Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Brand in Hambacher Gerätehaus: Feuerwehr steht vor Millionenschaden (mit Video)

Von diesem Tanklöschfahrzeug soll der Brand ausgegangen sein. Kunststoffdach und Aluleiter seien durch die Hitze völlig verschmo
Von diesem Tanklöschfahrzeug soll der Brand ausgegangen sein. Kunststoffdach und Aluleiter seien durch die Hitze völlig verschmort, erklärt Bernd Kaiser vom Medienteam der Feuerwehr.

Knapp zweieinhalb Wochen nach dem verheerenden Brand im Feuerwehrgerätehaus in Hambach hat die Kripo das Gebäude freigegeben. Was von Halle und Gerätschaften noch übrig ist, was das Feuer ausgelöst hat, und wie es für den Löschzug Süd jetzt weitergeht.

„Hier ist alles zerstört.“ Ralf Stuhlberg, stellvertretender Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt, steht am Dienstag in der ausgebrannten Halle des Feuerwehrgerätehauses in Hambach.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Wände, Decke und Boden sind vom Ruß schwarz verfärbt, ein beißender Geruch liegt in der Luft. Die Zugänge sind mit Holzplatten verschlossen, die Überreste der Rolltore, deren Plexiglasscheiben von der Hitze des Feuers vor zweieinhalb Wochen geschmolzen sind, liegen vor dem Gebäude zur Entsorgung bereit. Auch Bernd Kaiser vom Medienteam der Feuerwehr kann noch nicht wirklich fassen, was hier am 21. Juli geschehen ist. „Dass es bei der Feuerwehr brennt, liest man zwar immer mal wieder in Fachmagazinen, aber in Neustadt habe ich so etwas noch nie erlebt.“

Blick in die Halle: Stützen stabilieren die Decke. Ob sie entfernt werden muss, wird ein Statiker prüfen.
Blick in die Halle: Stützen stabilieren die Decke. Ob sie entfernt werden muss, wird ein Statiker prüfen.

Rückblick: Sonntagmorgens holt ein Feuerwehrmann außer Dienst vor dem Feuerwehrgerätehaus einen Grill ab, den er für den Spießbratenrock am Vorabend ausgeliehen hatte. Da bemerkt er durch die Scheiben der Rolltore ein Licht, denkt, jemand habe vergessen, es auszuschalten, und informiert einen Wehrkollegen. Doch dann bemerkt er Rauch, der aus den Fenstern auf der Rückseite des Gebäude quillt und setzt um 9.44 Uhr einen Notruf ab. Die Leitstelle in Ludwigshafen alarmiert nach Adresse zuerst den Löschzug Süd, der machtlos vor Ort mit ansehen muss, wie ihr Stützpunkt der Feuersbrunst zum Opfer fällt. In der Neustadter Telefonzentrale in der Hauptfeuerwache weiß man sofort, welches Gebäude im Diedesfelder Weg 94 steht, und alarmiert Kräfte aus der Innenstadt nach.

Löschzug „bedingt einsatzfähig“

Von der Seitentür in Richtung Edeka-Markt aus dringen die Einsatzkräfte unter Atemschutz zum Brand vor. Das rechte Rolltor kann geöffnet und ein zweiter Löschangriff über eine Drehleiter von außen gestartet werden, der verhindern soll, dass die Flammen auf den Sozialbau übergreifen. Der Bau samt Schulungsraum unterm Dach bleibt auch wegen einer Feuerschutztür und der doppelten Verglasung der Außenfenster „relativ sauber“, wie Kaiser erklärt. Gegen 13 Uhr ist der Brand gelöscht.

Mit einer Seilwinde entfernten die Wehrleute die Rolltore, deren Scheiben durch den Brand geschmolzen sind.
Mit einer Seilwinde entfernten die Wehrleute die Rolltore, deren Scheiben durch den Brand geschmolzen sind.

