Neustadt Briefe an die Lokalredaktion:

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Mit Fassungslosigkeit habe ich den Artikel über das „Aqua“ gelesen. Nach dem Schließen der Musikwerkstatt und dem Hardrockcafé bleibt der Jugend in Neustadt keine andere Wahl, als ins Aqua zu gehen. Wir hatten in unserer Jugend neben dem Aqua noch Alternativen wie Madison, Bahama Club oder auch andere diverse Kneipen. Für unsere Jugend wird die Stadt immer toter. Sollte nun das Aqua auch noch schließen, stellt sich wirklich die Frage, wo diese noch hin soll. Da wird sich aufgeregt, dass man immer mehr Jugendliche auf den Weinfesten findet, aber eine Alternative wird nicht geschaffen. Mit Sicherheit sind die Zustände zu späterer Stunde nicht schön. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Stadt beziehungsweise das Ordnungsamt nicht auch dazu beitragen kann, dass sich diese Situation ändert. Zumindest in finanzieller Hinsicht könnte man dem Betreiber helfen. (...) Neustadt, wie es leibt und lebt. Mit den Sanktionen gegen das „Aqua“ wird wieder einmal mit allen Mitteln versucht, eine weitere, selten gewordene Vergnügungs- und Ausgehmöglichkeit für Neustadts Jugend zu bekämpfen. Das „Problem Aqua“ reiht sich hier nahtlos in eine ganze Schlange ähnlicher Fälle ein (Musikwerkstatt, Vordereingang der „Brauchbar“, junge Ausschankstellen und Live-Musik auf Weinfesten). Es ist nicht verwunderlich, dass immer mehr junge Neustadter aus ihrer Heimatstadt „flüchten“, und dass sich, auch aufgrund dessen, immer weniger junge Menschen für Neustadter Vereine, Organisationen oder auch in der Kommunalpolitik engagieren. Ich schlage der Stadt folgenden Maßnahmenkatalog vor: 1. Schallschutzwände um Kindergärten und Spielplätze; 2. Schließung sämtlicher Gaststätten, in denen sich Jugendliche aufhalten; 3. Ein bis drei Jahre Umerziehungslager für Jugendliche, die in der Stadt urinieren oder erbrechen; 4. Mehr Ruhebänke für Rentner und Beamte; 5. Verordnetes Strammstehen bei Kirchengeläut. Mich würde interessieren, ob die Stadt Neustadt zu der Forderung nach externen, zertifizierten Türstehern für den Aufgabenbereich auf dem Gehsteig, der Gutenbergstraße und den gegenüberliegenden Parkplätzen und Freiflächen (alles außerhalb des Weisungsrechts der Türsteher), also für den öffentlichen Bereich auch einen anteiligen Zuschuss zu den Kosten vorgesehen hat. Das Aquarius verfügt über genügend Damen- und Herren-WC-Kapazität, so dass ich mir nicht vorstellen kann, dass die Gäste nach draußen gehen, um sich zu entlasten. Als vertrauensbildende Maßnahme und zur Findung eines (...) Lautstärken-Kompromisses könnte ich mir vorstellen, dass die Stadt mit dem Betreiber des Aquarius gemeinsam Schallmessungen auf der Grundlage des TA-Lärms für den Innen- und Außenbereich durchführen würde. Das Aquarius war schon immer ein Treffpunkt für Jugendliche und junge Menschen und existiert seit 1969. (...) Es stellt sich schon die Frage, was sich jetzt verändert hat, dass solche Auflagen durch die Stadt erfolgten. Ein Grund könnte sein, dass es nur noch einen Ausgang aus der Gaststätte in Richtung Gutenbergstraße gibt. Früher war auch der Ausgang durch den Durchgang Richtung Hetzelplatz möglich, und die Gäste konnten sich mehr verteilen. Dass die Auflagen vom Betreiber finanziell leistbar seien, darf bezweifelt werden. Stück für Stück hat die Gaststätte Einschränkungen hinnehmen müssen. So ist zum Beispiel die Bewirtung auf dem Hetzelplatz und des Durchganges weggefallen. Die Auflage, externe Türsteher einsetzen zu müssen, erscheint mir für einen Betrieb der Kleingastronomie (...) als nicht angemessen. Durch eine durchgängige Lautstärkebegrenzung auf 75 dBA auch am Wochenende könnten Gäste wegbleiben. Dies alles kann durchaus die Existenz des Betriebes gefährden. Das Aquarius hat in Neustadt schon eine lange „Tradition“, und es sollte alles getan werden, um den Treffpunkt für junge Leute zu erhalten. 17 Beschwerden in vier Jahren, das sind etwas mehr als vier Beschwerden pro Jahr oder: eine Beschwerde alle drei Monate. Ist das schon dramatisch? Wie sagte mir jemand bei Facebook: Das schafft jede Studenten-WG locker. Aber ernsthaft jetzt mal zwei Betrachtungen: In den Wohnungen der Landauer Straße zwischen Bahnhof und Eisenbahnbrücke werden locker 85 dbA auch nach 22 Uhr mehr als viermal pro Jahr überschritten. Beschwerden werden ignoriert, weil ja Gemeinwohl vor Einzelinteresse geht – das ist Gesetz. Im Falle Aquarius muss man auch mal nach den Ursachen fragen. Eine Ursache ist sicher, dass harte Getränke zum Schnäppchenpreis angeboten werden, während die alkoholfreien Getränke teurer sind. Eine andere Ursache kann auch das Verschwinden von Rockland und Musikwerkstatt sein, so dass sich alles auf die verbleibenden Bars konzentriert. Die Jugend braucht nun mal ein Ventil. Die Jungen vergessen, dass sie auch mal alt werden, und die Alten vergessen, dass sie auch mal jung waren.

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