Bad Dürkheim / Grünstadt / Hassloch
Brennholz: Warum das Angebot so knapp ist
Schon in den Tagen direkt nach dem Einmarsch der russischen Armee in der Ukraine standen bei dem Holzhändler Steffen Kirchner in Weisenheim am Berg die Telefone nicht still. Jeder wollte Brennholz. „Innerhalb von vier bis fünf Tagen gingen rund 200 Bestellungen ein“, berichtet Kirchner. Die Diskussion über eine mögliche Gasmangellage sowie die explodierenden Energiepreise fachten die Nachfrage dann noch viel stärker an. Und auch jetzt, am Ende des ersten Winters nach Kriegsausbruch, ist keine Entspannung in Sicht. Für den Winter 23/24 seien bereits 1000 Ster Holz bestellt, erzählt Holzhändler Kirchner. „Ob ich das liefern kann, weiß ich nicht. Wir können keine Zusagen machen.“ Es gebe Kollegen, die bereits aufgegeben hätten, weil sie kein Material bekommen.
Einer von ihnen ist Matthias Bergtholdt aus Meckenheim. 15 Jahre lang war er mit seinem Ein-Mann-Betrieb im Geschäft, hat pro Woche etwa zwei Lkw-Ladungen voll Holz verarbeitet. Hauptsächlich vom Forstamt Annweiler und aus der Westpfalz. Im ersten Quartal des vergangenen Jahres lief das Geschäft noch relativ normal. Die folgende Explosion der Nachfrage fiel aber in eine Phase, in der das Angebot an Buchenholz ohnehin schon geringer als sonst war. Denn die Landesregierung hatte für den Staatswald im September 2020 einen zeitlich befristeten Einschlagstopp für alte Buchen verfügt. Hintergrund: Der Schutz von Buchenwäldern mit einem geschlossenen Kronendach soll dazu beitragen, den Hitzestress zu reduzieren, dem der Wald ausgesetzt ist.
Geschäftsaufgabe wegen Materialmangels
Hinzu kam im vergangenen Jahr die Störung der Lieferketten, auch beim Holz. Bergtholdt sagt, in der Folge hätten Baumärkte weniger Brennholz aus Osteuropa bekommen. „Und die Leute, die im Baumarkt leer ausgingen, standen dann bei mir auf dem Hof.“ Er habe das eine Weile beobachtet, dann musste er eine Entscheidung treffen. Zum 1. September schließlich war auf seiner Internet-Seite zu lesen: „Geschäftsaufgabe. Wir haben Produktion und Vertrieb von Pfälzer Holz beendet.“
Kirchner hofft, dass es bei ihm nicht so weit kommt. Seit 2009 führt er den Betrieb, den seine Eltern in den 1970er-Jahren gegründet haben. Zum Glück habe er noch ein bisschen Reserve, sagt er. Bei den Kunden bevorzuge er jetzt diejenigen, von denen er weiß, dass sie ausschließlich mit Holz heizen. „Die kann ich ja nicht im Kalten stehen lassen.“
Wer Brennholz direkt aus dem Wald beziehen will (und kann), kann sein Glück beim Forstamt versuchen. Dort wird das Holz aus dem Staatswald vermarktet, dem Wald im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz. Frank Stipp, Leiter des Forstamtes Bad Dürkheim, macht allerdings deutlich: „Da geht es um langes Holz, das am Wegrand bereit gestellt wird. Sie brauchen einen Motorsägenschein, um es in kurze Stücke zu zerlegen. Und entsprechende Schutzausrüstung.“ Doch selbst wer fit ist im Umgang mit der Motorsäge, geht im Moment beim Forstamt leer aus: Es gibt kein Brennholz. Und Bestellungen sind auch nicht möglich. Erst im Herbst, wenn wieder Holz eingeschlagen wird, stellt das Forstamt auf seiner Homepage wieder ein Bestell-Formular zur Verfügung. „Das bleibt da so lange stehen, wie der Vorrat reicht“, erklärt Stipp. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Und es gibt eine Obergrenze beim Kauf: pro Haushalt maximal 20 Festmeter – aber das galt schon vor der Energiekrise.
Einschlagstopp für alte Buchen
Dass der Einschlagstopp für alte Buchen sich bemerkbar mache, bestätigt Stipp. „Die Buche ist der Mercedes beim Brennholz“, sagt er. Die Fachleute bemühten sich nun darum, den Kunden klar zu machen, dass auch andere Holzarten gut brennen. Nadelhölzer etwa oder Kastanienholz. „Da tun wir uns leichter mit dem Angebot.“ Für Kamin oder Ofen habe das keinerlei negative Auswirkungen, nur sei der Brennwert etwas geringer. Dafür ist das Holz auch günstiger, was bei den insgesamt deutlich gestiegenen Preisen vielleicht bei dem ein oder anderen ein Argument sein könnte. Buche kostet inzwischen fast 70 Euro pro Festmeter (vor der Energiekrise 55 Euro), Nadelholz liegt bei etwa 50 Euro.
