Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Besonderer Salzspielplatz eröffnet: Spielen wie am Meer

Während die Kleinen spielen, inhalieren sie nebenbei die salzhaltige Luft und tun etwas für ihre Gesundheit. Das ist das Konzept
Während die Kleinen spielen, inhalieren sie nebenbei die salzhaltige Luft und tun etwas für ihre Gesundheit. Das ist das Konzept der »Salzkiste«, die André Willrich (Mitte) und seine Frau Miriam (rechts) eröffnet haben.

Salz statt Sand: Der erste Salzspielplatz hat in Neustadt eröffnet. Was in der „Salzkiste“ geboten ist und warum ein Besuch positiv für Eltern und Kinder sein kann.

Franz (5), Leo (1,5) und der sieben Monate alte Lias entdecken neue Spielsachen in der „Salzkiste“. Völlig fasziniert von den neuen Eindrücken sind sie ganz konzentriert bei der Sache. Die jungen Gäste sind mit ihren Müttern aus Maikammer, Neidenfels und Lindenberg extra nach Neustadt zum neu eröffneten Salzspielplatz gekommen. Wenig später kommen zwei weitere Mütter mit ihren Kindern zum Spielen.

Mit dem Indoor-Spielraum in der Maximilianstraße 5, dort, wo früher eine Tierarztpraxis ansässig war, haben Miriam und André Willrich ihre Idee von gesundem Spielen verwirklicht. Die „Salzkiste“, so der Name ihres Unternehmens, besteht aus einem rund 50 Quadratmeter großen Raum, dessen Boden mit etwa fünf Tonnen reinem Salz bedeckt ist. Hinzu kommt ein Familiencafé mit 17 Sitzplätzen und einer aufwendig gestalteten Spielecke.

Sehr hohe Salzkonzentration

Der Salzraum ist mit unterschiedlichen Spielgeräten ausgestattet, die sowohl das ruhige Spiel als auch Aktivitäten zulassen. Das Besondere: Während des 45-minütigen Aufenthalts, den die Eltern für sich und die Kinder gebucht haben, atmen sie Soledämpfe ein, also salzhaltigen Dampf. Laut André Willrich ist die Salz-Konzentration im Raum etwa das Hundertfache höher als bei einem Aufenthalt am Meer.

Mit der Sole-Vernebelung soll bei akuten oder chronischen Erkrankungen der Atemwege wie Asthma, Bronchitis, Allergien oder Nasennebenhöhlenentzündungen Erleichterung geschaffen werden. Auch bei Hautproblemen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte soll das Salz entzündungshemmend wirken. Aktuelle Studien gebe es dazu nicht, räumt Willrich ein, doch die Aussagen der Salzspielplatz-Besucher weisen auf die wohltuende Wirkung hin. Willrich spricht von freierem Atmen, Beruhigung und Linderung von Symptomen bei regelmäßigen Besuchen.

Ganz nebenbei und ohne quengeln inhalieren

Tatsächlich hat man schon nach kurzer Bedampfung im Raum einen salzigen Geschmack im Mund und auf den Lippen. Das Atmen fällt leicht, die Atmosphäre ist angenehm, wenngleich der Raum zunehmend neblig wird. Miriam und André Willrich sind selbst Eltern von zwei Kindern im Alter von sechs und zwei Jahren. „Wir kennen die Häufigkeit von Atemwegserkrankungen bei kleinen Kindern und auch, wie schwierig es ist, sie zum Inhalieren zu ermuntern“, sagt sie.

In der „Salzkiste“ werde während des Spielens nebenher und ohne Aufforderung inhaliert. Der Raum mit dem weißen Salzboden darf nur mit weißen, sauberen Socken betreten werden. Essen und Trinken ist dort nicht erlaubt, um ihn möglichst sauber zu halten. Auf Hygiene werde penibel geachtet. Die Spielgeräte und Aufenthaltsbereiche würden regelmäßig desinfiziert, geben sie an.

Eltern sollen sich vernetzen

Das Familiencafé steht allen offen, auch ohne Besuch des Salzraums. Im Café treffen sich Eltern, tauschen sich aus und knüpfen neue Kontakte. Das sei ein wichtiger Aspekt, weiß Miriam Willrich. Sie erinnere sich an die erste Zeit mit ihrem Kind, in der sie sich von allen sozialen Kontakten abgeschnitten fühlte. „Objektiv war das natürlich nicht der Fall, aber das Gefühl des Alleinseins war vorhanden“, sagt sie. „Deshalb wollen wir eine Möglichkeit schaffen, sich zu vernetzen und miteinander ins Gespräch zu kommen.“

Zudem sei es für Eltern entspannend, wenn die Kinder spielen dürften, auch einmal lauter werden könnten, ohne dass sich gleich jemand darüber mokiere. Die Mütter von Franz, Leo und Lias begrüßen das Familiencafé sehr. Dafür nehmen sie auch Wegstrecken in Kauf. In der Umgebung gebe es kein vergleichbares Angebot.

Hohen fünfstelligen Betrag investiert

Noch stehe man ganz am Anfang, sagt André Willrich. Grundsätzlich können er und seine Frau sich Elternstammtische vorstellen, auch Vorträge oder Infonachmittage für junge Mütter und Väter. Die Spielecke mit aufwendigem Kaufmannsladen, Puppenküche und Puppenhäuser können alleine oder mit mehreren Kindern bespielt werden. „Es wurden hier sogar schon Kinderfreundschaften geschlossen, die sich zum nächsten Treffen verabreden“, erzählt Miriam Willrich.

Und noch etwas: „Das Café ist erdnussfrei. Alle Inhaltsstoffe werden von uns auch in Spuren deklariert“, sagt Willrich. Weil sie selbst von Allergien betroffen sind, kennen sie die Notwendigkeit aus eigener Erfahrung. Neben Kaffeespezialitäten und Kaltgetränken sind tagesaktuelle Angebote wie Kuchen, Snacks und Obstteller in Planung.

Im vergangenen September haben die Willrichs mit dem Umbau der Räume begonnen. André Willrich lobt die Zusammenarbeit mit dem Vermieter und dem Bauamt, die problemlos und rasch erfolgte. Das Ehepaar investierte nach eigenen Angaben einen hohen fünfstelligen Betrag in die „Salzkiste“. „Darüber hinaus haben wir vieles in Eigenleistung gestemmt und so einige neue Fähigkeiten erworben“, berichtet André Willrich schmunzelnd.

Im Netz

www.salzkiste.info

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