Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Auftaktkonzert abgesagt

Wegen einer Baustelle im Palais Schloss musste das Konzert ausfallen.
Wegen einer Baustelle im Palais Schloss musste das Konzert ausfallen.

Baustelle, Schlammpfade, kalte Kapelle: Das Auftaktkonzert zu „60 Jahre Wachenheimer Serenaden“ musste auf Grund äußerer Umstände sehr kurzfristig ausfallen.

Er hätte mutmaßlich als fulminanter Start ins Jubeljahr zum 60. Jahrgang der „Wachenheimer Serenade“ auch gleich die folgenden Veranstaltungen mit befeuert können: Der Auftritt des famosen jungen Klarinetten-Quartetts „Liv“ aus Frankfurt, das seit 2021 mit seinen unkonventionellen Klassik-Programmen die Bühnen von Festivals und Wettbewerben rockt, aber es sollte so nicht sein.

Auch die Schreiberin dieser Zeilen machte sich – nach geglücktem Ergattern eines der im pittoresken Wachenheim äußerst raren Parkplätze - in gespannter Erwartung auf den Weg in Richtung Veranstaltungsort Palais Schloss Wachenheim. Ein Blick in den Innenhof indes ließ Unwirtliches ahnen: rot-weiße Absperrungen, Löcher im Boden, Dunkelheit waren da zu sehen. Mit einem Wort: Baustelle, draußen bleiben! Und richtig: ein Aufsteller unterrichtete die eintreffenden Gäste, dass das Konzert in der benachbarten Ludwigskapelle stattfinden werde.

Schon beim Verlassen des Außengeländes und mit Betreten des schmucken sakralen Raums empfing einen sibirische Kälte. Die ältere Dame am Einlass begrüßte jede Besucherin, jeden Besucher freundlich, aber bestimmt mit der ultimativen Ankündigung: „`S Konzert fallt aus.“ Im Entree wiederum waren Mitglieder des veranstaltenden Freundeskreises „Wachenheimer Serenaden“ an drei Stehtischen bemüht, die Lage zu erklären und den enttäuschten Besuchern gegebenenfalls das Salär für ihre im Vorverkauf erworbenen Karten zurückzuerstatten.

Der Vorsitzende Eckard Hilgemann war um Schadensbegrenzung bemüht. Und schilderte das Dilemma. Eigentlich sollten die Bauarbeiten im Zugangsbereich zum Palais längst abgeschlossen sein, waren sie aber nicht. Und die anhaltend feuchte Wetterlage tat ein Übriges und es wäre unmöglich gewesen, das Publikum gefahrlos durch die Schlammpfade ins Innere zu lancieren.

„Also entschlossen wir uns spontan, den Abend in die benachbarte Ludwigskapelle zu verlegen. Aber da funktioniert offenbar gerade die Heizung nicht“, so Hilgemann. „Und selbst wenn ich sie in Gang gebracht hätte, wäre bis zum Abend kaum eine vertretbare Temperatur erreicht worden.“ Den Klarinetten und ihrem guten Ton hätten die Minus-Grade vermutlich den intonatorischen Garaus gemacht. Kein Ensemble von Renommee lässt sich auf solche Bedingungen ein. Also entschloss man sich zur Absage. Das Liv Quartett wurde umgehend entlassen.

Und so packten Laia Haro Catalan, Gaia Gaibazzi, Daniela Costa Pinho und Daniela Costa Pinho ihre Klarinetten wieder ein und traten ohne Auftritt, aber immerhin mit Gage vor getaner Tat die Heimreise an nach Frankfurt, wo sie Sonntagabend ihr nächstes Konzert (hoffentlich tatsächlich) spielten.

Die prekäre Raum-Situation von Veranstaltern wie dem rührigen Wachenheimer Freundeskreis, die über keine dauerhaft verfügbare Lokalität für ihr Kulturprogramm verfügen, war an diesem Abend unmittelbar präsent. Enttäuschte Besucher, finanzielle Einbußen und unter Umständen ein Publikum, das beim nächsten Mal erst gar nicht hinfährt. Zum Glück lassen sich die Ehrenamtler dennoch nicht beirren. „Wir werden das Konzert nachholen“, verspricht Eckard Hilgemann, unter anderem auch einem betrübt abziehenden älteren Herrn, der mehrfach betont, sich „seit Wochen so sehr auf das Konzert gefreut“ zu haben und gerne auch in der arktischen Kapelle geblieben wäre. Aber „Ne, ne“, verabschiedet ihn die Dame am Einlass in heimischem Zungenschlag, „in dere Kält hättschd hägschdens noch deie Sünne abbieße könne.“

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