Zeitgleich findet die erste Krisensitzung statt, um Kleidung und Grundausrüstung zu organisieren, damit der Löschzug Süd zumindest „bedingt einsatzfähig“ wird. „Die Feuerwehr kann man nicht einfach abmelden“, verdeutlicht Stuhlberg. Das Weingut Müller macht Platz für zwei Einsatzfahrzeuge aus der Innenstadt, Wehren aus der Region wie auch aus Mayschoß im Ahrtal bieten Hilfen an. Ab Alarmstufe 2 unterstützen derzeit Kräfte aus der Innenstadt die Hambacher Wehrleute.

Gerüchte im Internet

Belastend für die Ehrenamtlichen waren laut Stuhlberg Reaktionen und Gerüchte in den sozialen Medien, die behaupteten, der Brand stehe im Zusammenhang mit dem Fest der Feuerwehr am Vorabend. „Das ist Quatsch“, betont Stuhlberg, „alles mit Feuer fand im Außenbereich statt.“ Zudem sei der Löschzug am Samstagabend gegen 23.30 Uhr noch mal wegen einer Rauchentwicklung mit den Fahrzeugen ohne Vorkommnisse im Einsatz gewesen.

Am Dienstag hat die Kriminalpolizei das Gebäude nach Abschluss der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wieder freigegeben. Als Brandursache ist ein technischer Defekt an einem der Tanklöschfahrzeuge wahrscheinlich. Das Feuer ging offenbar von der Beifahrerseite aus, wo viele Zusatzgeräte sowie der Sicherungskasten verbaut sind. „Da ist es im Nachgang schwer zu sagen, an was genau es lag“, erklärt Kaiser.

Gutachten stehen aus

Am Mittwoch soll eine Fachfirma mit der Schadenssanierung beginnen, danach werden Proben genommen, um zu schauen, ob Schadstoffe in den Beton oder Gase unter den Estrich eingedrungen sind. Zudem wird ein Statiker das Gebäude, dessen Decke teilweise abgestützt werden muss, begutachten. „Im Laufe der Woche werden wir sehen, wie es weitergeht“, sagt Stuhlberg.

Durch verbrannte Kunststoffe wurden in der Halle Chlorgase freigesetzt, die Metalle in Windeseile rosten lassen.
Durch verbrannte Kunststoffe wurden in der Halle Chlorgase freigesetzt, die Metalle in Windeseile rosten lassen.

Derweil prüfen Gutachter das wohl ursächliche Tanklöschfahrzeug, die drei Kraftspritzfahrzeuge, den Unimog, den Einsatzleitwagen, den Pkw-Anhänger und das Geländemotorrad, die durch den Brand in Mitleidenschaft gezogen wurden und jetzt hinter der Hauptfeuerwache stehen. „Es sind versicherungstechnische Fragen zu klären“, sagt Stuhlberg. Ein Mannschaftstransportwagen, der außerhalb der Halle abgestellt war, konnte gerettet werden. Zudem steht dem Löschzug Süd ein neues Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug zur Verfügung, das nun schneller als angedacht ausgegeben wurde.

Übergangslösung geplant

Das Ausmaß des Schadens ist laut Oberbürgermeister Marc Weigel noch nicht ganz klar: „Es wird wohl siebenstellig.“ Die Stadt gehe davon aus, dass die Versicherung den Schaden an Gebäude und Ausrüstung übernehme. Abgedeckt sei auch, was man an Ersatzleistungen veranlasse, um die Einsatzfähigkeit des Löschzuges Süd aufrechtzuerhalten. „In finanzieller Hinsicht kommen wir wohl mit einem blauen Auge davon.“ Der Aufwand für Feuerwehr und Stadt sei gleichwohl hoch.

Für Einsatzfahrzeuge soll Stuhlberg zufolge auf dem gegenüberliegenden Parkplatz, der der Stadt gehört, ein Provisorium errichtet werden, eventuell auch Container für Umkleiden. Dafür müssen zehn öffentliche Parkplätze gesperrt beziehungsweise für die Autos der Wehrleute frei gehalten werden. Diese Übergangslösung wird laut Weigel mindestens 16 bis 18 Monate anhalten, bis man wieder ein völlig intaktes Gerätehaus habe.

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