Neustadt Die Kunst ist jung und weiblich

Placeholder-Image

Junge Kunst mit regionalen Bezügen bestimmt 2016 das Ausstellungsprogramm des Neustadter Kunstvereins in der Villa Böhm. Mit seinen 39 Jahren ist dabei der in Köln lebende Neustadter Philip Emde, der ab 26. Februar die erste Schau bestreitet, schon der älteste der eingeladenen Künstler. Wie der Kunstvereinsvorsitzende Wolfgang Glass erläutert, war die Ausstellung schon seit langem geplant, musste aber immer wieder verschoben werden, weil Emde auch andernorts sehr gefragt ist. Großformatige, monochrome, nichtfigurative Graphit-Zeichnungen bildeten den Schwerpunkt der Präsentation, erklärt der Künstler selbst. Dazu kämen vermutlich noch Videoprojektionen und Objekte, ähnlich der Plüschtier-Installation, die er derzeit in einer Kölner Galerie zeigt (bis 13. März). Eine weitere Einzelausstellung ist ab 27. Mai dem Kaiserslauterer Graffiti-Künstler Carl Kenz gewidmet. Der 33-Jährige verspricht „surreal-humoristische Bilder“, bei denen saugnapfbewehrte Krakenarme eine wichtige Rolle spielen, Installationen, eine eigens für die Villa Böhm gefertigte Holzskulptur sowie ein Happening in der Tradition der Fluxus-Bewegung. Ursprünglich habe man im Verein bereits für den Kultursommer 2015 eine Street-Art-Präsentation geplant, so Glass. „Jetzt holen wir die Straßenkunst eben in die Villa“ (bis 12. Juni). Im Sommer folgt dann wieder die Nachwuchs-Ausstellung des Kunstvereins, an der sich junge Künstler im Alter von 18 bis 35 beteiligen können (29. Juli–14. August). Der Sieger der letzten derartigen Ausstellung, der für seine fotorealistischen Figurenbilder bekannte Schifferstadter Daniel Odermatt, ist dann im Oktober mit seiner Preisträger-Ausstellung in der Villa Böhm zu erleben (14.-30. Oktober). Odermatt ist auch einer der „Vier der Besten aus dem Südwesten“, die im Mai in einer Kunstausstellung zu sehen sind, die parallel zum Nachwuchsfestival „Querfälltein“ im Mußbacher Herrenhof läuft (wir berichteten). Die Schau präsentiert die vier bisherigen Sieger des „Junge Künstler in der Villa“-Wettbewerbs des Kunstvereins erstmals in einer Gemeinschaftsausstellung – neben Odermatt also auch Josef Rosalia Hein (früher Josef P. Werner), Dominik Schmitt und Benjamin Burkard (8.-29. Mai). Noch jünger, nämlich bis 16 Jahre alt, sind die Aussteller der „Kinder- und Jugend-Documenta der Pfälzischen Sezession“, die ab Spätsommer in der Herrenhof-Kunsthalle präsentiert wird (18. September-9. Oktober). Wie Gustav-Adolf Bähr, der Vorsitzende der Fördergemeinschaft Herrenhof, berichtet, würden dabei rund 20 Künstler der Sezession als Paten für je ein künstlerisches Nachwuchstalent fungieren, das sie selbst auswählen. Ob neben den Schülerarbeiten auch Werke der Lehrer gezeigt werden, müsse noch entschieden werden, so Bähr. Eröffnet wird das Ausstellungsjahr im Herrenhof am 3. April allerdings mit einer Schau, die den Titel „Kunst ist weiblich“ trägt und ausschließlich Werke von Künstlerinnen bietet. Das Ziel sei es dabei herauszuarbeiten, ob es einen spezifisch weiblichen Zugang zur Kunst gebe, so Bähr. Die Auswahl stehe zwar erst am Anfang, sicher sei aber, dass namhafte Künstlerinnen aus der Region wie die Neustadterin Vlada Hauser und die Deidesheimer Modedesignerin Stefanie Wiebelhaus vertreten seien (bis 24. April). Kuratorisch noch anspruchsvoller ist das Thema einer weiteren Schau, die im Juni geplant ist und die Neustadter Kunstszene in den Blick nehmen soll. „Wir wollen zeigen, welche Künstlerpersönlichkeiten heute den Platz einnehmen, den früher Leute wie Dill, Ritter, Vorhauer, Varga oder Abresch besetzten“, umschreibt Bähr die Überlegungen. Die Auswahl treffe der „Arbeitskreis Kunst“ der Fördergemeinschaft (5.