Wachenheim
Blues mit Biss: Blue Deal lässt Rock-Ära im Badehaisel aufleben
Derzeit ist der Begriff „Deal“ in aller Munde: Seit jenseits des Atlantiks ein selbst ernannter Dealmaker glaubt, alles mit Deals regeln zu können, hat der Ausdruck einen schalen Beigeschmack erhalten. Am Samstag beim Mission-in-Blues-Festival am Wachenheimer Burgtalweiher wurde die Bezeichnung wieder positiv besetzt. Das Konzert von Blue Deal war ein Gig, wie man ihn gerne öfter erleben möchte.
Obwohl in der Band mit Sänger, Keyboarder und Gitarrist Joe Fischer, Gitarrist Tom Vela, Bassist Willi Macht und Schlagzeuger Jürgen Schneckenburger gleich vier Hochkaräter aus dem Südschwarzwald am Werk sind, trat die Gruppe als geschlossene Einheit auf, in der sich kein Platz für nervige Egotrips findet. Das war bei der Formation schon immer so gewesen, und daran soll sich auch künftig nichts ändern – der eingeschlagene Weg wird fortgesetzt. Schließlich haben sie mit diesem Rezept 2023 die German Blues Challenge gewonnen, standen bei der International Blues Challenge in Memphis/Tennessee im Halbfinale, und die Veröffentlichung ihres dritten Albums steht kurz bevor – genug Gründe also, selbstbewusst und mit stolz geschwellter Brust auf die Bühne zu gehen. Genau das taten sie auch.
Kein Kind von Traurigkeit
Joe Fischer ist eine echte Rampensau, Tom Vela ein Juwel unter den deutschen Saitenvirtuosen, Willi Macht mehr als nur ein Melodiebegleiter, und Jürgen Schneckenburger ein Drummer, der seine Kollegen mit kräftezehrendem Rhythmusspiel ständig zu Höchstleistungen herausfordert. Auch wenn die Kapelle Stücke wie „Everyday I Have The Blues“ auf ihrer Spielliste eingetragen hat, bedeutet das noch lange nicht, dass das Blue in ihrem Namen für Kummer und Traurigkeit steht. Blue Deal bevorzugen es stattdessen, dem Blues eine kräftige Portion Rock mit auf den Weg zu geben. Bei „Another Reason To Drink“ tun sie das mit einem Boogie im Stil von Status Quo, und mit ihrer aktuellen Single „Make A Change“, die erst letzte Woche erschienen ist, rufen sie durch das Wechselspiel von Fischers Orgel und Velas Gitarre sogar Erinnerungen an Deep Purple wach.
Überhaupt wäre die Band aus dem Raum Offenburg/Freiburg mit ihrer Musik in den siebziger Jahren ein heißer Anwärter auf einen Spitzenplatz im deutschen Rockolymp gewesen. In dieser musikalischen Hoch-Zeit, die zum Bedauern vieler Fans vorbei zu sein scheint, sind Blue Deal tief verwurzelt. Bei vielen ihrer Riffs und Licks lassen sich Ähnlichkeiten mit denen großer Erfolgsbands heraushören oder wenigstens hineininterpretieren. Bestes Beispiel dafür ist „Gilded Cage“, mit einem Intro im Stil von Bon Jovis „Dead Or Alive“ und einem Hauptteil, bei dem man stellenweise Whitesnake zu hören glaubt. Oder „Favorite Mistake“, wo Vela die Einleitung mit Verzierungen aus UFOs „Rock Bottom“ veredelt. Trotz allem darf man aber keinesfalls davon ausgehen, dass Blue Deal eine Kapelle ist, die vom Kopieren lebt. Im Gegenteil, mit ihren eingängigen Melodien und cleveren Arrangements präsentiert sie sich als Klangkörper, der die gute alte Bluesrock-Tradition bewahrt, ihr jedoch gleichzeitig mit viel Kreativität und eigenen Ideen einen kräftigen Tritt in den Hintern verpasst und sie so mit neuem Leben versieht.
Hommage an Hendrix
Zu einem von vielen Höhepunkten des Abends entwickelte sich „Bluecata“, ein Song, in dem sich Vela auf seinem Instrument richtig austoben darf. Die Band huldigt damit dem wohl berühmtesten E-Gitarristen aller Zeiten, Jimi Hendrix. Zu einem Hingucker wurde Joe Fischers Cigarbox-Gitarre, gebaut aus einer Zigarrenkiste und perfekt geeignet für einen Soloauftritt im Stil der alten Meister aus den 1920er Jahren mit dem Song „Three Dollars“. Kurzum, die Show von Blue Deal war eine, die wohl jedem, der dabei war, im Gedächtnis haften bleiben wird.