Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Collini-Center: Bewohner und Nachbarn lassen nicht locker

Vieles ungewiss im Collini-Center: Die Abrisspläne des Büroturms (rechts) liegen auf Eis.
Vieles ungewiss im Collini-Center: Die Abrisspläne des Büroturms (rechts) liegen auf Eis.

Der geplante Teilabriss des Collini-Centers scheint zu einer unendlichen Geschichte zu werden. Mehr als 100 Einsprüche lähmen das Projekt erneut.

„Die Zeit ist auf unserer Seite“, ist sich François de Poorter sicher. Der Bewohner des Collini-Wohnturms hat Einwendungen zum geplanten Abriss von Büroturm und Galerie des Collini-Centers eingebracht. Insgesamt über 100 solcher Einsprüche sind bei der Stadt eingegangen. Nicht nur Eigentümer, auch Nachbarn legten ihre Beschwerde ein. Damit ruht der eigentlich schon für Herbst 2022 vorgesehene Abbruch erneut, zunächst muss das Baudezernat die hohe Anzahl an Einwendungen prüfen.

„Aufgrund der Komplexität der Einwendungen und des allgemein hohen Arbeitsaufkommens ist aktuell keine verlässliche Prognose über die Dauer der Prüfung möglich. Aufgrund der städtebaulichen Bedeutung des Projekts wird dieses mit hoher Priorität bearbeitet und ein Abschluss bis Ende April angestrebt“, teilt eine Sprecherin des städtischen Bauamtes mit. Bis dahin liegt keine Abrissgenehmigung vor. Neben den direkten Angrenzern sind auch Einwendungen von Nachbarn der Collini-Straße eingegangen.

Gebäude als Ensemble geplant

Für die Initiative „Rettet das Collini“, der 72 Eigentümer des Wohnturms angehören, zwickt es aus rechtlicher und baulicher Sicht an vielen Ecken und Enden. Der geplante Rückbau der Galerie habe unmittelbare Auswirkungen auf die Fassade des Wohnturms, der von der Tiefgarage bis zum zweiten Obergeschoss mit dem Foyer verbunden ist. „Das Collini-Center wurde als Ensemble entwickelt. Es war nie geplant, einzelne Scheibchen herauszuschneiden“, sagt Eigentümer Thomas Holzner. Das führe unter anderem zu Problemen beim alten Kurpfalzbad, das seit Mitte der 90er-Jahre geschlossen ist. Die Umkleidekabine befindet sich nämlich im Wohnturm, der nicht abgerissen wird. „Das würde dazu führen, dass wir bei uns ein riesiges Loch haben“, betont de Poorter.

Wie es wieder aufgefüllt wird und wer dafür aufkommt, da scheiden sich noch die Geister. In den der Wohneigentümergemeinschaft zur Verfügung gestellten Unterlagen heißt es: „Nach Abbruch des Galeriegebäudes wird bis zum zweiten Obergeschoss keine Fassade am Wohnturm vorhanden sein. In diesem Bereich wird eine neue Fassade ausgebildet werden müssen.“ Von wem, bleibt unklar. Weil man diese Beschreibung für völlig unzureichend hält, haben 72 von 125 Wohneigentümern ihre Beschwerden eingereicht.

Millionenschaden durch Wasserrohrbruch

„Die Versorgung ist eng miteinander verschachtelt. Wir haben die gleichen Leitungen und Rohre, die Gebäude sind aus demselben Beton“, sagt Holzner. Und doch haben sich die Mitte der 70er-Jahre erbauten ungleichen Zwillinge ganz unterschiedlich entwickelt. Ein Wasserrohrbruch im Technischen Rathaus führte 2013 zu einem Millionenschaden, die lange eingekleidete Außenfassade des Büroturms gilt als marode. „Wir dagegen haben die verkalkten Anlagen Jahre zuvor erneuern lassen, auch die Fassade ist top in Schuss. Der Büroturm ist doch der dicke Bruder von unserem langen Lulatsch“, wundert sich Holzner, warum der Gedanke der Sanierung und Instandhaltung nicht konkreter verfolgt wurde.

Die Karlsruher Architektin Soffia Jungmann legte bei einer Ausstellung in Stuttgart ein Sanierungskonzept vor, dass die Büros in Wohnungen umwandeln würde. Da der Denkmalschutz das Gebäude für nicht schützenswert erachtet, wären auch bauliche Veränderungen mit Balkonen möglich. „Das ist nur ein Vorschlag, zeigt aber, dass man die Sanierung ruhig ernst nehmen kann“, so Holzner. Der allgemeine Trend gehe schließlich Richtung Erhalt, weg von einem schnellen Abriss. „Die Zeit ist auf unserer Seite“, sagt de Poorter.

Die Stadt befindet sich mit dem Investor Deutsche Wohnwerte weiterhin im Austausch über die Neubaupläne. Es gebe Änderungen, unter anderem würden Gebäudehöhen, -stellung und -tiefen überprüft und angepasst sowie tragfähige Lösungen für einen barrierefreien Anschluss des Collini-Stegs nach Abriss des Foyers erarbeitet. „Das alles bewegt sich im Rahmen der nach einem Wettbewerb üblichen und notwendigen Überarbeitungen und Konkretisierungen, um aus einer Wettbewerbsidee eine baureife Planung zu machen“, erklärt die städtische Sprecherin. Für die Collini-Retter heißt es zunächst abwarten.

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