Neustadt Der Mann, „der die Musik nach Yale brachte“

Beim Erstellen einer Auswandererliste für die Gemeinde Maikammer ist Matthias Dreyer auf einen vergessenen großen Sohn des Ortes gestoßen: auf den Musikprofessor Gustav Jacob Stoeckel, der Dozent an US-amerikanischen Universitäten war.
Derzeit ist Matthias Dreyer unter anderem mit dem Erstellen einer kompletten Auswandererliste für Maikammer-Alsterweiler beschäftigt. Die Arbeitsergebnisse von Pfarrer Alois Lamott, Carolin Gadinger und Günter Schäfer sind ihm „freundlicherweise“ zur Verfügung gestellt worden. Er fasst sie jetzt in einer einheitlichen Liste zusammen. Mehr als 500 Menschen haben zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert ihre Pfälzer Heimat verlassen. „Dabei stieß ich auf Musikprofessor Dr. Gustav Jacob Stoeckel, stellte fest, dass es eine englische Internetseite gibt und es sich bei jenem Maikammerer um eine anerkannte Persönlichkeit in der Musikwelt handelt“, berichtet Dreyer. Gustav Jacob Stoeckel, geboren am 9. November 1819 in Maikammer als Sohn einer Winzerfamilie, hatte nach dem Besuch des Priesterseminars in Kaiserslautern Kompositionslehre studiert und als Musiklehrer unterrichtet, ehe er im Jahr 1847 in die USA emigrierte. Bereits 1849 wirkte er als Musikdozent an einer der berühmtesten Universitäten der Vereinigten Staaten: an der Yale-University in New Haven/Connecticut. Auch war er Organist an der Yale College Chapel. Der Pfälzer gilt sogar als Musikpionier. Der drittälteste Stiftschor der Vereinigten Staaten, der Yale Glee Club – bis heute ein renommierter Chor von internationalem Ruf – ist auf Gustav Jacob Stoeckel zurückzuführen. Stoeckel erstellte ein Gesangbuch mit dem Titel „Kirchenmusik“ wie auch ein spezielles Hochschul-Gesangbuch. Neben Kompositionen für Klavier, Liedern, Ouvertüren und Orchester-Sinfonien hinterließ er auch Opern. Gustav Jacob Stoeckel, der 1907 starb, hatte bis 1894 – also 45 Jahre lang – in Yale seine schöpferische Heimat. Im Jahr 1954 wurde die Musikhochschule der Yale-Universität nach ihm benannt. Sogar die New York Times schrieb dem Professor und Doktor der Musik aus „Maikammer in der bayerischen Pfalz“ einen Nachruf und würdigte den Verdienst des Mannes, der einst „die Musik nach Yale brachte“ und in den Staaten als ein Pionier der Musikgeschichte in Erinnerung geblieben ist. „Vielleicht kann man einige seiner Kompositionen in Maikammer einmal noch zur Aufführung bringen“, überlegt Dreyer und findet gut, dass Maikammer mit Gustav Jacob Stoeckel jetzt auch noch auf einen großen Sohn in der Musikszene verweisen kann. Matthias und Ingrid Dreyer haben das Lebenswerk des kaiserlichen und königlichen Hofarchitekten Heinrich Koch erschlossen, indem sie mehr als 3000 Kilometer auf dessen Spuren durch die einstige Donaumonarchie gereist sind, um seine Schlösser, Paläste, Kirchen und Museen für den Heimatort Maikammer zu dokumentieren. Eine Powerpoint-Präsentation zu dem Thema soll noch folgen. Matthias Dreyer ist Mitglied von Sellemols, dem Club der Historienfreude Maikammer. Markus Hener hat dem Club eine eigene Internetseite eingerichtet: www.club-sellemols.de (jzs)