiterin der Frauengymnastikgruppe. Zweimal nahm sie an Deutschen Turnfesten im Berliner Olympiastadion teil. Wie ihr Mann ist sie stark an Fußball interessiert und drückt dem FCK, aber auch Schalke 04 die Daumen. Powerwalken mit einer Freundin gehört zum festen Wochenprogramm.

„Hin und wieder auch Blätterrauschen“

Ihr Mann – FCK-Fan durch und durch – war ebenfalls TuS-Forst-Übungsleiter, erwarb beim DFB den B-Schein als Fußballtrainer und entdeckte in den 1970er-Jahren in Mannheim und Hockenheim das Fallschirmspringen für sich. „Noch mit Rundkappen, nicht den heute üblichen Matratzen“, sagt er. 1975 sprang er zwar nicht im Team der Nationalmannschaft ab, aber immerhin gehörte er zu den Teilnehmern der Weltmeisterschaften in Warendorf. Nun liebt er ausgedehnte Spaziergänge in der Forster Gemarkung, im Sommer das (Sonnen-)Baden an der Schlicht in Neuhofen – und stolz präsentiert er auch seine imposante Märklin-Modelleisenbahn „mit Preiser-Figuren seltenster Art – bundesweit“.

Die Dolls sind überzeugte Familienmenschen, haben einen großen Freundes- und Bekanntenkreis und halten sich fit. Das hat auch mit ihrer mentalen Einstellung und ihrer Vorstellung von Ehe zu tun. „Zusammenhalten ohne zu klammern und gleiche Freizeitinteressen pflegen“, sagt Marlies Doll unter anderem. „Freud und Leid teilen und Fehler verzeihen, Geduld und Nachgiebigkeit zeigen, sich gegenseitig wertschätzen und auch in Krisenzeiten verständnisvoll bleiben, nicht bohren, bohren, bohren und nicht in den Krümeln suchen“, ergänzt Winfried Doll, der die 60 vergangenen Ehejahre in 21.900 Tage oder 525.600 Stunden umgerechnet hat. Augenzwinkernd fügt er hinzu: „Die Blätter fielen nicht immer wippend und swingend vom 60 Jahre alten Ehebaum – es gab hin und wieder auch Blätterrauschen.“

Was nehmen sich die Dolls für die Zukunft in ihrem geliebten Forst vor, wo sie etwa das Hanselfingerhutspiel, den lebendigen Adventskalender und die Weinkerwe schätzen? Ihr Herzenswunsch lautet: „Noch viele gemeinsame Jahre mit der Familie und angenehmen Freunden verbringen – und gesund bleiben. Der Rest steht ja ohnehin in den Sternen.“

Den kirchlichen Segen erhielt das Ehepaar Doll am 31. Dezember 1965.
Den kirchlichen Segen erhielt das Ehepaar Doll am 31. Dezember 1965.
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