Neustadt Abtanzen im Bahnhof für den guten Zweck
17 junge Leute aus der Verbandsgemeinde Deidesheim wissen zu feiern. Sie haben aber auch etwas für Bedürftige übrig. Über 1500 Euro als Reinerlös aus den Spenden für die Getränke von Partys haben sie jeweils zur Hälfte für ein Projekt von Kaplan Chandra in Indien „Bildung für indische Straßenkinder“ sowie für die in der Verbandsgemeinde lebenden Flüchtlinge gespendet.
Eric Steffen schwärmt immer noch von der Idee, die er und seine Freunde an den Samstagabenden im Dezember nach dem Besuch des Weihnachtsmarktes in die Tat umsetzen. Der 22 Jahre alte Student für Weinbau und Oenologie an der Fachhochschule Geisenheim lud mit seinen Mitstreitern Manuel und Christian Langhauser sowie Fabian Kerbeck weitere Freunde ein, sich ab 21 Uhr im alten Bahnhofsgebäude von Deidesheim zu treffen. Die Immobilie, die über viele Jahre der Bahn AG gehörte und dort nach der Aufgabe des Fahrkartenschalters als Reisebüro, Schreibwarenladen und auch noch als Postfiliale diente, steht inzwischen im Eigentum der Firma von Erics Eltern. Da das Gebäude im jetzigen Zustand vom Unternehmen noch nicht genutzt werden kann, kam man auf die Idee, dieses als Ort für die Partys zu nutzen. Damit wollten die Akteure jungen Leuten in Deidesheim einen schönen Abend bereiten, zugleich Menschen, welche sich auf der Schattenseite des Lebens befinden, unterstützen. Diese Aktion gefiel auch Erics Eltern. So stellte man das Gebäude gerne zur Verfügung. Nur unter den Bedingungen: Die Party sollte nur im privaten Kreis stattfinden, und niemand sollte dadurch gestört werden. Dass es nicht immer ganz leise war, räumten die Jugendlichen, die zum Teil bei den „Kerwebuwe“ oder bei der Feuerwehr aktiv sind, ein, zeigten Einsicht und bedankten sich bei den Nachbarn für ihre Toleranz. Der leerstehende Bahnhof führte dazu, dass sie ihr Anliegen, mal wieder abzutanzen, selbst in die Hand nahmen. Eine neue Lichtanlage wurde angeschafft, Getränke wurden besorgt. Die DJs Basti (Bastian Hock), Schmaggi (Florian Heck) und Becks (Patrik Becker), die zum Freundeskreis zählen, sorgten für den musikalischen Part mit Hits der 80er- und 90er-Jahre. Es sollte eine Party unter Freunden sein, sagte Steffen. So wurde kein Eintritt erhoben. Für die Getränke bat man einfach um eine Spende. Das Konzept ging auf. Zwischen 120 und 240 Partygäste waren an den vier Abenden dabei und sorgten am Ende auch für das Spendenaufkommen von über 1500 Euro. „Uns war klar, dass wir für soziale Zwecke spenden werden“, sagt Eric Steffen. Zu Kaplan Chandra, der jetzt in Dahn als Seelsorger tätig ist, pflegen die Jungs weiterhin einen guten Kontakt, so dass man sein Bildungsprojekt in Indien unterstützen möchte. Die Idee, auch einen Anteil zur Finanzierung des Deutschunterrichts der in der Verbandsgemeinde lebenden Flüchtlinge zu spenden, reifte erst bei den Partys. Eine Hilfsbereitschaft, die später von der Stadt Deidesheim am Valentinstag im Museum für Weinkultur als außergewöhnlich und vorbildlich gewürdigt wurde. „Die Jungs sind nicht nur Feierbiester, sie können anpacken und haben auch etwas im Kopf“, sagte Stadtbürgermeister Manfred Dörr. Ob es nochmals solche Partys geben wird, ließen die Jungs offen. „Wir wissen ja nicht, was mit dem Gebäude geschieht. Wenn wir etwas machen, dann aber wieder im privaten Kreis. Auf keinen Fall kommerziell“, meinte Martin Lucas. (wij)