Mannheim
In Mannheim gibt’s Dünen – und noch mehr Natur zeigt der Tag der Art Artenvielfalt
Dünen in Mannheim? „Warum nicht?“, sagt Thomas Kilian. Der Biologe arbeitet im Naturschutz-Team der Stadt. „In Speyer gibt es schließlich auch Dünen.“ Und genau genommen fast am gesamten Rhein entlang. „Die Dünen aus dem Käfertaler Wald ziehen sich über Lampertheim bis nach Mainz.“ Allerdings sind die Sanddünen als solche nicht mehr so leicht zu erkennen wie Sandberge am Meer oder in Wüsten. „Entstanden ist diese Landschaft während der letzten Eiszeit, also vor rund 11.000 Jahren“, erklärt Kilian. Und für immerhin rund 4000 Jahre wanderten in der Region die Dünen. „Ich schätze, dass der Wald darauf vor rund 7000 Jahren entstanden ist. Seither gab es keine großflächigen Dünenwanderungen mehr.“ Die Angst davor scheint den Menschen in der Region aber in den Genen zu liegen. Kilian nennt als Beispiel eine Begebenheit aus der Zeit des Dritten Reichs: „Geplant war, den Wald zugunsten eines Panzerübungsplatzes zu roden. Aber die Seckenheimer Bauern konnten sich dagegen erfolgreich zur Wehr setzen, weil sie eine Versandung ihrer Ackerflächen befürchteten.“
So konnte sich vor der Haustür eine spannende Landschaft entwickeln. Eine Landschaft, die in ihrer Heidebepflanzung der wesentlich bekannteren Lüneburger Heide ähnelt. „Nur Heidschnucken findet man hierzulande leider nicht“, sagt Kilian lachend.
Ständig Wassermangel
Ansonsten seien die Landschaften durchaus vergleichbar. So herrscht im Sandboden nicht nur ein permanenter Wassermangel, sondern der Boden wird bei Sonneneinstrahlung auch extrem heiß. Bis zu 70 Grad seien direkt über dem Sand keine Seltenheit. Die Nährstoffarmut ist ein weiteres wesentliches Merkmal der Dünenlandschaft, was in Summe die besondere Tier- und Pflanzenwelt ermöglicht. „Hier ist zum Beispiel nicht nur das sogenannte Silbergras zu Hause, dessen silbrige Behaarung eine Verdunstung verhindert, sondern auch der Dünen-Sandlaufkäfer, der seinen Körper mit seinen extrem langen Beinen um einige Zentimeter vom Boden abdrückt.“ Ein wichtiger Unterschied, der eine Temperaturabsenkung um bis zu 30 Grad und damit eine erhebliche Erleichterung ausmachen könne, so der Experte. Auch die Kegel von Ameisenlöwen, den Larven der Libellenart „Ameisenjungfer“, sind im Sandboden zu entdecken.
Das beginnt schon beim Namen, dem „Dossenwald“, der seinen Namen von der „Dosse“, dem altdeutschen Wort für Kiefer, hat. „Im Mittelalter war der Wald in Deutschland ein Wirtschaftsgut und wurde großflächig abgeholzt. Im Sinne einer nachhaltigen Forstwirtschaft wurde damals dafür die Kiefer auf dem Dünenboden heimisch gemacht.“ Wie lange sie sich dort noch halten kann, ist laut Kilian fraglich. „Aktuell leidet sie sehr, weil ihre üblichen Temperaturen überschritten werden.“ Seine Aufgabe, und die der Forstexperten ist es nun, den Wald für die nächsten 50 oder 100 Jahre zu entwickeln.
Zur Sache: Tag der Artenvielfalt
Biber am Neckar, Fledermäuse im Unteren Luisenpark oder Eidechsen im Dossenwald zwischen Rheinau und Friedrichsfeld? Das und noch vieles andere mehr ist beim Tag der Artenvielfalt zu entdecken. Bereits zum zwölften Mal lädt Mannheim zu einer Entdeckungsreise in die Natur innerhalb der Stadtgrenzen ein. Trotz Pandemie stellen die Veranstalter am Samstag, 20., und Sonntag, 21. Juni, wieder 14 verschiedene Exkursionen und Informationsveranstaltungen zur Auswahl.
Die Angebote sind offensichtlich beliebt. Stand Donnerstagmorgen waren bereits zahlreiche Führungen ausgebucht. Darunter auch eine Führung durch den Dossenwald und die dortigen Sanddünen. Für die Aktionen „Von Bucheckern und Schwarzspechten – Der Wald als Lebensraum“ und den „Infostand Regionales Einkaufen“ kann man sich aber weiterhin anmelden. Außerdem kann der Online-Workshop „Der nachhaltige Kleiderschrank“ besucht werden. „In einer Zeit, in der auf Grund des Coronavirus viele Veranstaltungen abgesagt werden müssen, freue ich mich, dass wir den Tag der Artenvielfalt trotzdem durchführen“, wirbt Umweltbürgermeisterin Felicitas Kubala als Schirmherrin. Das Programm sei zwar aus bekannten Gründen im Vergleich zu den Vorjahren deutlich reduziert, aber die 14 Punkte in Zusammenarbeit mit der Agenda Aktion 2020 bieten trotzdem wieder einen schönen Einblick in Tier- und Pflanzenwelt sowie die Besonderheit der Mannheimer Naturschutzgebiete, die oft unbemerkt vor der Haustür liegen.
Selbstverständlich gelten auch für diese Veranstaltungen die gängigen Sicherheits- und Hygienevorkehrungen. Alle Programmpunkte im Netz unter www.mannheim.de/tda.