Neustadt
Bereitschaft zum Shoppen fehlt
„Es war, als würde uns die Luft abgeschnürt“, berichtet Angelika Lenz. Mit ihrem Mann hatte sie sich Ende Februar an die Renovierung des ehemaligen rund 50 Quadratmetern großen Tabakladens gemacht. Wir arbeiteten zunächst voll Enthusiasmus, doch als die Geschäftsschließungen verfügt wurden, fielen wir in ein Motivationsloch“, erzählt die 55-Jährige.
Mit ihrem Mann hatte sie in der Vorderpfalz eine Gebäudereinigungsfirma. Doch dieses Unternehmen gaben sie aus gesundheitlichen Gründen auf und eröffneten zunächst vor drei Jahren in Ruchheim einen Shop mit ähnlichem Sortiment. Außerdem richteten sie einen Online-Handel ein. „Die Resonanz war sehr positiv. Wir besuchten auch Messen und Weihnachtsmärkte und bemerkten eine hohe Nachfrage nach unseren Produkten“, so Lenz. Sie machten sich also auf die Suche nach einem weiteren Standort, auch in anderen vorderpfälzischen Städten.
Von der Altstadt begeistert
Letztlich waren sie überzeugt, dass Neustadt das ideale Umfeld sei. Lenz schwärmt von den Gassen, den historischen Häusern und den ansässigen Fachgeschäften. Doch dann kam Corona. Sie habe aufgeatmet, als der Einzelhandel endlich wieder öffnen durfte, auch wenn die geplante große Einweihung ihres Geschäftes den Umständen geopfert worden sei.
Das Leben in der Stadt werde noch lange nicht in normalen Bahnen verlaufen, die Bereitschaft zum Shoppen fehle, die Zurückhaltung der Menschen, oft wegen finanzieller Bedenken, sei spürbar. Doch für Angelika Lenz zählen die ersten kleinen Schritte: „Wir wollen erst mal zeigen, dass wir da sind, den Passanten Ideen liefern. Momentan zeigen die Kunden zwar Interesse an den ausgefallenen Geschenkideen, aber noch wenig Kauflust“, betont die Inhaberin.
Kleine Hingucker
Sie setzt auf außergewöhnliche Produkte wie etwa Armbanduhren aus Holzteilen von Whiskyfässern, filigraner Holzschmuck, Postkarten aus Holz und „Upcycling“-Produkte aus Wertstoffen, so etwa die Dosen-Clip-Taschen aus Mexiko. Lenz: „Diese Taschen wurden in einem sozialen Projekt für alleinerziehende Frauen gefertigt und bestehen aus den kleinen Metallverschlüssen der Getränkedosen.“ Zementsäcke aus Kambodscha wurden zu Einkaufstaschen verarbeitet. Kleine Hingucker sind auch die Altblechfiguren aus Indonesien.
Stadt bezuschusst Miete
Das Konzept der Familie Lenz hat auch die Stadtverwaltung überzeugt. Für die erste Zeit gibt es aus dem Topf der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft (WEG) einen Mietkostenzuschuss. Stadtkämmerer Stefan Ulrich bestätigt: Das Geschäft „Tendenz“ sei das erste Unternehmen, das im Zuge der Stadtentwicklung einen solchen Zuschuss bekomme. Das Programm der WEG zielt darauf ab, die Leerstände in der Stadt zu verringern, indem Geschäftsgründungen in leerstehenden Gebäuden finanziell unterstützt werden.