Neustadt
Deidesheimer Kerwe: Generationenwechsel unter den Beschickern
Deidesheim: Die Weinkerwe in der Stadt an der Weinstraße gehört zu den beliebtesten Weinfesten in der Pfalz. Über die Zukunft muss man sich dort keine Gedanken machen. Der Nachwuchs steht längst in den Startlöchern beziehungsweise sorgt bereits für frischen Wind. Zum Beispiel mit dem Blubber des Tages. Schorle gibt es nach wie vor.
Klein, aber fein. Ein wenig versteckt befindet sich das Sekthaisl in der Woigass vor dem ehemaligen Postgebäude und neben der Ausschankstelle der Niederkirchener Weinmacher. Es ist der Treffpunkt vieler Weinfreunde zum Start der Weinkerwe oder eben zur mitternächtlichen Stunde zum Abschluss des Besuchs. Zumindest trifft man dort regelmäßig die Kerwebuwe vor und nach ihren Einsätzen in Frack und Zylinder an.
Seit 1984 gibt es diese winzige Holzhütte mit einer Fläche von nicht einmal drei Quadratmetern. Nach nunmehr 25 Jahren folgte dort der Generationenwechsel. „Sekthaisl 2.0“ heißt es jetzt, nachdem Florian und Marita Schalk, Lisa und Tom Dörr, Timo und Anke Schnautz sowie Diana und Georg Andres jetzt das Erbe ihrer Eltern angetreten haben. Es ist ein Familienprojekt gewesen und wird es auch bleiben. „Und unsere Kinder werden das Sekthaisl 3.0“ sein“, meint Schalk (37). Aber einfach nur weitermachen, ist nicht ihre Devise.
„Ohne Schorle geht gar nichts“, aber es gibt auch Secco mit Sirup
Sie haben einiges verändert. Die Mixgetränke bis auf den Himbeersecco wurden von der Karte gestrichen. Dafür kamen die besten Sekte der Erzeuger aus der Verbandsgemeinde Deidesheim ins Angebot. Und es gibt den „Blubber des Tages“. Drei Magnumflaschen einer Sektsorte werden täglich als Höhepunkt ausgeschenkt.
Eine pfiffige Idee, die bei den Kerwebesuchern ankommt. Die ersten Gäste genießen die Perlen des Pinot Brut vom Sekt- und Weingut Winterling. Man trifft sich, plaudert, in der Sektlaune entstehen Gespräche und Freundschaften.
Nicht anders ist es am Geißbockbrunnen, wo Ludwig Anslinger (61) seit 13 Jahren die „Sekt-Oase“ führt. Der Name täuscht ein wenig, denn „Lui“, wie sie ihn nennen, hat mehr als nur Sekt zu bieten. „Wir haben das volle Programm, und ohne Schorle geht gar nichts“, erzählt der Urdeidesheimer. Per Zufall sei er zu seinem Stand gekommen, berichtet er. Erst habe er Verwandte unterstützt, dann sei ihm der Stand angeboten worden. „Da ich Spaß daran habe, konnte ich nicht Nein sagen“, plaudert Anslinger weiter.
Seine Tochter Jana und sein Sohn Steffen stehen schon in den Startlöchern und unterstützen ihn ebenso wie seine Frau. Seine Spezialität ist eben „Lui“, ein Secco mit Bittersirup und Pink-Grapefruit-Nektar. „Dafür ist der Hugo sehr rückläufig. Und eine Schorle geht immer“, verrät Anslinger augenzwinkernd. Er ist eben mit viel Leidenschaft und Freude dabei.
Seit 1972 die gute Seele an der Bratpfanne
Das tut auch Roswitha Kraft (68). Sie ist von der ersten Kerwestunde an seit 1972 dabei und deshalb die gute Seele an der Bratpfanne. „Da wir den ersten Straßenverkauf in Deidesheim hatten, war es doch klar, dass wir auch bei der Kerwe mitmachen“, erzählt Kraft. Auch wenn sie in ihrer Gaststätte „Zum Weinberg“ etwas kürzer getreten sei, denke sie bei der Kerwe noch nicht ans Aufhören. Roswitha Kraft brutzelt die Würste, sorgt für Pfälzer Dreierlei und so alles, was sich Gaumenfreunde auf pfälzische Art wünschen. Ihre Bratwurst-Hütte an der VR-Bank ist bis weit nach Mitternacht Anlaufstelle für alle hungrigen Mäuler.
Ihre Tochter Kerstin und deren Ehemann Ralf mit Sohn Andy befinden sich nebenan mit ihrem Ausschank und feiern diesmal die 30. Kerwe-Teilnahme hinter dem Tresen. „Es macht immer noch so viel Spaß wie beim ersten Mal“, verrät Ralf Schubing. Er liebt bei der Bewirtung den Kontakt zu seinen Gästen. Die Laufkundschaft bleibt vor seinem Tresen eben stehen.
Auch beim Weingut Mehling, das alljährlich zahlreiche Gäste allein wegen der Livemusik in den Hof lockt, ist der Generationenwechsel vollzogen. Kathrin Otte, die frühere pfälzische Weinhoheit hat dort das Sagen und hält am bisherigen Konzept ihrer Eltern fest. In Deidesheim muss man sich um die Zukunft der Weinkerwe keine Gedanken machen.