Mannheim
Hat der Kaufhof in Mannheim doch noch eine Chance?
Der Mannheimer Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) hat nach dem Bekanntwerden der Schließungspläne am Samstag angekündigt, sich für den Erhalt der Galeria-Filiale in Mannheim einzusetzen. Der OB steht nach eigenen Angaben bereits seit Längerem in Gesprächen mit den Geschäftsführern und Mitarbeitern der Mannheimer Niederlassung sowie dem neuen Eigentümer der Galeria Karstadt Kaufhof Gruppe.
„Die Galeria-Filiale am Paradeplatz hat sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt und ihre hohe Kundenfrequenz und ihren Umsatz weiter gesteigert. Das Management vor Ort hat vielversprechende Ideen und Konzept für die Weiterentwicklung des Standorts“, berichtet Specht aus den Gesprächen. Der OB will die von den neuen Eigentümern verkündete Schließung nicht einfach hinnehmen. Er sagt: „Wir wollen Galeria als wichtigen Besuchermagneten und Frequenzbringer in der Mannheimer City erhalten und die Arbeitsplätze der engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sichern. Dafür habe ich bereits Gespräche zwischen dem neuen Eigentümer der Galeria-Gruppe und einem Immobilieninvestor vermittelt. Gemeinsam arbeiten wir aktuell an einer nachhaltigen Lösung für die Zukunft der Mannheimer Niederlassung.“
Benko-Pleite Auslöser
Die Kaufhaus-Kette gehörte zur insolventen Signa-Gruppe von René Benko. Der 46-jährige österreichische Unternehmer und Immobilieninvestor galt noch vor ein paar Jahren als einer der reichsten Menschen der Welt. Neben der Kaufhaus-Kette hatte er anderem das Chrysler Building in New York gekauft. Doch sein Firmenimperium geriet ins Wanken. Nach Medienberichten sollen sich die Verbindlichkeiten der Signa-Gruppe auf mehrere Milliarden Euro belaufen und zu Österreichs größtem Bankrott geführt haben.
Gegen Benko ermittelt in Österreich die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Der vermeintliche Retter von Galeria Karstadt Kaufhof riss die Kaufhaus-Kette durch seine Insolvenz mit in den Abgrund. Der Warenhauskonzern stellte Anfang Januar einen Insolvenzantrag.
Dritte Insolvenz
Für die Kaufhaus-Gruppe ist es die dritte Insolvenz innerhalb von dreieinhalb Jahren. Seit Anfang April ist bekannt, dass ein Konsortium aus der US-Investmentgesellschaft NRDC und der Gesellschaft BB Kapital des Mannheimer Unternehmers Bernd Beetz die Kaufhaus-Kette übernehmen wird, falls Ende Mai die Gläubigerversammlung zustimmt. Bisher gibt es laut Medienberichten nur eine zwischen den Investoren und Galeria geschlossene Vereinbarung. Momentan führt ein Insolvenzverwalter die Geschäfte des Warenhauskonzerns. Er sieht für 16 von 92 Filialen keine profitable Zukunft wegen zu hoher Gebäudemieten – dazu zählt auch die Immobilie in P 1.
Obwohl Beetz den SV Waldhof Mannheim finanziert, hat der Standort am Paradeplatz offenbar keinen Mannheim-Bonus. Die Filiale steht auf der Schließungsliste. Das sorgt vor Ort für Unverständnis: „Aus unserer Sicht ist die Entscheidung von Kaufhof unmöglich und ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten. Die wissen seit Samstag, dass das Haus zum 31. August schließen soll. Der Kaufhof an dieser Stelle gehört zu Mannheim, zumal wir hier von einer 1A-Lage sprechen. Wir machen jetzt das Gleiche durch wie in N7, was von der Lage her ebenfalls ein guter Standort war“, sagt Sabine Möller von der Gewerkschaft Verdi. Laut Gewerkschaft geht es um etwa 100 Beschäftigte.
„Der Kampf hat noch nicht begonnen. Wir werden jetzt auf die Stadt zugehen und alles in die Wege leiten, um die Arbeitsplätze zu retten“, kündigt die Gewerkschafterin an. Die Nachricht vom Aus für das Kaufhaus falle in eine Zeit, in der Mannheim ohnehin von Schließungen gebeutelt sei. Sabine Möller ist empört: „Die maßlose Gier auf den Knochen der Arbeitnehmer hat mich getroffen wie ein Schlag.“
Kritik vom Einzelhandel
Nicht nur bei den Arbeitnehmervertretern ist der Schließungsplan wie eine Bombe eingeschlagen. „Es ist eine dramatische Situation, dass so ein Traditionsunternehmen an so einem Traditionsstandort schließen will, zumal die wirtschaftliche Lage sich in den letzten Monaten wieder erholt hatte“, sagt Lutz Pauels, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Mannheim-City. Das einzige Positive sei, dass bis zur geplanten Schließung am 31. August noch Zeit sei, um Gespräche zu führen. Pauels hofft, dass sich das Blatt noch wenden lässt: „Dass dies funktionieren kann, hat ja der Standort Viernheim gezeigt, der angeblich seit Monaten ebenfalls auf der Kippe stand.“
Das größte Problem sei, dass bei den momentan unklaren Besitzverhältnissen der Kaufhaus-Gruppe auch offen sei, mit wem man überhaupt reden könne. Erster Ansprechpartner aus Mannheimer Sicht wäre sicherlich Bernd Beetz. „Aber ich habe keine Ahnung, ob er da etwas machen kann“, sagt Pauels. Klar sei aber auch, dass das Gebäude am Paradeplatz nicht mehr so bleiben könne und investiert werden müsste. „Die Verkaufsfläche ist zwar okay, aber bei den Flächen dahinter muss viel getan werden. Als Beispiel dafür könnten die Umbauten bei C&A oder Peek & Cloppenburg herhalten. An diesem Standort geht aber sicher nur ein Kaufhaus“, ist der Sprecher der Mannheimer Einzelhändler überzeugt.