Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Corona-Krise: Vertrauen geben und nehmen

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Streifzüge durch die Neustadter Fußgängerzone am helllichten Tag sind in Corona-Tagen fast gespenstig. Hinter den verschlossenen Türen der Geschäfte hängen die Hinweisschilder. Mal nüchtern und kurz gefasst, mal ausführlich mit Durchhalteparolen und Appellen an die Solidarität.

Richtig schön zu sehen, wie die Buchhandlung Quodlibet, die derzeit nur online ihre gebundenen Werke verkauft, den Kunden vertraut und den Zeitungsständer weiter vor dem Laden in der Fußgängerzone stehen lässt. Wer eine Zeitschrift mitnimmt, wird aufgefordert, das Geld in einen Briefkasten zu werfen. Vertrauen gegen Vertrauen. Und es funktioniert. Die Kasse stimmt am Ende des Tages über den Daumen gepeilt.

Umsichtige Radfahrer

Es sind auch vereinzelt Radfahrer zu beobachten, die verbotenerweise in der Fußgängerzone in die Pedale treten, was ausnahmsweise keinen stört. Das hängt mit dem geringen Betrieb zusammen, aber auch mit der Umsicht und Rücksichtnahme, mit der sich die Radfahrer derzeit meist fortbewegen. Der entschleunigte Alltag hat auch seine guten Seiten.

Gelungen ist auch der gemeinsame Aufruf der Stadtratsfraktionen zum Online-Kauf bei den Händlern aus der Stadt. Der Weg dorthin war allerdings schwerer als angenommen. Das fertige Papier mit den Logos der sechs Parteien lag bereits vor, als die CDU-Fraktion dazwischen grätschte. Gemeinsam auf einem Briefpapier mit der Linkspartei – das gehe überhaupt nicht, darf aus der Fraktionssitzung der Union zitiert werden.

Das CDU-Problem mit der Linkspartei

Der Fraktionsvorsitzende Clemens Stahler und der Parteichef Marco Göring beeilten sich zwar umgehend, gegenüber der RHEINPFALZ zu betonen, dass sie nichts persönlich gegen Ratsmitglied Stefan Huber-Aydemir von der Linkspartei hätten, aber es gebe eben einen Grundsatzbeschluss des Bundesvorstandes, der eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei und der AfD grundsätzlich untersage. Daran müsse sich auch die Neustadter CDU halten.

Am Ende der Diskussion lenkten Stahler und Kollegen ein. Die Unterschriften unter der Erklärung blieben, die Partei-Logos mussten aber wieder entfernt werden.

Ein einflussreiches Mitglied einer Oppositionsfraktion konnte darüber nur verständnislos den Kopf schütteln. Sein Kommentar: „Ehrlich gesagt, finde ich das in der jetzigen Situation affig und unangebracht.“ Und weiter schreibt er in einer Mail: „Leute, was für ein Kindergarten. Es gibt wahrlich Wichtigeres.“

Dem ist nicht viel hinzuzufügen ...

Bleiben Sie gesund!

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