Neustadt Anfassen ausdrücklich erlaubt

Von einem Schrei wie „Schatz, da ist eine Spinne im Zimmer!“ oder Leuten, die panikartig auf einen Stuhl springen, war im Saalbau nichts zu hören und zu sehen. Stattdessen bestaunten interessierte Besucher, junge und alte, die Terrarien, in denen die teils seltenen Spinnen zuhause sind. Die Exemplare stammen aus Asien, Afrika, Nord- und Südamerika. Einige Gäste wollen sich von Aussteller Kevin Sperlich mal eine „Brachypelma smithi“ – auf Deutsch Rotknie-Vogelspinne – auf die Hand setzen lassen. Das Exemplar ist fünf Jahre alt und häutet sich alle zwölf bis 14 Monate. Es fühlt sich ganz weich an, wenn das Tierchen über die Handfläche spaziert. Aussteller René Sperlich erklärt, die Ausstellung solle zeigen, dass Spinnen nicht so schlimm seien, wie viele annehmen. Zudem seien sie unverzichtbar, weil sie viele Insekten vernichten würden. Er erzählt, dass 20 Prozent der Besucher an Arachnophobie, sprich: Spinnenangst, litten. Trotzdem kämen viele von ihnen wieder in die Schau. Sollte ein Terrarium zu Bruch gehen, müssten die Besucher auch keine Angst haben: Keine der gezeigten Spinnen sei lebensbedrohlich. Bei Nichtallergikern würde ein Biss der Rotknie-Vogelspinne wie ein Wespenstich an- und wieder abschwellen, erläutert Kevin Sperlich. Familie Sperlich, bestehend aus Mutter, Vater und drei Söhnen, hat irgendwann mal ihr außergewöhnliches Hobby entdeckt: Laut René Sperlich hatte erst der Vater eine Spinne, dann hatten alle Kinder plötzlich auch eine. Irgendjemand habe dann angeregt, die Familie sollte doch eine Ausstellung organisieren. Viele ihrer Tiere bekommen die Sperlichs geschenkt, andere werden über Internetbörsen erstanden. Besucherin Carmen Killet hatte selbst einmal 27 Spinnen. Auf der Ausstellung suchte sie eine Inspiration für ihr nächstes Haustier. Sie erklärt, dass die Nahrung einer Spinne nicht über die Größe des Spinnenhinterteils hinausgehen sollte. Ihr zufolge gibt es Spinnen schon für 40 bis 50 Euro zu kaufen. Abhängig von Größe und Seltenheit, müssten für manches Exemplar aber auch 400 bis 500 Euro hingeblättert werden. Bei der Ausstellung konnte übrigens auch eine „Theraposa blondi“, die größte bodenlebende Vogelspinne der Welt, bestaunt werden. Und neben Spinnen wurden zudem Insekten gezeigt. Wie eine „Hierodula membranacea“, eine in Indien, Nepal und Malaysia beheimatete Gottesanbeterin. Die ist zwar ungiftig, verspeist aber auch mal gern den einen oder anderen Artgenossen. (stem)