Neustadt Brand in der Lilienthalstraße: Auch Nachbarn haben Glück
Ludwig Stalter hat eine schlaflose Nacht hinter sich. „Der Hund hat es als erster gemerkt und kurz vor 2 Uhr angeschlagen“, berichtet der Speyerdorfer am Donnerstagmorgen im Gespräch mit der RHEINPFALZ mitten auf der Lilienthalstraße. Dort beherrschen Feuerwehrfahrzeuge und Einsatzkräfte die Szene. Reste von Löschschaum sind noch zu sehen, auch wenn kurz zuvor alles „geflutet“ wurde.
Stalter wohnt in einem der zahlreichen Fachwerkhäuser in der Lilienthalstraße. Und er ist direkter Nachbar der früheren Gaststätte mit Tanzsaal vom „Heile Franz“. Heute ist das Anwesen in insgesamt sieben Wohnungen umgebaut. Bewohnt werden kann es aber vorerst nicht mehr. Ein Feuer im hinteren Trakt ist der Auslöser, die Ursache dafür noch unbekannt.
Über Leitern evakuiert
Kurz nach 2 Uhr in der Nacht auf Donnerstag war der Alarm bei der Neustadter Feuerwehr eingegangen. Sieben Menschen waren zu jener Zeit in dem Haus, darunter auch ein Kind. Alle wurden über Leitern herausgeholt, drei wurden wegen des Verdachts auf Rauchgasvergiftung vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht, weitere vier ambulant versorgt. Nach Angaben der Feuerwehr am Donnerstagmorgen geht es allen Betroffenen gut. Ortsvorsteher Claus Schick ist erleichtert. Einmal mehr habe sich gezeigt, wie wichtig es sei, eine gut aufgestellte Feuerwehr zu haben, kommentiert er am Ort des Geschehens.
Als die Feuerwehr anrückte, brannte der hintere Gebäudetrakt lichterloh. Ludwig Stalter beschreibt das so: „Es hat geknallt wie bei einem Feuerwerk.“ Angst um sein eigenes Anwesen habe er jedoch zu keiner Zeit gehabt. Er zeigt auf die hohe Mauer des Nachbarkomplexes, die jetzt geschwärzt ist, aber wie ein Brandschild gewirkt habe.
Drei Hydranten angeschlossen
Dass das Anwesen mit Innenhof so abgezirkelt ist, stellte die Feuerwehr allerdings vor besondere Herausforderungen. Nur über Nachbargrundstücke war von hinten heranzukommen, wie Clemens Litty vom Medienteam erläutert. Dort war das Feuer ausgebrochen, und dort hatte es folglich am stärksten gebrannt. Der Dachstuhl ist nunmehr Geschichte, auch das Dach des Vorderhauses ist beschädigt. Zur Schadenshöhe insgesamt ist derzeit noch nichts zu sagen. Gelöscht wurde in der sogenannten Riegelstellung, also von allen Seiten, mit Wasser aus drei Hydranten und aus dem nahen Speyerbach.
In der Nacht waren rund 120 Kräfte im Einsatz, von Feuerwehr, Polizei und DRK bis zum Technischem Hilfswerk. Auch am Donnerstagmorgen sind noch viele Rettungskräfte zugange. Ebenso Mitarbeiter der Stadtwerke. Sie sorgen dafür, dass die Nachbarschaft möglichst schnell wieder an Gas, Wasser und Strom angeschlossen werden kann. Ludwig Stalter hat sich einen warmen Kaffee am Verpflegungsstand der Feuerwehr besorgt und nippt daran, während er die Arbeiten verfolgt.
Noch viel Arbeit
Die Feuerwehr geht davon aus, dass die Nacharbeiten noch mindestens bis Donnerstagmittag andauern. Das ist nicht nur der stark verwinkelten Gebäudesituation geschuldet, sondern auch Abstellräumen mit hoher Brandlast. Deshalb wurde auch Löschschaum eingesetzt, der später mit Wasser weggespült wurde. Mit den zuständigen Behörden, darunter die für die nahe Kläranlage zuständige Stadtentsorgung, sei das alles abgesprochen, so Clemens Litty. Das eigentliche Feuer hatte die Wehr demnach knapp zwei Stunden nach dem Alarm unter Kontrolle.
Das Gebäude ist nicht mehr bewohnbar. Zur Brandursache kann die Feuerwehr derzeit noch nichts sagen. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.