Rettungsschwimmen RHEINPFALZ Plus Artikel DLRG Neustadt vor deutscher Meisterschaft: Von Nervosität keine Spur

Starten zum ersten Mal auf einer deutschen Meisterschaft: Jule Beuter, Valentina Luig, Franziska Hilgert, Mara Kiefer, Greta Sim
Starten zum ersten Mal auf einer deutschen Meisterschaft: Jule Beuter, Valentina Luig, Franziska Hilgert, Mara Kiefer, Greta Simon (von links).

Zwei Mannschaften der DLRG Neustadt treten auf den deutschen Meisterschaften in Hannover an. Sie, aber auch Trainer und Betreuer haben guten Grund, vorher nicht nervös zu sein.

Nein, nervös seien sie nicht, sagen die jungen Männer und Mädchen der DLRG Neustadt. Dabei steht ihnen ein großer Wettkampf bevor. Sie haben sich bei den Landesmeisterschaften im Rettungsschwimmen für die deutschen Mehrkampf-Meisterschaften (31. Oktober bis 3. November in Hannover) qualifiziert. Selbst die Trainer sind ruhig. „Ich bin sehr gelassen“, verrät Metin Tas, Technischer Leiter der DLRG-Ortsgruppe Neustadt. „Ich weiß, was die Mädels können. Ich weiß, was die Jungs können.“ Selbst die Vereinsvorsitzende Ines Rudorf ist entspannt, obwohl ihr Sohn Fabian zur Männermannschaft gehört. „Er ist ein guter Schwimmer, immer fokussiert“, vertraut sie wie Tas auf das Leistungsvermögen ihres Filius’ und der anderen Sportler. Am Donnerstagmittag fahren alle gemeinsam nach Hannover. „Wenn wir losfahren, dann kommt wohl Nervosität auf“, ist sich aber Franziska Hilgert aus dem Mädchenteam sicher. Dann werde es allmählich ernst.

Auf den Landesmeisterschaften haben sich die Erstplatzierten direkt für die nationalen Titelkämpfe qualifiziert. Die Neustadter Mädchen hatten zwar hinter Nieder-Olm/Wörrstadt auf Platz zwei das Nachsehen, sicherten sich aber über die Punkteliste direkt einen Startplatz in Hannover. „Sie haben keine Disziplin, in der sie besonders hervorstechen“, urteilt Metin Tas über das Leistungsvermögen der Mädchen. „Aber sie können in allen Disziplinen vorne mitschwimmen.“ Das sei etwas Besonderes, „spezialisieren sich doch oft Ortsgruppen auf bestimmte Disziplinen“.

Übergabe des „Unfallopfers“: Valentina Luig (links) übernimmt die Puppe, die Franziska Hilgert zu ihr geschleppt hat.
Übergabe des »Unfallopfers«: Valentina Luig (links) übernimmt die Puppe, die Franziska Hilgert zu ihr geschleppt hat.

Staffel mit Puppe

Die Viermal-25-Meter-Puppenstaffel, Viermal-50-Meter-Gurtretter-, Rettungs- sowie Hindernisstaffel bilden das Wettkampfprogramm. In der Puppenstaffel mimt die 65 Kilo schwere Puppe das rettungsbedürftige Opfer: Jedes Staffelmitglied schwimmt mit der Puppe 25 Meter. In der Rettungsstaffel schwimmt der erste Starter 50 Meter Freistil. Der zweite Starter absolviert ebenfalls 50 Meter Freistil – aber mit Flossen. Und am Ende seiner 50 Meter holt er eine Puppe vom Beckenboden hoch und übergibt sie Starter Nummer drei, der im Wasser wartet, bis der Puppenkopf über der Wasseroberfläche ist. Dann schleppt er sie 50 Meter weit. Der Schlussschwimmer, der ebenfalls Flossen trägt, übernimmt im Wasser das Unfallopfer und absolviert mit ihm ebenfalls 50 Meter bis ins Ziel. In der Puppenstaffel schleppen alle vier Rettungsschwimmer einer Staffel nacheinander die Puppe jeweils 25 Meter. Gestartet wird jeweils im Wasser. In der Gurtretterstaffel absolviert der Startschwimmer 50 Meter Freistil ohne Gurtretter, der zweite Sportler schwimmt 50 Meter Freistil mit Flossen, aber ohne Gurtretter, das dritte Staffelmitglied 50 Meter Freistil mit Gurtretter. Der Schlussschwimmer trägt Flossen und startet im Wasser. Er übernimmt nach Anschlag seines Teamkollegen den Gurtretter und schleppt den dritten Starter als „Verunglückten“ 50 Meter weit. In der Hindernisstaffel schwimmt jedes Teammitglied 50 Meter Freistil und taucht unterwegs unter zwei Hindernissen hindurch.

Welche Disziplin auch für die Neustadter Mädels ansteht, „denen ist nichts zu schwer, weil sie so gut sind“, lobt Tas. Verglichen mit anderen Ortsgruppen seien die Puppendisziplinen aber am forderndsten. Doch selbst die Kleinste im Team, Mara Kiefer ist im Schnitt einen Kopf kleiner als die anderen Mädchen, hält mehr als nur mit. Tas: „Sie hat sich im Sommer über 25 Meter um 14 Sekunden verbessert.“

Zwei Ziele

Viermal pro Woche trainieren die Mädels. Obwohl sie zum ersten Mal auf nationalen Titelkämpfen antreten, haben sie zwei ambitionierte Ziele. „Die Top Ten, das ist realistisch“, sagt Franziska Hilgert. „Und wir wollen alle Landesmeister Nieder-Olm schlagen“, ergänzt Valentina Luig lachend. Die 13- und 14-Jährigen werden für die Wettkämpfe in Hannover von ihren Schulen freigestellt. Mara Kiefer allerdings muss zwischen den Starts lernen. Sie müsse eine Mathematikarbeit vermutlich nachschreiben, sagt sie. „Wir Betreuer nehmen uns die Zeit, mit ihr Mathe zu lernen“, betont Metin Tas. „Die deutsche Meisterschaft ist schön und auch wichtig. Aber Schule ist wichtiger.“

Linas Orth, Levi Michel, Fabian Rudorf, Marcel Böttger (von links) sind als Nachrücker für die deutsche Meisterschaft qualifizie
Linas Orth, Levi Michel, Fabian Rudorf, Marcel Böttger (von links) sind als Nachrücker für die deutsche Meisterschaft qualifiziert.

