Ludwigshafen Wochenspiegel:
Eines vorweg: Dass die BASF nach dem Explosionsunglück im Nordhafen gemeinsam mit der Stadt den Dialog mit den Bürgern sucht, ist eine gute Idee. Und dass daraus langfristig auch eine Veranstaltungsreihe werden soll, bei der das Chemieunternehmen über seine Standortpolitik und Neuerungen im Werk informiert, ist ebenfalls begrüßenswert. Doch das brisante Thema Explosionsursache mit der künftigen Werksentwicklung in einer Veranstaltung zu verknüpfen, ist keine gute Idee gewesen, wie sich diese Woche gezeigt hat. Es passt einfach nicht zusammen, wenn zuerst über eine Katastrophe mit vier Todesopfern und 29 Verletzten gesprochen und dann einen Atemzug später die Vorreiterrolle des Konzerns bei der Digitalisierung gepriesen wird. Manchmal ist weniger mehr. Manchmal sind auch weniger Formalitäten mehr. Am Montag im Stadtrat wurden wichtige Bauprojekte diskussionslos durchgewunken. Tagesordnungspunkt 15 dagegen nahm überdimensional viel Zeit in Anspruch. Dessen Titel auch. „Wahl der Mitglieder von stadträtlichen Ausschüssen und anderer vom Stadtrat zu besetzenden Gremien sowie deren Stellvertreter“. Das musste gemacht werden, weil Norbert Grimmer die Fraktion gewechselt hatte: von LKR zu FDP. Große Veränderungen ergaben sich in den Ausschüssen nicht. Das Prozedere war allerdings lang. Die einzelnen Fraktionen stimmten per Handzeichen ab, das Ergebnis wurde in einem komplizierten Verfahren errechnet, in manchen Fällen gab es gar einen Losentscheid. Und das für 20 Gremien. Ordnung muss sein. Einen Ordnungsruf erteilte der Stadtrat der Deutschen Bahn. Das Unternehmen, so die Forderung des Parlaments, sollte sich endlich um die Gleiszugänge an den Ludwigshafener Bahnhöfen kümmern. Denn dort fallen regelmäßig Aufzüge aus – manchmal wochenlang. Im Bahnhof Mitte stehen die Rolltreppen mehr still, als dass sie laufen. Für Behinderte oder Eltern mit Kinderwagen sei das eine Zumutung, grollte das Gremium. Um nachdrücklich Wirkung zu erzielen, schlug Oberbürgermeisterin Eva Lohse vor, dem neuen Bahnchef aus der Pfalz, Richard Lutz, zum Einstand eine Glückwunschkarte zu schicken – sozusagen von Lu zu Lu. Verbunden mit der Bitte: Kümmere dich um deine Heimat. Und zwar zügig!