Mannheim / Heidelberg RHEINPFALZ Plus Artikel Drogenhandel: 32 Kilo Koks, eine Tonne Marihuana

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Wegen Drogenhandels im großen Stil, insgesamt listete die Staatsanwaltschaft rund eine Tonne Marihuana und 32 Kilo Kokain auf, stehen zwei Männer aus Eppelheim und Heidelberg vorm Mannheimer Landgericht. Der Vorwurf lautet: „Verdacht des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln“.

Die Anklageschrift klingt ein wenig wie die Gründung eines Start-up-Unternehmens: „Spätestens Anfang des Jahres 2020 fassten sie den Entschluss, sich durch Ankauf und Verkauf von Drogen in nicht unerheblicher Menge eine dauerhafte Einnahmequelle zu sichern“, sagte Staatsanwaltschaft David Yang. Haupttäter sei der 25-jährige aus Eppelheim gewesen, der an allen zehn vorgeworfenen Geschäften beteiligt war. Sein 26-jähriger Komplize habe ihm dabei dreimal Hilfestellung geleistet, die Drogen entweder abgeholt oder bei der Verteilung der Ware geholfen, die aus den Niederlanden, Spanien und auch aus Deutschland in die Region gekommen sei.

Aus „Bunkerwohnungen“ verteilt

Zehnmal habe der 25-Jährige Drogen bestellt, wusste Yang, der teilweise sogar Einkaufspreis und Gewinnzuschlag für den Verkauf nennen konnte. Verteilt wurden die Drogen aus sogenannten Bunkerwohnungen heraus an Kunden im Bereich Mannheim, Eppelheim, Rohrbach und Wieblingen. So habe der 25-Jährige mehr als sechs Millionen Euro, sein „Geschäftspartner“ immerhin noch 1,5 Millionen Euro eingenommen. Detailwissen der Staatsanwaltschaft, die möglich ist, weil die französische Polizei Chats auf einer häufig von Kriminellen genutzten Plattform „Encro Chat“ entschlüsselt hatte, die bis dahin als abhörsicher galt, weil alle Inhalte praktisch per Knopfdruck gelöscht werden konnten, der Firmenrouter GPS-, Kamera- und Mikrofonfunktion der Mobiltelefone deaktivierte.

Zwischen März und Juni 2020 ermittelten die Beamten von Europol, dann stellte „Encro Chat“ die Geschäftstätigkeiten ein. Die Folge waren europaweite Drogenprozesse, wie der vor dem Mannheimer Landgericht, denn am 25. Mai endete das so erfolgversprechend begonnene Geschäftsmodell der beiden, die sich an der Hauptschule in Eppelheim kennengelernt und seither nie wirklich aus den Augen verloren hatten.

Angestellter in Wellnessbetrieb

Bislang schilderten die beiden jungen Männer lediglich ihre insgesamt unauffälligen Lebensläufe. Der war bei dem 25-Jährigen einigermaßen geradlinig verlaufen. Nach dem Realschulabschluss und einem Freiwilligen Sozialen Jahr habe er das Abendgymnasium geschmissen, sich durch mehrere Gelegenheitsarbeiten finanziert und sei schließlich als Gesellschafter des SPA-Betriebs eingestiegen. Der 26-Jährige hatte zunächst die Realschule in Rohrbach besucht, war dann auf die Hauptschule nach Eppelheim gewechselt, im Anschluss eine Ausbildung zum Postboten gemacht, diese Stelle aber nach einer Trunkenheitsfahrt verloren. Er wurde dann Angestellter seines Schulfreunds in dem privaten Wellnessbetrieb.

Beide schweigen zu Tatvorwürfen

Dass man aktuell nicht etwa in Geld schwimme, sondern auf Schulden sitze, gaben die beiden an. Immerhin hatten sie, gemeinsam mit einem weiteren Partner, noch eine weitere, legale Geschäftsidee. Man bot zahlungskräftigen Kunden den SPA-Bereich in einem Industriegebiet in Mannheim-Friedrichsfeld gegen entsprechende Bezahlung auch während der Lockdowns für eine private Nutzung von maximal fünf Personen aus zwei Haushalten an. Das habe sich recht gut angelassen, waren sich die beiden jungen Männer einig. Zu einem möglichen Drogenkonsum oder auch den Tatvorwürfen äußerten sich die beiden nicht.

Verteidiger geht in die Offensive

Viel mehr ging Stefan Allgeier, einer der beiden Verteidiger des 26-Jährigen, in die Offensive, zweifelte die Rechtmäßigkeit der Beweismittel durch die französischen Ermittler an. Er widersprach der Auswertung der „Encro Chat“-Dateien, berief sich auf die Rechtsprechung eines schwedischen Gerichts und stellte einen entsprechenden Antrag. Sollten die Richter diesen Ausführungen folgen, wäre der Prozess schnell wieder beendet. Ansonsten sind bis zum 6. April bislang 13 weitere Verhandlungstermine angesetzt.

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