Auch Linas Orth, Levin Michel, Marcel Böttger und Fabian Rudorf werden von ihren Schulen vom Unterricht freigestellt. Mit ihrer Mannschaft haben sie als Nachrücker einen Startplatz in Hannover erhalten, waren auf den Landesmeisterschaften hinter Rheinböllen Vizemeister geworden. Weil die Westfalen sehr stark seien, außer dem Meister noch die sechs punktbesten Mannschaften gestellt hätten, „mussten wir als erster Nachrücker hoffen, dass einer ausfällt“, erzählt Tas. Die Neustadter haben auf den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften keineswegs versagt, „haben mit der Mannschaft in jeder Disziplin eine Bestzeit geschwommen“. Und das Glück ist ihnen hold: Tatsächlich ist ein Team ausgefallen.

Es muss schnell gehen: Linas Orth (links) schwimmt mit Gurtretter zu Fabian Rudorf. Der übernimmt den Gurtretter.
Es muss schnell gehen: Linas Orth (links) schwimmt mit Gurtretter zu Fabian Rudorf. Der übernimmt den Gurtretter.

Abwechslungsreiches Rettungsschwimmen

Die jungen Neustadter sind bewusst keine reinen Schwimmer, sondern Rettungsschwimmer. „Das reine Schwimmen wie 200 Meter Freistil ist mir zu langweilig“, sagt Fabian Rudorf. „Schwimmen ist ein Großteil unseres Trainings“, ergänzt Levin Michel. Je fitter man im Schwimmen sei, desto fitter sei man auch im Rettungsschwimmen. „Aber im Schwimmsport fehlt mir das Flossenschwimmen und Puppenziehen.“ Allein Linas Orth trainiert hauptsächlich im Leistungskader des SC Neustadt. „Ich schwimme 5,5 bis sechs Kilometer vier- bis sechsmal pro Woche im Training“, sagt er. Das Wasserballspielen hat er aufgegeben.

In der 400 Mitglieder starken DLRG Neustadt gehören 50 Jugendliche und junge Erwachsene dem Wettkampfteam an. Um Nachwuchs muss sich die Ortsgruppe nicht sorgen. „In Spitzenzeiten trainieren bis zu 100 Kinder gleichzeitig im Wasser“, erzählt Tas. Damit sind ebenfalls Trainer und Betreuer arg gefordert. Das Training verteile sich nur auf fünf Übungsleiter im Schwimmen plus drei Schwimmlehrer für Schwimmkurse, verweist Tas auf die Tatsache, dass das Betreuerteam gerade so ausreicht.

Zwei Neustadter im Landeskader

Linas Orth und Levi Michel, Rettungsschwimmer der DLRG Neustadt, sind für das Landeskader-Team nominiert worden, das vom 21. bis 23. November „zum höchsten Vergleichswettkampf auf Bundesebene“, so Metin Tas, Technischer Leiter der DLRG Neustadt, in Warendorf antritt: zum Bundespokal. „Neben den Landeskadern messen sich dort auch Nationalmannschaften – höher geht es kaum“, betont Tas.

Sowohl Orth als auch Michel sind schon im vergangenen Jahr für den Landeskader nominiert worden. „Es ist der höchste deutsche Rettungsschwimmer-Wettkampf“, hebt Orth hervor, für den es insgesamt sogar schon die dritte Teilnahme ist. Beide Schüler des Neustadter Kurfürst-Ruprecht-Gymnasiums erinnern sich schmunzelnd daran, dass 2023 extra wegen ihretwegen eine Mathematikklausur verlegt worden sei, damit sie zum Deutschland-Pokal hätten fahren können. Auch jetzt werden sie von ihrer Schule für den Wettkampf vom Unterricht freigestellt.

„In sechs Einzeldisziplinen muss man mindestens zwei bestimmte Zeiten schwimmen“, erklärt Levin Michel, wie Rettungsschwimmer sich für den Landeskader qualifizieren. Er hat im 100-Meter-Lifesaver, dabei müssen die Sportler 50 Meter schwimmen, wenden und zu einer am Beckenboden liegenden Puppe tauchen, sie aufnehmen und ins Ziel schleppen. Michel brauchte 58:23 Sekunden. Über 100 Meter Retten war er nur 52:61 Sekunden unterwegs. Er habe sofort gewusst, dass es für den Kader gereicht habe, so Michel. „Am Anfang eines Jahres gibt es immer die Neujahrspost vom Landestrainer – da stehen die geforderten Zeiten drin.“

Linas Orth hat über 50 Meter Retten (32:21 Sekunden) und 200 Meter Hindernis (2:15 Minuten) Bestzeiten aufgestellt. „Ich hoffe, dass ich die Bestzeiten dieses Jahr noch steigern kann“, sagt er auch mit Blick auf den Deutschland-Pokal-Wettbewerb in Warendorf.

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