Hambach RHEINPFALZ Plus Artikel Die Sanglichkeit des Saxophons: Kurpfälzisches Kammerorchester bei Schloss-Serenaden

Die Chemie zwischen Pult und Tutti stimmte einfach: Das Kurpfälzische Kammerorchester mit dem Saxophonisten Elliot Riley, geleit
Die Chemie zwischen Pult und Tutti stimmte einfach: Das Kurpfälzische Kammerorchester mit dem Saxophonisten Elliot Riley, geleitet von Dirigent Marek Štilec.

Spätromantischer Klangzauber mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester bei den Hambacher Schloss-Serenaden: Gefeierter Solist war Elliot Riley.

Es war der spätromantische, zwischen weit ausschweifend und melancholisch verschattet angesiedelte Grundton, der die Werkfolge beim zweiten Hambacher Schlosskonzert des Kurpfälzischen Kammerorchesters sinnfällig verknüpfte. Als Gast führte der junge tschechische Dirigent (und Geiger!) Marek Štilec das Mannheimer Exzellenz-Ensembles mit Bravour durch ein nicht wenig anspruchsvolles internationales Streicherprogramm. Und man spürte: Die Chemie zwischen Pult und Tutti stimmte einfach.

Solist des Abends war der deutsch-amerikanische Saxophonist Elliot Riley. Und er wandelte mit dem Konzert Es-Dur von Alexander Glasunow – vielleicht dem populärsten des Genres überhaupt – als langjähriges Mitglied des berühmten Rascher-Saxophon-Quartetts quasi auf „familiären“ Spuren. Hatte doch einst der legendäre Gründer jenes durch Generationen neu erblühenden Weltklasse-Quartetts, der 1933 nach Dänemark emigrierte Sigurd Rascher, die Komposition bei Alexander Glasunow bestellt. Und 1934 uraufgeführt.

Ein Werk voller lieblicher Sanglichkeit und gleichzeitig figuralem Übermut, mit herrlichen Solosequenzen, aber auch einer wunderbar geglückten Einbettung in den warmen Streicher-Sound ist da entstanden. Es bietet Bravour-Eskapaden ebenso wie hinreißenden Schmelz und bleibt drei Sätze lang spannend und voller frischer Überraschungen. Und Rileys Interpretation faszinierte vom ersten Moment durch den hinreißend gerundeten Sound, die differenzierte Eloquenz seines Vortrags, sein so sorgsam seelenvolles Eintauchen in die Erzählung der Komposition, gänzlich frei von Attitüde.

Schlagabtausch zwischen Streicher und Sax

Seine ganz spontan gewährte Zugabe – eine Bearbeitung der berühmten Rachmaninov’schen „Vokalise“ – offenbarte einmal mehr auf sympathische Weise den Interpreten, der sich achtungsvoll, indes mit großen künstlerischem Impetus hinter das Werk bescheidet. Das Kurpfälzischer Kammerorchester nun hatte dem Solisten in geradezu idealer Partnerschaft zur Seite gestanden. Da mischten sich Streicher und Sax klanglich geradezu perfekt; und dem konzertanten Schlagabtausch zu lauschen war pure Lust.

Schon eingangs hatte Štilec mit dem empfindsamen Andante non troppo aus der „Elegie für Streicher“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski eindrucksvoll mit dem Mannheimer Streicherensemble atmosphärische Zauberkunst inszeniert, die irgendwie jenseits der hiesigen Welt angesiedelt schien. Schwebeklänge von solcher Zartheit, solche Innerlichkeit, so sanft in der Atemstille verebbend, dass man fürchten musste, sich beim Lauschen mit ihnen aufzulösen.

Ausflug in den fernen Westen

Im Übrigen brachte der Vormittag interessante kompositorische Begegnungen, die nicht zwangsläufig in den Repertoires auftauchen. Zum Beispiel mit dem 1861 in Nowgorod geborenen Anton Arensky und seiner zuweilen spritzigen, zuweilen elegischen Variationenfolge über ein Thema von Tschaikowski. Nach der Pause folgte mit Robert Fuchs und seinem gefühlsseligen „Capriccio für Streicher“ der Wechsel nach Österreich. Vor allem als Lehrer von Franz Schreker und Gustav Mahler ging der heute selten Zitierte in die Annalen der Musikgeschichte ein – eher, als mit seinem eigenen, durchaus nicht uninteressanten Oeuvre.

Der Brite Granville Bantock schließlich, dessen 1912 uraufgeführte, opulente viersätzige Streicher-Serenade „In the Far West“ die Programmfolge spektakulär beschloss, brachte es zu Lebzeiten zu beachtlicher Reputation. Die Serenade bleibt dezidiert tonal, atmet frühes Filmmusik-Flair und spart auch nicht mit populären Zitaten („Old Man River“ im Eingangssatz), ist aber allemal eine prächtige Spielwiese für exquisite Streicher-Kultur. Und die zelebrierte das Kurpfälzische Kammerorchester auf höchstem Niveau. Mit Temperament, spieltechnischer Verve und leuchtender Brillanz in den aufblühenden Passagen; und ebenso mit makelloser, unaufgeregter rhythmischer Präzision sowie seidenweicher Piano-Kultur von unbeschreiblicher Eindringlichkeit. Großartig!

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