Über den Kirchturm hinaus Die neue Orgel: Kirchenmusik muss nicht langweilig sein

Die Orgel der protestantischen Johanniskirche in Maikammer ist hergerichtet. Am 18. Februar wird sie wieder erklingen.
Die Orgel der protestantischen Johanniskirche in Maikammer ist hergerichtet. Am 18. Februar wird sie wieder erklingen.

Ein junger Mann sitzt an einem See und spielt Gitarre. Viele halten an, hören ihm zu. Man spürt, er singt und spielt mit Herz, mal rockig, mal ruhige Balladen. Als ich mich zu ihm setze, erzählt er aus seinem Leben. Und sagt einen Satz, der mich sehr berührt: „Man kann Gott nicht besser zu den Leuten bringen als über Musik.“

Ja, das stimmt, und wir sollten überlegen, welche Musik wir in unseren Kirchen anbieten. Ab und zu singen wir bei uns zum Beispiel mit den Kindern ein Bewegungslied. Sich im Rhythmus zu bewegen tut gut, macht Freude. Und wir konnten beobachten, dass nicht nur die Kinder, sondern inzwischen fast alle Erwachsenen mitmachen. Begleitet werden diese Lieder mit Gitarre. Ab und zu hatten wir auch schon eine Band da, was ebenfalls gut ankam.

Ist die Orgel in der Kirche noch zeitgemäß?

Vor einigen Jahren standen wir dann vor der Frage: Eine Orgel – braucht man die heute eigentlich noch? Hören die meisten Leute nicht lieber andere Musik? Es hatte sich gezeigt, dass unsere Orgel restauriert werden muss. Der finanzielle Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Wir überlegten lange hin und her, fragten uns, ob man es in unserer Zeit noch verantworten kann, für ein altes Instrument so viel Geld in die Hand zu nehmen.

Jochen Keinath
Jochen Keinath

Doch von vielen Seiten kam Ermutigung. Schließlich ist so eine Orgel schon was Besonderes, ein wertvolles Kulturgut. Stiftungen stellten Zuschüsse in Aussicht, aber nur, wenn das Instrument in seinen ursprünglichen Zustand versetzt wird. So gingen wir das Wagnis ein, machten Spendenaktionen. Bei einem Benefiz-Konzert wurde Popmusik auf der Orgel gespielt. Die Kirche war voll.

Ja, Musik hat eine große Bedeutung, wenn wir wollen, dass Menschen etwas von der Liebe und Größe Gottes erleben. Und auch eine Orgel bietet da viele Möglichkeiten. Das sahen nicht wenige Menschen so und unterstützten uns, kauften „Orgelwein“, besuchten Veranstaltungen. Inzwischen ist die Finanzierung gesichert, die Restaurierung abgeschlossen. Das muss natürlich gefeiert werden.

In einem Gottesdienst am 18. Februar um 16 Uhr in unserer Johanniskirche Maikammer. Und bei einem Konzert mit hochkarätiger Besetzung: Nanette Schmidt vom bekannten Mandelring-Quartett spielt mit dem von vielen geschätzten Bezirkskantor Simon Reichert. Übrigens: Beim Empfang nach dem Gottesdienst wollen wir übrig gebliebene Orgelpfeifen versteigern. Wer hat Interesse, so ein schönes Stück neben seine Gitarre oder sein E-Piano zu stellen?

Der Autor

Jochen Keinath, protestantischer Pfarrer in Maikammer

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