Nun gibt es neben dem Staatswald auch Gemeindewald. Allein im Bereich des Forstamts Bad Dürkheim verfügen 31 Kommunen über Waldbesitz, in der Summe ist die Fläche mit rund 10.000 Hektar sogar größer als die des Staatswalds. Die Vermarktung an Privatkunden läuft über fünf Zweckverbände, Ansprechpartner sind die Leiter der Reviere Jerusalemsberg, Ganerben, Wallberg, Haßloch und Böhl. Sieht es dort besser aus?
Bürger aus eigenem Bereich zahlen weniger
Isabelle Behret, Leiter des Reviers Jerusalemsberg, zu dem auch Grünstadt gehört, winkt ab. Auch bei ihr im Revier müssen Kunden mit neuen Bestellungen bis zum Herbst warten. Üblicherweise beginnt die Brennholzsaison bei ihr mit einem Informationsabend im September. Etwa 30 Leute kämen da in der Regel. Im vergangenen Jahr waren es 120. Die resolute Revierleiterin machte gleich deutlich: „Wer nur Buche will, kann gleich gehen.“ Um der hohen Nachfrage einigermaßen gerecht zu werden, seien bei ihr im Revier ausschließlich gemischte Polter angeboten worden. Dafür konnte sie die Preissteigerung begrenzen: auf 60 Euro pro Festmeter für die ersten zehn Festmeter für Bürger aus dem eigenen Bereich. Andere zahlen einen Aufschlag von fünf Euro pro Festmeter. Wenige Tage nach dem Info-Abend musste die Revierleiterin den weiteren Verkauf dennoch stoppen. „Wir müssen das ja auch händeln können“, erklärt sie.
Etwas anders sieht es beispielsweise im Revier Ganerben aus, zu dem unter anderem der Wald in der Verbandsgemeinde Freinsheim gehört. Brennholzbestellungen seien möglich, erklärt Revierleiter Johannes Rottländer. Die Wartezeit liege allerdings bei etwa einem Jahr. Außerdem würden Kunden aus dem eigenen Bereich bevorzugt. Dass die Lage insgesamt so schwierig sei, hänge auch damit zusammen, dass die Firmen fehlten, die das Holz ernten, erklärt Rottländer. Anfang des Jahres habe sich bei drei deutschlandweiten Ausschreibungen keine einzige Firma beworben. „Jetzt haben wir jemand gefunden, und es kann losgehen.“ Aber es seien eben zwei Monate verloren gegangen. Die Buche koste in seinem Revier derzeit pro Festmeter 75 Euro, Kastanie, Eiche und Birke 68 Euro, Weichhölzer 60 Euro. Wer sein Holz aber erst in einem Jahr bekommt, zahle den Preis, der dann gültig ist.
Mit dem Fachkräftemangel kämpft auch Markus Leuteneker, Leiter des Reviers Hardenburg. 900 Festmeter Holz wollte er bis zum Beginn der Vegetationsperiode einschlagen, habe aber nur etwa die Hälfte geschafft. Woran das liegt? Leuteneker erklärt es so: Zuerst habe das große Fichtensterben in der Eifel und dem Westerwald zu einem Abzug eines großen Teils der Holz-Unternehmen geführt, dann sei der Krieg in der Ukraine dazu gekommen. Denn die Unternehmen arbeiteten vielfach mit Arbeitskräften aus Osteuropa. „Vereinfacht gesagt ist es so“, sagt der Revierleiter: „Bei uns arbeiten Rumänen, in Rumänien Ukrainer. Die sind jetzt ausgefallen, und die Rumänen bleiben zu Hause.“
Wie sind die Prognosen für nächsten Winter?
Und wie sind die Prognosen für den nächsten Winter? „Das weiß niemand“, sagt Forstamtsleiter Stipp. Schließlich hänge das Brennholz-Thema stark mit der weltpolitischen Lage zusammen. Immerhin sei Deutschland „mit einem blauen Auge“ durch den Winter gekommen, auch dank relativ milder Temperaturen. Das ist auch einer der Gründe, warum Isabelle Behret einigermaßen entspannt ist. „Ich glaube, der große Hype ist vorbei“, sagt sie. „Die Leute haben ihre Lager noch voll.“
Aber der Mensch neigt eben zum Horten, siehe Mehl, siehe Klopapier.