Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Zum Dahinschmelzen: Alin Coen und die Stüba-Philharmonie im BASF-Feierabendhaus

Sie lebt ihre Töne und ihre Texte: Alin Coen.
Sie lebt ihre Töne und ihre Texte: Alin Coen.

Vor vier Jahren waren sie schon einmal zusammen unterwegs. Nun präsentieren Alin Coen und die Stüba-Philharmonie ihr gemeinsames neues Album. Zum Auftakt der Tour haben sie ein umjubeltes Konzert im BASF-Feierabendhaus in Ludwigshafen gegeben.

Es ist eine Stimme zum Verlieben. Ein Sound, der unter die Haut geht. Mal samtig und weich, mal glänzend und hell, immer aber beseelt von einer mitreißenden Emotionalität, die selbst hartgesottene Naturen zum Dahinschmelzen zwingt. „Nie habe ich mir träumen lassen, mit meinen Liedern an der Seite eines Sinfonieorchesters aufzutreten“, verrät die Singer-Songwriterin und spart nicht mit Komplimenten an ihr Lieblingsorchester.

Noch größer und klanggewaltiger als bei den Konzerten 2018/2019 erlebten die Fans das Orchester beim Auftritt in Ludwigshafen. „Das sympathischste Orchester weit und breit und das schönste“, schwärmt Alin Coen über die 70 Musikerinnen und Musiker und rund 30 fleißigen Komparsen, die für einen reibungslosen logistischen Ablauf der Tournee und für die technische Umsetzung der auch optisch überzeugenden Licht- und Bühnenshow sorgen.

Klangprächtige Arrangements

Dass die in allen möglichen Branchen arbeitenden Männer und Frauen allesamt ehrenamtlich musizieren, scheint angesichts ihrer blitzsauberen, technisch und musikalisch über alle Zweifel erhabenen Orchesterkultur erstaunlich. Von der Ärztin über den Busfahrer, von der Taucherin bis zum Orgelbauer, von der Krankenschwester bis zum Informatiker reicht das Spektrum. Alle verbindet das gleiche Ziel: dem Publikum eine unvergessliche Show zu bereiten.

Und die Rechnung ist auch diesmal aufgegangen: Neben Alin Coen entpuppte sich Dirigent Tim Jäkel als große Lichtgestalt des Abends. Die beiden haben sich während ihrer Studienzeit in Weimar kennengelernt und 2011 erstmals mit der Erfurter Stüba-Philharmonie kooperiert, bei der sich Jäckel seinerzeit als Arrangeur betätigte. Auch aktuell darf Jäkel seinem Faible für Crossover-Projekte frönen. So gingen an diesem Abend einige der klangprächtigen Arrangements auf sein Konto: zum Beispiel die Songs „The once“, „Einer will immer mehr“ oder „Du bist so schön“. Fast immer kreisen die Themen um zwischenmenschliche Beziehungen im Spannungsfeld von Herzschmerz, Liebesleid und Liebesfreud. Es sind zuweilen bis an die Schmerzgrenze zur Sentimentalität reichende Dokumente einer ungemein sensiblen Künstlerin, die es in ihren Songs wie kaum eine andere Sängerin versteht, ihre starken Gefühle in starke Musik zu verwandeln. Das ist Musik mit ganz viel Herz, das ist etwas für romantische Seelen, das sind Klänge, die unter die Haut gehen.

Wie aus der Traumfabrik

Dabei verstärkt die farbenreich auftrumpfende Philharmonie die emotionale Wirkung der vornehmlich als „Schmusesongs“ konzipierten Lieder. Ein wenig erinnern die Arrangements von Tina Schuler, Jasmin Reuter, Jan Maihorn, Philipp Martin, Nikos Titokis, Zeina Azouqah und Johannes Winde an die Filmmusiken aus der Traumfabrik Hollywood. John Williams lässt grüßen. Da wird nicht mit Streicherschmelz, monumentalem Big-Band-Sound und ordentlich Druck auf die Tränendrüse gespart.

„Ich halte dich fest im Arm und fühle deinen Atem warm“, „Ich bin von dir entzückt, solange deine Nähe mich nicht erdrückt“ oder „Alles was ich hab“ – nicht nur ihre eigenen Gefühle verarbeitet die Ausnahmesängerin in ihren ausdrucksstarken Liedern. Auch wenn sie an diesem Abend aus dem Nähkästchen plaudert und einige Geheimnisse preisgibt. Wie zum Beispiel das von den „zurückgeschenkten“ Briefen ihres Ex-Freundes, die sie in einem ihrer Lieder verbaut. Zwischendurch hatte Alin Coen sich überlegt, die Musik aufzugeben und stattdessen etwas „Sinnvolles“ zu machen, erzählt sie. Sich als Umweltaktivistin zu betätigen und noch einmal ein Studium in Angriff zu nehmen, war die Idee – um schließlich zum Schluss zu kommen: „Es gibt nichts Schöneres als Musk, besser als eine Masterarbeit.“

Alin Coen lebt mit jeder Faser ihres Körpers ihre Töne und ihre Texte. Wie sie dabei bruchlos vom Brust- ins Kopfregister wechselt, wie sie die Klänge mit energisch-abrupten bis zart-fließenden Bewegungen nachzeichnet – ihr Charisma ist schlichtweg umwerfend. Standing Ovations und jede Menge Zugaben stehen am Ende ihres über zweieinhalbstündigen Auftritts in Ludwigshafen.

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