Neustadt „Die sicherste Stadt der Pfalz“
Etwas mehr Straftaten als im Vorjahr, Wohnungseinbrüche auf konstant hohem Niveau, dazu mehr Gewalttaten gegen Polizeibeamte: Was die Kriminalitätsstatistik der Polizeidirektion Neustadt für das Stadtgebiet und die Weindörfer sowie die Verbandsgemeinde Lambrecht für 2015 ausweist, hört sich zunächst beunruhigend an. „Aber Neustadt ist die sicherste Stadt in Vorder-, Süd- und Westpfalz. Die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, ist hier am geringsten in der Pfalz“, betonte Jürgen Traub, Leiter der hiesigen Polizeiinspektion (PI), bei der Vorstellung der Zahlen. Die sogenannte Häufigkeitsziffer – ein statistischer Wert, der die Anzahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner angibt, auch wenn in der Pfalz lediglich in Ludwigshafen mehr als 100.000 Menschen leben – liegt in Neustadt bei 8101. Ludwigshafen (10.776), Landau (10.048), Speyer (9949), Germersheim (9945) und Frankenthal (8880) liegen da deutlich drüber. Nichtsdestotrotz registrierte die Polizei im vergangenen Jahr in Neustadt eine Zunahme von Straftaten um sieben Prozent auf 4932 Fälle. In der VG Lambrecht stieg deren Anzahl um 23 Prozent auf 674 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt konstant bei etwa 63 Prozent. Sorge bereitet der Polizei weiterhin die hohe Anzahl von Wohnungseinbrüchen in Neustadt (137), die meist nur schwer aufzuklären seien und häufig von Banden verübt würden. Um die Täter besser aufspüren, aber auch um die Präventionsarbeit intensivieren zu können, wurde im August 2015 die sogenannte AG Bande ins Leben gerufen. Die Gruppe ist der Kriminalinspektion Ludwigshafen angegliedert, teilt sich aber in Regionalgruppen auf, um jeweils vor Ort zu sein. „Die Installation der AG Bande hat sich bewährt, sie hat eine sehr hohe Aufklärungsquote“, informierte Gerhard Jung, Leiter der Neustadter Kriminalinspektion (KI). „Unser Ziel ist es, die Fallzahlen zu verringern und die Aufklärungsquote zu erhöhen“, sagte die für den Abschnitt Neustadt zuständige AG-Sachbearbeiterin Christiane Reit. Auch dank Hinweisen aus der Bevölkerung habe man bereits Einbrecher dingfest gemacht, deshalb seien Veröffentlichungen in der Presse mit entsprechenden Zeugenaufrufen sehr hilfreich bei der Ermittlungsarbeit. KI-Chef Jung betonte, welch starke psychische Belastungen ein Wohnungseinbruch für die Betroffenen mit sich bringe: „Wer mal so einen Tatort gesehen hat, der weiß, was für ein massiver Eingriff in die Intimsphäre das ist. Man verliert ein bisschen das Vertrauen in die eigenen vier Wände.“ Da die Täter fast immer zuschlügen, wenn niemand zu Hause sei, solle man „Häuser nie leer aussehen lassen“. Licht, Geräusche, veränderte Rolladenpositionen, geleerte Briefkästen – man dürfe niemals signalisieren, dass niemand zu Hause ist. „Die Täter gehen das Risiko dann nicht ein“, so Jung. Zwei sogenannte Straftaten gegen das Leben tauchen in der 2015er Statistik für Neustadt auf, zu Tode kam dabei allerdings niemand. In einem Fall handelte es sich um versuchten Totschlag: In einem Lokal in der Innenstadt war das Opfer durch Messerstiche in den Rücken verletzt worden, der Täter wurde ermittelt. Im anderen Fall lautete der Vorwurf „Tötung durch Unterlassen“: Ein Mann hatte keinen Arzt verständigt, nachdem seine todkranke Frau Medikamente genommen hatte, um zu sterben. „Das war eine Familientragödie, aber nach dem Gesetz war es eine Straftat“, erläuterte Jung. (ffg)