Neustadt Alles böse Rocker? Ein Besuch beim Metal-Stammtisch

Gesellig und tolerant: Metal-Stammtisch in der Herberge.
Gesellig und tolerant: Metal-Stammtisch in der Herberge.

Einmal im Monat wird die Herberge zum Szene-Treff: Metal-Fans strömen von nah und fern zum Stammtisch in der ältesten Weinstube Neustadts. Die RHEINPFALZ war am Samstag dabei.

Kleine Grüppchen schwarz gekleideter Menschen wandern durch die Mittelgasse. Ihr Ziel: die Weinstube zur Herberge, die am Samstagabend zum sechsten Mal einen Stammtisch für Liebhaber von Metal-Musik veranstaltet. Stefanie Rößler aus Deidesheim war jedes Mal dabei. Die 40-Jährige schätzt „das tolle Miteinander“. „Man kann hier Leute kennenlernen, und jeder ist tolerant und freundlich.“ Metal höre sie seit Jahren, zum Beispiel die Heavy-Metal-Band Iron Maiden, und sie war schon auf einigen Musik-Festivals. „Da gibt es nie Krawalle, und hier zerstört auch niemand die Einrichtung“, betont sie. Dass die manchmal vielleicht etwas düster aussehenden Metal-Fans gewaltbereit seien, sei „voll das Klischee“. „Viele arbeiten sogar in sozialen Berufen.“

Christopher Höfer kommt immer zum Stammtisch, auch wenn er kein Metal-Fan ist – und heute auch kein schwarz trägt. „Hier sitzen Doktoranden neben Hilfsarbeitern am Tisch, es spielt keine Rolle, woher man kommt“, begründet der 32-jährige Neustadter sein Interesse. „Das ist typisch für die Szene“, wirft Doreen Pastor ein: gemeinsam zu trinken und einfach zu erzählen. An den Tischen werden Anekdoten von Konzerten, Festivals oder Weinfesten ausgepackt. Florian Langhauser flippt vor Freude aus, als ihm sein Sitznachbar den Kontakt zu einer Band vermitteln kann, die er gerade erst für sich entdeckt hat.

„Kutte ist Lebensgefühl“

„Die Szene lebt, ist riesig, der Underground pulsiert“, sagt der 37-Jährige aus Deidesheim, der sich immerzu neue CDs kauft und am Tisch leidenschaftlich die Frage diskutiert, ob der klassische Metal der 1980er-Jahre besser ist als die neuere Gruppen. Seine Metal-Kutte trägt er seit er 14 ist, mittlerweile ist sie bis auf den letzten Millimeter mit Aufnähern seiner „alten Helden“ und Gruppen, die er live gesehen hat, geschmückt. „Da ist sogar noch einer von Oma drauf“, zeigt er. „Kutte ist Lebensgefühl.“ Und man könne gleich ablesen, welche der diversen Subgenres des Metals das Gegenüber mag, was einen großen Unterschied machen könne.

Für Pächterin Liz Machado ist der Stammtisch „ein Highlight“ im Monat, obwohl sie selbst andere Musik hört . „Jeder wird hier angenommen, egal wie man aussieht.“ Sie berichtet von Gästen , die aus Karlsruhe und Frankfurt anreisen und den Stammtisch auch über Neustadt hinaus bekannt machten. „Es gab viel Kritik, aber auch viel Lob. Die Gäste öffnen sich jetzt, lernen uns lieben und kommen regelmäßig.“ Die Idee für den Metal-Stammtisch hatte Machados Partner Steffen Eschmann. Für ihn sind die Treffen eine „Herzensangelegenheit“, an der jeder teilhaben könne. Er freut sich über die Resonanz. „Die Leute wissen die Musik und den guten Service zu schätzen.“ Dass heute weniger los ist als bei den letzten Treffen mit bis zu 80 Gästen, ist eigentlich logisch: Viele Metaller sind auf dem bekannten Wacken-Festival in Schleswig-Holstein.

Metal-Lesetour

Am Samstag, 2. September, macht Ernie Fleetenkiekers (Youtube: Krachmucker TV) auf seiner Lesetour in der Herberge Halt. Sein Buch „Metal-Manifest“ wirft laut Verlag einen mitunter auch kontroversen Blick auf die Kultur und Szene des Heavy Metal. Der Eintritt ist frei.

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