Neustadt „Autobahn“ und „Gute Nacht“

Neustadt. Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach seinem letzten Auftritt im „Konfetti“ beehrte der kanadische Gitarrist und Sänger John Campbelljohn mit seinem Trio den Kulturverein „Wespennest“ am Samstag erneut mit seinem Besuch. Der besonders als hervorragender Slide-Gitarrist bekannt gewordene Musiker hatte 2012, bei seinem ersten Neustadt-Gastspiel, vor vollbesetztem Haus einen so guten Eindruck hinterlassen, dass es nicht weiter verwunderte, dass sein zweites Konzert ebenfalls wieder bis auf den letzten Platz ausverkauft war.
Campbelljohn setzte auf Nummer sicher und veränderte sein Programm im Vergleich zu damals nicht wesentlich. Auch seine Begleiter waren mit Bassist Ron Hynes aus Vancouver und Schlagzeuger „Shuffle King“ Neil Robertson aus New Brunswick die Gleichen geblieben. Die beiden sind ein eingespieltes Team und schaffen Campbelljohn mit jeder angeschlagenen Note den Freiraum, den er benötigt, um seine Frontmannqualitäten unter Dauerbeweis zu stellen. Der 59-Jährige fühlt sich besonders im Bluesrock- und Boogiebereich zuhause. In seiner Heimat ist er ein Star, der unter anderem schon mehrfach als „Kanadischer Blues-Slide-Gitarrist des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Bei uns hält sich sein Bekanntheitsgrad in Grenzen, was vielleicht auch daran liegt, das nicht alle Alben, die er in Kanada und den USA auf den Markt gebracht hat, auch in Europa erscheinen sind. Das soll sich nun ändern, und so tritt Campbelljohn auf seiner aktuellen, drei Wochen dauernden Deutschlandtournee nicht mit einem neuen, sondern mit einem jetzt wiederveröffentlichten Album von 1993 an, das den Titel „How Does It Feel“ trägt. Daraus gab er im Verlauf des Abends das Stück „I Had My Fill“ zum Besten. Ansonsten verließ er sich aber weitestgehend auf Althergebrachtes und spielte seine bekanntesten Lieder, darunter den „Kokomo Blues“, mit dem er sein Set an diesem Abend eröffnete. Erstaunlicherweise ließ er bereits darauf die „Mississippi Queen“ folgen, die Coverversion eines bekannten Hits der Gruppe „Mountain“, die er sonst eher gegen Schluss seiner Konzerte zu Gehör bringt. Anscheinend wollte der Künstler seinen Zuhörern damit von Anfang an klar machen, dass er eher dem Rock als dem reinen Blues zugeneigt ist und ließ es deshalb gleich von Beginn an ordentlich krachen, was zur Folge hatte, das sich manche der Konzertbesucher in der Pause über die hohe Lautstärke, die er dabei an den Tag legte, nicht gerade positiv äußerten. Campbelljohn schien sich aber den Plan zurecht gelegt zu haben, in der ersten Konzerthälfte seine Dampfhammer-Songs abzuarbeiten, um in der zweiten dann Hits und Covers den Vorzug zu geben. Und so ging es zunächst noch mit dem Boogie „Ready For A Riot“, dem erdigen „Knocked Down“ und dem energiegeladenen „Sydney Steel“ kräftig zur Sache, bevor es dann mit „Sunny Sky Slide“ einen entspannten Song zum Mitpfeifen und mit „Jack Of All Trades“ einen lockeren Reggae-Blues zum Relaxen zu hören gab. Campbelljohn wechselte zwischen den einzelnen Songs, seine Vielseitigkeit beweisend, immer wieder zwischen Dobro („You Got To Move“), Lap Steel („The Court Of Love“) und E-Gitarre („Johnny Rock’n’Roll“) hin und her, kommunizierte auf launige Weise mit dem Publikum und animierte es immer wieder zum Mitmachen. Eine der Geschichten, die er dabei erzählte, drehte sich um seine erste Erfahrung auf deutschen Straßen, die so tiefgründig für ihn war, dass er ihr mit der Komposition „Autobahn John“ gleich einen ganzen Song gewidmet hat. Passend dazu lautete später der Titel seiner ersten Zugabe „The World Is Crazy“. Mit dem allerletzten Stück, das Campbelljohn an diesem Abend präsentierte, schaffte er es schließlich noch einmal, die volle Sympathiepunktzahl zu erzielen, denn plötzlich sang der Kanadier in fast lupenreinen Deutsch eine Nummer, die „Gute Nacht, liebe Freunde“ heißt und die er in dieser Form in seiner Heimat vermutlich noch nie auf die Bühne gebracht hat.