Neustadt „Alle Ressourcen bündeln“
Es ist der einzige vernünftige Weg, und das nicht nur aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen. Das Gemeinschaftsmarketing erreicht für Produkt oder Region am meisten, wenn es gute Arbeit macht. Gute Arbeit heißt in unserem Fall, die Gelder zielgerichtet dafür einzusetzen, wofür sie von uns als Winzern erhoben werden, nämlich zielgerichtet auf die Dachmarke Pfalz. Es gibt aber auch Stimmen, die hören sich nach dem berühmten sauren Apfel an, in den man beißen muss, weil es gefordert wird ... Ich finde es schade, wenn ein für unsere Region so wichtiges Thema von einzelnen Interessen leicht durchschaubar missbraucht wird. Leider wurde seit Jahren die Umsetzung der rechtlichen Rahmenbedingungen im Vergaberecht durch regionale politische Einflussnahme unterbunden. Welche Vorteile bringt die „Fusion“? Mehr als 70 Prozent der Pfälzer Weine werden laut GfK im Lebensmitteleinzelhandel vermarktet, mehr als 55 Prozent gehen als Fasswein an große Handelskellereien. In diesem Marktumfeld muss jedem klar sein, dass wir alle Ressourcen bündeln müssen, um in der in Funk und Fernsehen, Print und Social Media zersplitterten Werbewelt überhaupt noch ein Fünkchen an Wahrnehmbarkeit zu erhalten. Denn gegen die hochgerechnet rund 90 Millionen Euro jährlichen Werbeetats zum Beispiel bei der Krombacher Brauerei nimmt sich das Pfalzweinbudget mit knapp 2,3 Millionen Euro ziemlich bescheiden aus. Was muss da zum Beispiel noch getan werden? Zusätzliche Anstrengungen müssen insbesondere auch auf Aktivitäten außerhalb des Anbaugebiets verlegt werden, denn in der Pfalz haben unsere Weine ohnehin, und das zurecht, einen hervorragenden Ruf. Gerade auch aufgrund der hervorragenden Arbeit, die die drei Organisationen in den letzten Jahrzehnten gemacht haben. Und da schließe ich ausdrücklich auch die Südliche Weinstraße mit ein und auch die Pfalzwein, deren Auftritte nach meinem Dafürhalten keineswegs als altbacken gelten. Wir werden aber auch in Zukunft nicht umhin kommen, unsere Maßnahmen zu evaluieren und deren Erfolg zu messen. Und in welchen Bereichen sehen Sie Nachteile? Für die Pfälzer Winzer insgesamt, den Weinbau in der Pfalz und unsere Pfälzer Kultur und Kulturlandschaft sehe ich keine Nachteile. Wir müssen unsere Anstrengungen fokussieren, um im Wettbewerb mit den anderen deutschen Weinanbaugebieten, aber insbesondere auch mit allen anderen nach Deutschland importierten Weinen, die teilweise sehr preisaggressiv angeboten werden können, weil zum Beispiel dort wesentlich geringere soziale Standards als in Deutschland eingehalten werden müssen, bestehen zu können. Warum ist das Ganze für die Südpfälzer schmerzlicher als für die Mittelhaardter, wie zum Beispiel Gunter Steuer, der Geschäftsführer Wein der Gebietswerbung Mittelhaardt, kürzlich gesagt hat? Ich nehme an, er meint, dass es dort ein größeres Budget gab und damit mehr Aktivitäten. Weil nicht nur die Weinwerbeabgabe teilweise an die Bereichswerbungen weitergeleitet wurde, sondern an der Südlichen Weinstraße auch der Landkreis aus seinem Haushalt Mittel dafür eingesetzt hat und das Budget wohl auch über zusätzlich generierte Einnahmen noch erhöht wurde. Damit verbunden ist dann auch eine größere Anzahl von Mitarbeitern, die von den Veränderungen betroffen sind. Welche personellen Auswirkungen hat die Zusammenführung unter dem Pfalzwein-Dach denn auf den Bereich Mittelhaardt? Es hat Auswirkungen auf die Mitarbeiter, weil wir nach dem 31. Dezember 2018 keine Bereichsweinwerbung mehr machen. Grundsätzlich wurde den Mitarbeitern der Bereichsweinwerbung der Deutschen Weinstraße/Mittelhaardt der Wechsel in die Pfalzwein angeboten, weil wir uns dahingehend rechtlich beraten ließen, dass es sich um einen Betriebsübergang handelt. Für die Mitarbeiter im Bereich Tourismus, der fortgeführt wird, ergeben sich keine Änderungen. Und was ist jetzt noch alles zu erledigen, bis es soweit ist? Es stehen noch viele Aufgaben an. Nicht nur bis zum 31. Dezember 2018, sondern auch darüber hinaus. Als erstes muss ein beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Auftrag gegebenes Gutachten, wie die RHEINPFALZ am 29. September berichtete, bewertet werden. Daraus erhofft sich die Pfalzwein wissenschaftlich basierte Unterstützung bei der Neuorganisation der Geschäftsstelle. Und anschließend? Besonders wichtig ist es, die Entwicklung nicht nur den Mitarbeitern der beteiligten Organisationen, sondern gerade auch den Pfälzer Winzern entsprechend zu erläutern, denn diese sind mit ihren fantastischen Weinen ja unsere wichtigsten Werbeträger. Dazu gehört dann auch die Zusammenführung von Projekten auf Pfalzebene, wie wir es bei der Deutschen Weinstraße zum Beispiel mit dem Jungwinzerwettbewerb „Generation Pfalz“, der von Anfang an pfalzweit ausgeschrieben war, schon vor Jahren begonnen haben. Ich freue mich, dass dabei Pfalzwein und der pfälzische Weinbauverband im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd Hand in Hand eng und zielgerichtet zusammenarbeiten. Und wenn die Fusion dann 2019 vollzogen ist? Nicht zuletzt beginnt dann erst das Tagesgeschäft in der neuen Struktur, bei dem wir alle gefordert sind, unsere Anstrengungen im Gemeinschaftsmarketing für die Pfälzer Weine weiter zu entwickeln.