Neustadt Der Jugend eine Stimme geben
Das Neustadter „Querfälltein“-Festival lädt zum „Come together“ auf den Juliusplatz – Heute letzter Tag in der Innenstadt
Kurzgeschichten, deutsche Popmusik und Hip-Hop-Tanzeinlagen, all das bot der erste „Come together“-Abend am Dienstag auf dem Neustadter Juliusplatz. Die Veranstalter des „Querfälltein“-Festivals verfolgen damit das lobenswerte Ziel, der Jugend eine Bühne zu geben. Trotzdem waren nur eine Handvoll der eigentlichen Zielgruppe anwesend. Ungefähr 30 Stühle waren am Dienstagabend zum „Come together“ – kommt zusammen – auf dem Juliusplatz besetzt. Vereinzelt lauschten auch Jugendliche gespannt den Darbietungen. „Es ist noch Luft nach oben“, gestand der Leiter der Neustadter Kulturabteilung, Wolfgang Dinges. Eigentlich solle das Abendprogramm speziell die junge Generation ansprechen. Die tatsächliche Resonanz sei aber noch ausbaufähig. Diejenigen jungen Leute, die vor Ort waren, zeigten sich jedoch begeistert: „Ich finde es sehr cool, dass Neustadt etwas für die Jugend macht. Deswegen – und wegen der Poesie – bin ich heute da“, meinte die 21-jährige Michelle Eicher. Denn bei ihr habe das früher anders ausgesehen: „Wir hatten damals gar nichts. Kein Festival, keine Workshops.“ Deshalb unterstütze sie die Veranstaltung durch ihre Anwesenheit.
"Fröhlicher und lockerer Rahmen"
Bei diesem ersten „Come together“ des „Querfälltein“-Festivals standen an diesem Abend drei junge Neustadter Künstler vor dem Mikrofon: Der Popsänger Mark Selinger, Ricco Sprengart mit seiner Poetry-Performances, und für Hip-Hop-Einlagen sorgte Lea Lechner im Duo mit Desteny Alozie. Beim Gesang wippten die Zuschauer im Takt mit den Köpfen mit. Bei jeder neuen Kurzgeschichte, die vorgelesen wurde, hörten die Interessierten genau zu. Und letztendlich folgte auch nach dem Duett ein warmer Applaus der Anwesenden. „Ich mag es, in diesem fröhlichen und lockeren Rahmen aufzutreten“, sagte Ricco Sprengart. „Außerdem ist der Abend vielseitig, durch die unterschiedlichen Talente: Musik, Tanz, Literatur.“ Die verschiedenen Beiträge wurden im Wechsel präsentiert, wobei vor allem von Seiten des Publikums die Anerkennung deutlich wurde: „Respekt, dass sie sich einfach da hinstellen“, sagte die 21-jährige Dominique Kobel aus Neidenfels bewundernd.
"Verpflichtet, jungen Menschen zuzuhören"
Der Jugend eine Bühne zu geben, bedeutet für den „Querfälltein“-Organisator Wolfgang Dinges: „Wir sind dazu verpflichtet, den jungen Menschen zuzuhören.“ Denn auch dazu sei das abendliche „Come together“ bestimmt. Es solle einen Raum für generationsübergreifenden Austausch zum Thema Freiheit und Europa bieten, um negativen Folgen, wie beispielsweise den Brexit in Großbritannien, gegenzusteuern. Denn bei dieser Entscheidung sei mehr oder minder über die Köpfe der jungen Generation in England hinweg bestimmt worden, ohne deren Stimme zu hören. Und nach der Volksabstimmung lautete das Ergebnis: Die Europäischen Union wird verlassen.
"Demokratie mehr wertschätzen"
„Der Gedanke: Wir sind Europa“, soll Dinges zufolge in diesem Jahr besonders in den Vordergrund gerückt werden. „Es ist uns sehr wichtig zu transportieren, dass man mit Wertschätzung und nicht mit Hass aufeinander zugeht.“ Auch die jungen Akteure des Abends selbst finden die Gestaltung des Festivals gut. „Eigentlich macht man sich über Demokratie und Freiheit nicht so viele Gedanken. Aber wir sollten es mehr wertschätzen“, erklärt die 16-jährige Hip-Hop-Tänzerin Lea Lechner. Auch Mark Selinger stimmt zu: „Gerade in Zeiten wie jetzt – mit Chemnitz und der AfD – ist es wichtig, jungen Leuten Demokratie näher zu bringen“, sagt der 30-jährige Popsänger. Als Liedschreiber habe er sich auch selbst schon an gesellschaftskritische Themen gewagt.