Ludwigshafen Wuchtige Tanzschritte und pure Lebenslust
Irischer Stepptanz gepaart mit keltischer Musik – das ist „Riverdance“. Die Show, die erstmals 1994 beim Eurovision Songcontests in Dublin gezeigt wurde, hat auch 22 Jahre später nichts von ihrer mystisch anmutenden Kraft verloren. Die Tänzer und Musiker begeisterten im Mannheimer Rosengarten mit Präzision und Perfektion.
Michael Flatley war es, der damals die Show produzierte und als Solotänzer mitwirkte. Doch bereits 1995 verließ er die Produktion und entwickelte die Show „Lord of the Dance“, mit der er ebenfalls weltweit erfolgreich war. Genauso wie „Riverdance“, deren Erfolgszug nach dem Auftritt beim ESC nicht zu stoppen war. Mittlerweile feiern sie immer noch 20 Jahre „Riverdance“ – auch wenn dieses Jubiläum streng genommen zwei Jahre zurückliegt. Doch der Erfolg der Jubiläumstour war so groß, dass diese einfach weitergeht. In all den Jahren haben mehr als 25 Millionen Zuschauer in 46 Ländern die Originalshow gesehen und sind mit ihr in die Geschichte Irlands eingetaucht. Auch in Mannheim steht die grüne Insel zwei Stunden lang im Mittelpunkt. Mit Tänzen und Musik wird die Besiedlung des Landes, das es mit seinen rauen Naturgewalten den Menschen nicht immer einfach machte, zum Leben erweckt. Lieder und Tänze dienen dabei als Kommunikationsmittel mit den Naturmächten, die mittels Lichteffekten und Bildern auf die Bühne gezaubert werden. Sonne, Mond, grüne Hügel, Flüsse, Gewitter, Feuer – all das und die damit verbundenen Gefühle, seien es Angst, Freude, Trauer oder Sehnsucht, werden mit eindrucksvollen Choreografien ausgedrückt, die die eingeblendeten Bilder verstärken. Besonders beeindruckend ist dabei das der Show ihren Namen gebende Kapitel: In „Riverdance“ wird die Flussfrau heraufbeschworen, die für fruchtbares Land sorgen soll. Hier präsentiert sich das Tanzensemble in seiner ganzen Stärke. Die von 18 Tänzern ausgeführten Steppschritte haben eine Wucht, die berührt. Daher sind es genau die Szenen, in denen alle Tänzer in einer oder mehreren Reihen auf der Bühne stehen, in denen sich die größte Stärke der Show entfaltet. Das rhythmische Steppen, das nicht nur völlig synchron, sondern auch sehr präzise ausgeführt wird, gibt der Musik noch einen zusätzlichen Impuls, der die Zuschauer mitten ins Herz trifft. Auch das tänzerische Kräftemessen, das irische Auswanderer in ihrer neuen Heimat Amerika mit Afroamerikanern austragen, verleitet die Besucher immer wieder zu begeistertem Zwischenapplaus. Die Interaktion des Publikums ist an dieser Stelle auch erwünscht, stellt es doch eine Art Jury dar, die mit ihrem Beifall die Darbietungen bewertet. Was nicht einfach ist, denn sowohl Bobby Hodges, als Vertreter der Iren, als auch Rohan Pinnock-Hamilton und Dharmesh Patel überzeugen mit tänzerischen Glanzleistungen. Hier trifft Tradition auf neue Tanzschritte im Fred-Astaire- oder Breakdance-Stil und letztendlich verschmilzt alles am Ende zu etwas Neuem. Die Erfahrungen, die sie in der neuen Welt gemacht haben – mit russischer Folklore oder spanischem Flamenco – nehmen die Reisenden mit zurück in ihre Heimat. Dort wird deren Einfluss sichtbar, denn all diese Stile werden zu einer neuen Einheit verbunden. Denn Tanz ist, so könnte auch die Botschaft der Show lauten, genau wie das Leben, eine stete Weiterentwicklung und zudem noch verbunden mit purer Lebensfreude.