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Drei Neustadterinnen beim verrücktesten Marathon Frankreichs
Jennifer Henne-Bartz, Susanne Wolf und Lan Giese haben im September einen ungewöhnlichen Lauf absolviert. Es war ihr erster Marathon in Bordeaux. Dieser Lauf über 42,195 Kilometer gilt als der verrückteste Frankreichs. Neben den herkömmlichen Verpflegungen wie Wasser und Obst für die Langstreckenläufer gab es unterwegs beim „Le Marathon des Châteaux du Médoc“ 22 Verpflegungspunkte, wo sich die Sportler an „Weinen in moderaten Dosen“, Austern, Steak, Käse, Trauben oder Eis laben durften. Die Neustadterinnen widerstanden tapfer dem kulinarischen Angebot.
Für Jennifer Henne-Bartz und Susanne Wolf war die Teilnahme ein spontaner Einfall. Anfang des Jahres entschlossen sich die beiden Unternehmerinnen, die Seminare für Weinsensorik und Kombinationen von Wein und Speisen anbieten, den Marathon in Bordeaux zu laufen. Auch Lan Giese ist Weinspezialistin. Und so bildete sich ein motiviertes Trio. Auch wenn der Anfang schwer war. „Wir sind vorher nur ab und zu walken gegangen. Nur Lan hatte schon mehr trainiert“, erzählt Henne-Bartz. So ließen sie sich von Fitnesstrainerin Laura Schlosser in die richtige Lauftechnik einweisen. Schlosser sagte damals: „Wir kriegen das hin, aber es erfordert Disziplin.“
Laufen und gehen
Trainingspläne generierten sich die Läuferinnen selbst aus dem Internet und stiegen mit drei Einheiten pro Woche ein. Der Start war behutsam mit Wechseln zwischen Laufen und Gehen. Bei Henne-Bartz bremste dann aber ein Fersensporn die Aktivitäten aus. Wolf wurde von einer Corona-Infektion zeitweilig gestoppt. „Wir stiegen auch aufs Fahrrad, um die Muskulatur aufzubauen“, erzählt Wolf. Mit „leichter elektrischer Unterstützung“ ging es auf die Kalmit oder bis nach Weißenburg. Rund zwei Monate vor dem Marathon steigerten die Läuferinnen die Umfänge auf teilweise bis zu zwölf Kilometer. Grenzenloser Optimismus beflügelte sie. Sie verraten: „Unser längster Trainingslauf hatte 25 Kilometer.“ Die Zeiten zum Trainieren mussten sie sich aus den Rippen schneiden, denn sie absolvierten auch noch den Spagat mit eigenem Unternehmen und Familie. Zwischenzeitlich kamen immer mal Durchhänger, kleine Tiefs in der Motivation.
Doch Henne-Bartz hatte einen besonderen Trick. Sie informierte jeden Bekannten, dass sie die Teilnahme plane und habe damit „positiven Druck“ aufgebaut, erzählt sie. Dass daher viele Freunde und Bekannte auf das Ergebnis mit Spannung warteten, trug die beiden Anfängerinnen Wolf und Henne-Bartz schließlich trotz aller Marathonleiden ins Ziel.
Austern bei Kilometer 35
Gestärkt haben sie sich indessen unterwegs auf keinen Fall mit Wein, Käse oder Austern. Sie erzählen: „Bei Kilometer 35 gab es Austern und Wein. Aber zu diesem Zeitpunkt hätten wir keinen Bissen zu uns nehmen können. Vielleicht wenn es kurz vorm Ziel gewesen wäre.“ Manchmal seien die Düfte, die im Alltag verführerisch und willkommen seien, für sie eine Qual gewesen, gestehen beide. „Wir müssen hier weg“, war dann der Gedanke, um beispielsweise fluchtartig den alkoholischen Getränken den Rücken zu kehren. So gab es nur Kekse, Bananen, Wasser oder einen Schluck Cola unterwegs.
„Es war 30 Grad warm, viele Läufer sind ausgestiegen. Von 8500 gemeldeten Sportlern haben rund 1400 das Ziel nicht erreicht“, berichten sie.
Gänsehaut im Ziel
Das Ziel indes war der emotionale Höhepunkt. „Gänsehautgefühle, wir mussten aufpassen, dass keine Tränen kullerten“, verrät Henne-Bartz. Zwischendurch mussten sie ihre Muskeln zum Weiterlaufen bewegen. „Stehen zu bleiben, war gar nicht sinnvoll. Je länger man steht, desto stärker merkt man die Schmerzen. Daher war auch das Auslaufen und Gehen hinterher wichtig“, erklärt Wolf.
Vier Austern und ein Schluck Rosé waren schließlich kurz danach doch drin. Lan Giese erreichte das Ziel in 5:39 Stunden, die 46-jährige Henne-Bartz in 6:49 Stunden. Susanne Wolf (37) benötigte 7:04 Stunden. Alle drei sind sich einig: „Laufen macht glücklich.“ Gleich nach dem Marathon war der Drang groß, weiterhin regelmäßig zu laufen, doch vorerst bremste eine Erkältung die Sportler. Für Henne-Bartz steht fest: Im nächsten Jahr wird sie wieder dabei sein. Dann allerdings als „Genussteilnehmerin“, ohne die Ambitionen, den Marathon durchzulaufen. Sie möchte 2023 vielmehr die Angebote an den Verpflegungsständen durchprobieren. Die beiden Neustadterinnen sind sich einig: „Wir hätten nicht gedacht, dass wir wirklich so gut durchkommen.“