Kreis DÜW/Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Asiatische Hornisse: Gefährlicher Räuber breitet sich aus

In Südeuropa bedroht die Asiatische Hornisse nicht nur Bienenvölker, sondern auch den Obst- und Weinbau.
In Südeuropa bedroht die Asiatische Hornisse nicht nur Bienenvölker, sondern auch den Obst- und Weinbau.

Wenn das Wohl von Bienen bedroht ist, wird der Mensch nervös. Die Sorge ist berechtigt, denn ihr Bestand wird durch viele Faktoren gefährdet. Nun haben sie einen weiteren aggressiven Feind: die Asiatische Hornisse, die sich auch hierzulande ausbreitet.

Asiatische Hornissen haben es auf Honigbienen abgesehen. Sie suchen ihre Völker, warten an den Einflugslöchern, greifen die Bienen an und verspeisen sie. Laut Imkerverband mit Sitz in Neustadt gibt es seit vergangenem Herbst in Rheinland-Pfalz stellenweise massiven Beflug durch die invasive Art der asiatischen Gelbbeinhornisse, deren lateinische Name Vespa velutina nigrithorax lautet. Erste Imker beklagen sogar den Verlust ganzer Völker.

In Europa wurde die Asiatische Hornisse, die ursprünglich in China beheimatet ist, erstmals 2004 nachgewiesen. Besonders in Galizien in Spanien und in ganz Frankreich sorgt sie für massive Probleme. Zur Gefahr werden die Hornissen, weil ihre Völker deutlich größer sind als einheimische Arten. Die einheimische und die eingewanderte Art unterscheiden sich durch die Färbung. Die Asiatische Hornisse hat einen dunkelbraunen bis fast schwarzen Rücken und zwei unterschiedlich breite gelbe Binden am Hinterleib. Ihr Kopfschild ist gelb wie auch ihre Beine.

Bienenvölker ständig mit Abwehr beschäftigt

Die Asiatische Hornisse ist zwar kleiner als ihr einheimischer Kollege, bildet jedoch jährlich zwischen 500 und 600 Jungköniginnen aus, wodurch ihre exponentiell auftretende Verbreitung erklärt werden kann. Sie haben sich auf Honigbienen spezialisiert, die bis zu 80 Prozent ihrer Beutetiere darstellen können. Schwächere Völker oder Ableger würden überfallen, stärkere Völker seien latent damit beschäftigt, die Hornisse abzuwehren. Dadurch gebe es weniger Ausflüge, weniger Nektar und Pollen und somit weniger Brut, beschreibt der Imkerverband die Folgen der Angriffe. Die Asiatische Hornisse hat nur wenige natürliche Feinde.

Laut Andreas Kortekamp vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Neustadt gibt es Berichte, dass bestimmte Vogelarten, wie beispielsweise der Wespenbussard, Nester der Asiatischen Hornisse ausräumen und fressen können. Der Mensch könne die Nester entfernen und mithilfe von bioziden Gasen oder Insektiziden zerstören. Kortekamp weist auf Fallen mit Köderflüssigkeit und Insektizide hin, die ebenfalls in Nestnähe eingesetzt werden, insbesondere beim Ausflug der neuen Königinnen, die neue Kolonien bilden können.

Auch die Biodiversität ist bedroht

Andreas Presuhn vom Imkerverband ist Fachmann für Bienengesundheit. Er sagt, dass zurzeit immer mehr Sichtungen der Hornissen gemeldet werden. „Das Problem ist aktueller als je zuvor.“ Das Zurückdrängen der Asiatischen Hornissen sei gefährlich und arbeitsintensiv und könne nicht ausschließlich auf die Schultern der Imker abgeladen werden, sagt er.

Denn nicht nur die Biene sei durch die Hornissenangriffe gefährdet, sondern auch die Biodiversität sei bedroht, und sie bilden eine Gefahr für den Menschen. „Der Blick nach Spanien hat uns gezeigt, dass in Galizien die Zahl der Anaphylaxien, also akut potenziell lebensbedrohlicher Situationen, um 75 Prozent gestiegen ist“, so Presuhn. Darin ist er sich jedoch uneinig mit Kortekamp, der Berichte über tödlich verlaufende Hornissenstiche als nicht nachgewiesene und übertriebene Darstellungen einordnet.

Doch sind die Asiatischen Hornissen nicht nur ein Problem für Honigbienen. Gerade dem Obst- und Weinbau bereiten sie in Südeuropa massive Probleme. Noch sei Deutschland davon verschont, weil die Ausbreitungsdynamik hierzulande langsamer zu sein scheine als in den südlichen Teilen Europas, so Presuhn. Er weist auf die reinen Fraßschäden hin und auf die hohe Gefahr für in der Landwirtschaft arbeitende Personen, gestochen zu werden. „Die berechtigte Sorge besteht, dass sie sich auch in unserem mediterranen Klima der oberrheinischen Tiefebene verbreiten wird und auch hier zu großen finanziellen Verlusten im Obst- und Weinbau führt.“ Ebenso nehme die Bestäubungsleistung in Bereichen, wo Vespa velutina jagt, deutlich ab, sagt er, da diese Bereiche von den Bienen gemieden würden. „Und nicht zuletzt ist damit der verheerende Einfluss auf die Biodiversität der Ökosysteme in den Regionen, wo die Ausbreitung der Asiatischen Hornissen ungehindert voranschreitet, ein massives Problem.“

Imker in der Region sind wachsam

Presuhn arbeitet selbst als Imker und weiß um die schwierige Lage: „Es werden Bienenvölker zerstört, und die Honigerträge gehen massiv zurück, der Arbeitsaufwand zu Schutz der Völker nimmt sehr viel Ressourcen in Anspruch, so dass für viele der Lebensunterhalt durch die Imkerei nicht mehr machbar ist.“

Noch hat Imker Arnd Messer aus Haßloch keine Probleme mit der Asiatischen Hornisse. Er ist wachsam und kontrolliert die unmittelbare Umgebung um seine Bienenstöcke. Er erzählt von Nestern, die im Pfälzerwald entdeckt wurden, und von Hornissensichtungen im Raum Ludwigshafen. Auch Rainer Klug vom Imkerverein Lambrecht weiß von Ludwigshafener Fällen zu berichten. An seinen Bienenstöcken selbst hat er noch keine Asiatische Hornissen beobachtet. Mehrmals täglich beobachtet er die Lage, denn er ist ebenso gewarnt wie seine Kollegen. „Man kann ihre Nester auch nur schwer ausmachen, da diese in belaubten Bäumen versteckt sitzen“, sagt er. Vom Verband seien die Imker angehalten, das Vorkommen der dunklen Hornisse zu melden, um so die Verbreitung nachzuvollziehen. „Wir beobachten und rechnen damit, dass sich die Lage jederzeit ändern kann“, sagt Messer.

x