Neustadt
Deidesheimer Duggan beendet Karriere als Tennisspieler und -trainer
Sportler im Blick: Sie nennen ihn „Mannschaftsdaddy“ oder auch „social secretary“: Paul Duggan hat mit Ende der Medenrunde seine Laufbahn als Tennisspieler beendet. Und im September will er auch als Tennislehrer aufhören. In der Pfalzliga-Mannschaft des TC Deidesheim hat der 62-Jährige bis zuletzt noch an Position zwei gespielt. Doch Tennis ist für ihn weit mehr als nur eine Sportart.
Deidesheim. Er habe immer gespürt, wer mit wem am besten spielen oder trainieren könne, erzählt Paul Duggan. „Wir als Verein setzen nun alles daran, die Herren I als Mannschaft nächstes Jahr erhalten zu können – auch ohne unseren Mannschaftsdaddy“, sagt Laura Werner, die sich beim TC Deidesheim um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. „Dieses Jahr habe ich nur ein paar Spiele gewonnen – 2018 fast alle bis auf eins“, erzählt Duggan, ein gebürtiger Australier, der in der Pfalz schon lange zu Hause ist. Seine Gegner zuletzt, plaudert er schmunzelnd weiter, könnten seine Söhne oder gar seine Enkelkinder sein. Er selbst, sagt er bescheiden, sei „Schnee von gestern“.
Fitnesstraining zum Fitbleiben und Entspannen
Dass er noch in der Lage gewesen sei, deutlich jüngere Spieler zu schlagen, führt der in Maikammer mit seiner Frau Heidi lebende Duggan auf seine neue Passion, sein Fitnesstraining, zurück. „Ich mag es, mich zu bewegen“, stellt er fest. „Ich bin jeden Tag im Fitnessstudio – zum Fithalten und zum Entspannen.“ Den Tennisschläger hängt er auch nicht für immer an den Nagel. „Ich möchte nur einfach nicht mehr an Wettbewerben teilnehmen“, betont er. Er spiele „nur noch just for fun“. Und den Zeitpunkt aufzuhören, habe er selbst bestimmen wollen. „Ich will nicht von anderen gesagt bekommen: Was machst Du alte Schachtel noch auf dem Tennisplatz?“, erklärt der Wahl-Maikammerer seinen Rücktritt. 1987 war Paul Duggan nach Deutschland gekommen. Als Tourist wollte er damals seinen Freund Brian Benson, ebenfalls Australier, in Neustadt besuchen. „Es hat mir sofort hier gefallen“, erinnert sich Duggan. Und war Tennis bisher eine Sommerdisziplin, so war der weiße Sport in Neustadt damals neuerdings auch im Winter möglich. Denn im November 1976 war beim TC Rot-Weiß Neustadt in Hambach die Tennishalle eingeweiht worden. Duggan ist geblieben, war zunächst acht Jahre lang Tennistrainer beim TC Rot-Weiß, hat mit dem Rot-Weiß-Team in der Regionalliga gespielt, „damals war das die zweithöchste Klasse in Deutschland“, sagt Duggan. 1990 wechselte er als Tennislehrer zum TC Deidesheim.
In der Deidesheimer Männermannschaft seien seine Teamkollegen „so um die 30“ Jahre alt. Er sei für die jungen Spieler eine Art Mentor, überlegt der 62-Jährige. „Und ein Freund“, betont er und hebt den guten Teamgeist hervor. Denn die Teammitglieder trifft er nicht nur auf dem Tennisplatz. Auch privat sehen sich die Sportler. Ihn halte der Kontakt zu jungen Menschen jung, verrät Paul Duggan und lacht dabei. „Ich versuche nicht, jung zu bleiben. Es passiert einfach auf diese Weise.“ Er habe zwar seit fünf Jahren keine Trainerstunden mehr für Kinder gegeben, aber davor hätten ihn ebenfalls die Jungen und Mädchen jung bleiben lassen, zum Beispiel, indem er die Sprache der Jugend gelernt habe.
Deutschunterricht auf dem Tennisplatz
Apropos Sprache: Paul Duggan spricht perfekt Deutsch, wenn auch sein australischer Akzent nicht zu überhören ist. Und Deutsch hat er nicht etwa in einer Schule, sondern auf dem Tennisplatz erlernt. „Vor allem über die Kinder“, erzählt er dankbar. All dies bestätigt seine Einstellung: „Es ist nicht nur Tennis. Es ist Leben.“
Das nämlich hat er auch als Tennislehrer und -trainer erfahren dürfen, wenn Berufstätige direkt vom Job zu ihm in die Stunde gekommen sind. „Ich war für die das rote Sofa – nur war die Stunde bei mir preiswerter als die bei einem Psychologen“, erinnert er sich gerne an die Trainingseinheiten. Viele Menschen kämen nach der Arbeit zum Tennis, um zu entspannen. Und der weiße Sport sei auch gut für Ältere, weiß er, „wenn man es nicht übertreibt“. Spaß müsse ein ganz wichtiger Faktor sein. Und selbst, wer über 50 oder 60 Jahre alt sei, könne Tennis noch erlernen. „Man muss nur den passenden Tennislehrer haben“, ergänzt er schmunzelnd.
Paul Duggan ist Europäer geworden
Nach Australien zieht es Paul Duggan nicht mehr. Neun Jahre sei er nicht mehr in seiner Heimatstadt Sydney gewesen. „Es ist einmalig, an der Weinstraße zu leben“, schwärmt er von „der Schönheit der Natur, von den Menschen in der Pfalz. Es ist hier ein Paradies“. Er sei europäisch geworden, plaudert er weiter. Er möge es, verschiedene Länder zu besuchen und die dortigen Kulturen kennenzulernen. So verbringen er und seine Frau gerne den Urlaub in Italien, Portugal, Frankreich oder England. Manchmal, so verrät er, spaziere er mit seiner Frau durch die Weinberge. „Sie genießt das hier auch – Lifestyle of Weinstraße“, sagt Paul Duggan und lacht schon wieder.