Neustadt Das Flaschenhalter-Umweltrette-Teil

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Menschen, die Flaschen aus Mülleimern fischen. Obdachlose, ja klar; aber nicht mehr ausschließlich. Immer öfter sind es auch Jugendliche und Senioren, die reingreifen, um rauszukommen – aus dem Geldmangel zum Beispiel. Diese Menschen sind aus den Städten nicht mehr wegzudenken. Was neuerdings in Speyer etwas ulkig knallgelb (oder in der Innenstadt grau) an den Mülleimern hängt, soll diesen Menschen helfen: der Pfandring, in den Passanten ihre leeren Flaschen stellen können. Auch für die Umwelt soll er gut sein, weil er Müll verhindert. Des Rings Erdenker ist der 27-jährige Designer Paul Ketz, der sein System unter anderem schon in Karlsruhe und seiner Heimatstadt Köln eingeführt hat. In Speyer hatte die SPD-Fraktion im März einen Prüfantrag im Stadtrat eingebracht mit dem Vorschlag, diese Idee doch zu übernehmen. Jetzt hängen zehn Ringe, unter anderem beim Stadthaus, beim Altpörtel, drei an der Rheinpromenade. Es ist eine Reaktion darauf, dass es auch hier immer mehr Pfandflaschensammler gibt. Die müssen in Abfall greifen, mit Taschenlampen zwischen benutzte Taschentücher und Kaffeebecher leuchten. Und das sind noch die appetitlicheren Beispiele. „Wir wollen vermeiden, dass Leute, die das Sammeln nötig haben, im Müll wühlen müssen“, sagt Steffen Schwendy, Planer öffentlicher Grünflächen. Beigeordnete Stefanie Seiler (SPD) erklärt, dass es ein Testlauf sei. Vielleicht wird Speyer ja bald zur Ringstadt. Ungefähr 500 öffentliche Mülleimer gibt es im gesamten Stadtgebiet, wie Schwendy sagt. Die Erfahrungen in anderen Teilen Deutschlands sind durchwachsen. Im Frühjahr haben sie die Ringe in Hannover wieder abmontiert, unter anderem wegen Vandalismusgefahr. Das runde Teil, scheinbar aus mehr Löchern als Material bestehend, kostet etwa 130 Euro, Montagekosten noch nicht eingerechnet. Klingt viel. Ist aber Design, womit Speyer dem Trend folgt, Städtebau nicht länger nur als Zweck, sondern auch als Gestaltung zu betrachten. Einen Makel stellen mit Flaschen hantierende Journalisten beim Pressetermin dann aber doch fest: Halbliterflasche passt, für alles drüber sind die Löcher zu klein. Zugegeben, der Ring ist auch nur ein Halbring. Würde das Teil seinem Namen ringsherum gerecht werden, wäre es aber schwierig, die Behälter zu leeren, erklären die Stadtvertreter. Ein Ring am Rhein, glänzend hell – das erinnert fast an Sagen und an Richard Wagner. Geschmiedet wurde der Pfandring auch – sogar individuell passend für den Speyerschen Mülleimer. Allerdings nicht aus Gold, sondern nur aus Stahl. Auch nicht von Nibelungen. Er macht auch weder unverwundbar noch garantiert er die Weltherrschaft. Er ist einfach nur eine geniale Idee.

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