-26. Juni). Im Herbst stehen außerdem noch die Wanderausstellung „Kunst trotz(t) Armut“ der „Evangelischen Obdachlosenhilfe in Deutschland“ an, die die Fördergemeinschaft aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der Neustadter Tagesbegegnungsstätte Lichtblick nach Mußbach holt (30. Oktober-20. November), sowie die traditionelle Editionen-Ausstellung der „Vereinigung Pfälzer Kunstfreunde“. Mit einer Themenausstellung mit dem Arbeitstitel „Linie“, die verschiedene ihrer Stammkünstlerinnen wie Anne Kuprat, Cora Volz und Sophie Casado vereinigt, eröffnet Ingrid Bürgy-de Ruijter das Jahresprogramm in ihrer Galerie Upart im Schöntal (bis 28. Februar). Dorthe Goeden, eine Künstlerin, die sie neu in ihr Programm aufgenommen hat, folgt ab 6. März. Diese werde Scherenschnitte und Zeichnungen zeigen, denen Skulpturen der Münsteraner Bildhauerin Hyun Gyoung Kim gegenübergestellt würden, so Bürgy-de Ruijter (bis 24. April). Eine Gruppenausstellung zum Motiv „Wasserwelten“ solle im Mai folgen. Das weitere Programm sei noch nicht fixiert, so die Galeristin. Sicher sei aber, dass es in der zweiten Jahreshälfte eine Doppelausstellung mit Arbeiten der Papierkünstlerinnen Sophie Casado und Alexandra Hendrikoff geben werde. Eher ruhig werde es 2016 in ihrer Galerie in Deidesheim zugehen, sagt die Keramikkünstlerin und Galeristin Friederike Zeit. Außer der üblichen Weihnachtsausstellung plane sie bislang keine größere Veranstaltung. Gesetzt ist für sie allerdings das Keramiksymposium „Intonation“, das von 7. bis 17. April zum zwölften Mal in ihrer Galerie und der ehemaligen Synagoge stattfindet. Außer ihr selbst, dem Norweger Svein Narum und dem Spanier Juan Orti, dessen Arbeiten 2015 bei der Spedition hängen geblieben waren, sind diesmal nur „Neulinge“ dabei: ein Ungar, ein Engländer, eine Schwedin und eine Spanierin. Im Unterschied zu früher werde es diesmal am Schluss der Arbeitswoche keinen Markt geben, sondern öffentliche Vorträge mit Bildershows, so Zeit. So solle erreicht werden, dass die Besucher mehr über die Künstler erfahren könnten. Zwei „Heimspiele“, also Doppelausstellungen mit junger, innovativer Fotokunst aus dem Umfeld einschlägiger deutscher Hochschulen, seien auch 2016 wieder beim Fotoprojekt „Gute Aussichten“ im Haardter Schloss geplant, erklärt Stefan Becht. Allerdings stehe bislang nur einer der Künstler für die erste Schau, die im April/Mai ansteht, fest. Es ist ein Preisträger des ersten „Gute Aussichten“-Jahrgangs 2004, der sich mittlerweile einen guten Namen in der Fotoszene erarbeitet hat: der Düsseldorfer Thomas Neumann, ein Schüler von Thomas Ruff. Von ihm wollen Becht und seine Partnerin Josefine Raab Arbeiten aus einer neuen Serie mit kunstvoll verfremdeten Landschaftsansichten aus Japan zeigen, die etwa durch ungewohnte Perspektive oder Belichtung fast wie Grafiken anmuten. Wenn es sich terminlich einrichten lasse, wollten sie in Haardt außerdem im Sommer einen Abend mit dem bekannten österreichischen Regisseur Ulrich Seidl, Schöpfer unter anderem der Trilogie „Liebe, Glaube, Hoffnung“, veranstalten, so Becht weiter. Über 20 Einzelveranstaltungen plant Ulrike Fellner, die Nichte des 2006 verstorbenen Malers Ludwig Fellner, 2016 im Weinstraßenatelier, dem früheren Wohn- und Atelierhaus des Künstlers in Königsbach. Gleich zum Saisonauftakt am 2. April steht dabei eine Ausstellung an, die Veduten und Landschaften, die Fellner in Aquarelltechnik in Neustadt und Umgebung geschaffen hat, Fotografien gegenüberstellt, in denen der Königsbacher Bernd Menck, langjähriges Mitglied des „Neustadter Fotoforums“, das identische Motiv in aktueller Ansicht einfängt. Auch zwei interessante Neuerungen seien 2016 geplant, so Ulrike Fellner weiter. So werde die Künstlerin Iza Koch einmal im Monat Malkurse im Atelier anbieten. Gedacht sei an einen Start schon vor der offiziellen Atelier-Eröffnung, eventuell zur Mandelblüte im März. Außerdem wolle das Weinstraßenatelier künftig in der Saison von April bis Oktober jeweils am ersten und zweiten Samstag eines Monats um 16 Uhr kleine Konzerte bieten. Eine entsprechende Kooperation mit zwei Neustadter Musikschulen, der „Jugendphilharmonie Deutsche Weinstraße“ und dem „Musikhof“, sei vereinbart, so Fellner. Eine interessante Ausstellung plant 2016 auch der Künstler Gerhard Hofmann in seinem Atelier im Ägyptenpfad: „Neustadt an der Weinstraße in der Druckgrafik“ lautet der Titel der Schau, die Tiefdrucke, Holzschnitte, Holzstiche und Lithografien aus fünf Jahrhunderten versammelt, die sich mit Neustadt befassen – von Daniel Meisner und Mathäus Merian bis in die Gegenwart. Die Eröffnung ist am 27. September vorgesehen. (hpö)

x