Mannheim
Proteste gegen Corona-Politik: Polizei von Anzahl der Teilnehmer überrascht
121 Verstöße gegen das Versammlungsgesetz, drei angekündigte Strafverfahren wegen Widerstands oder Beleidigung und sechs leicht verletzte Polizisten – das ist die Bilanz eines Protestzugs gegen die Corona-Politik am Montagabend durch die Mannheimer Innenstadt in nüchternen Zahlen. Die Stadt hatte ihn zwar kurzfristig verboten, doch das hielt die Teilnehmer nicht davon ab, sich am Wasserturm zu versammeln.
Etwa 2000 Menschen sind den offiziellen Angaben zufolge in der Spitze auf den Straßen unterwegs gewesen – Abstandsregeln und Maskenpflicht wurden laut Polizei ignoriert. Angemeldet war die Veranstaltung offenbar nicht. In sozialen Netzwerken wird seit Tagen bundesweit zu Spaziergängen als Protestform gegen die Corona-Politik aufgerufen. Am Montagabend gab es vielerorts solche Demonstrationen. Mannheim gehörte dem Vernehmen nach zu den Städten, wo besonders viele Menschen unterwegs waren. In Rostock und Magdeburg beispielsweise sollen noch mehr Männer und Frauen auf die Straße gegangen sein.
Ausgangspunkt für die Kundgebung war der Wasserturm. Als sich dort Demonstranten versammelt hätten, seien Platzverweise ausgesprochen worden, so die Polizei. Dennoch sei der Friedrichsplatz auf einen Schlag von Menschen „geflutet“ worden. Sie formierten sich schließlich zu einem Aufzug in Richtung Paradeplatz. Die Einsatzkräfte stoppten den Zug zunächst. Die Lage blieb aber offenbar sehr unübersichtlich. Immer wieder hätten sich mehrere Gruppen gebildet, die durch die Innenstadt gezogen seien, so die Polizei. Bei dem Versuch mehrerer Personen, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen, wurden den weiteren Angaben zufolge drei Polizisten leicht verletzt.
„Wir waren nicht das Feindbild“
Die Aufarbeitung des Treibens in der Innenstadt wird die Mannheimer Polizei noch eine Weile beschäftigen. Am Tag danach gab es neben einigen Erkenntnissen etliche Ungewissheiten. „Nach unseren Eindrücken war das ein bunt gemischtes Publikum“, sagte ein Polizeisprecher am Montagvormittag. Eine bestimmte politische Richtung sei nicht
Von der Anzahl der Menschen, die sich in der Innenstadt versammelten, war die Polizei überrascht. Es wurden im Laufe des Abends weitere Kräfte hinzugezogen. Kurz nach 22 Uhr hatte sich die Lage beruhigt. Die letzten Verkehrssperrungen am Wasserturm konnten aufgehoben werden. Vorher war es zu massiven Behinderungen gekommen. Zwischenzeitlich war auch der Straßenbahnverkehr in der City zum Erliegen gekommen. Die Polizei geht davon aus, dass die Teilnehmer des Protestzugs nicht nur aus Mannheim gekommen sind. Genauere Erkenntnisse lagen dazu am Montag aber noch nicht vor.
Wohl kaum der letzte Protest
Für die Polizei ist es schwierig vorherzusagen, wie sich die Proteste gegen die Corona-Politik in Mannheim entwickeln werden. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass so etwas wieder vorkommt“, so der Sprecher. Was künftige Polizeieinsätze betrifft, sei es nicht leicht, das richtige Verhältnis zu finden. Gemeint ist damit in erster Linie die Frage, wie groß der personelle Aufwand sein soll, der betrieben wird. Prognosen, welche und wie viele Personen zu möglichen weiteren Protesten dieser Art kommen, seien kaum möglich. Man könne aber nicht einfach so 1000 Beamte abstellen. Vielmehr wolle man flexibel reagieren.