Ludwigshafen Wochenspiegel:
Mit einem Ost-West-Gefälle der besonderen Art überraschte in dieser Woche ein Nachrichtenmagazin. Nach den Kriterien Jobs und Karrierechancen, Einkommen und Qualifikation, frauenfeindliche Kriminalität sowie Spaß und Freizeit ist unter den 77 frauenfreundlichsten Städten Deutschlands Dresden am frauenfreundlichsten. Am anderen Ende der Skala, auf Platz 77, liegt Ludwigshafen am Rhein. Eine niedrige Teilhabe von Frauen am Arbeitsleben, niedrige Gehälter sowie der höchste gemessene Kriminalitätswert führten zu der wenig schmeichelhaften Einstufung. Eine Stadt, die seit 14 Jahren von einer Oberbürgermeisterin gelenkt wird, in der die BASF als größter Arbeitgeber 25 Prozent des Aufsichtsrats weiblich besetzt? Offensichtlich, glaubt man der Studie, in der laut „Focus“ Tausende Werte zusammengefasst sind. Auch im Bereich „Spaß“, in dem sich Kriterien wie Einkaufsziele pro Quadratkilometer, Shops für Frauen oder Yoga-Lehrer finden, konnte Ludwigshafen nicht punkten. Seltsam. Eine Sache, mit der Ludwigshafen auf jeden Fall punkten kann – und zwar besonders bei Frauen – und mit der in dieser einzigartigen Ausprägung wohl keine andere Stadt in der ganzen Republik aufwarten kann: Das ist das Festival des deutschen Films, das von 15. Juni bis 3. Juli über die Bühne gehen wird. Der Ansturm wird wohl wieder rekordverdächtig sein. Beim Start des Vorverkaufs gestern war er es jedenfalls. In der Rhein-Galerie warteten lange, sehr, sehr lange Schlangen von Menschen darauf, Eintrittskarten für um 22.30 Uhr beginnende Familiendramen und um 15 Uhr startende „Tatort“-Folgen erwerben zu dürfen. Aus dem Wilhelm-Hack-Museum wurden ähnliche Szenen berichtet. Ob die Leute alle noch nichts von der neuen Möglichkeit gehört hatten, Online-Tickets zum Selbstausdrucken zu kaufen? Doch, schon. Bloß: In großen Buchstaben war irgendwann auf der Seite nur noch die Meldung zu lesen, der Vorverkauf habe „aus technischen Gründen“ unterbrochen werden müssen. Ununterbrochen streiten seit Wochen die Fraktionen von FWG auf der einen und SPD sowie CDU auf der anderen Seite über die richtige Bäderpolitik. Die Freien Wähler werfen der großen Koalition Versagen vor, weil sie es seit Jahren nicht schaffe, einen Investor für ein Kombibad an Land zu ziehen. Rote und Schwarze keifen zurück, die FWG baue Luftschlösser, ein Geldgeber seit weit und breit nicht in Sicht. Unterdessen steht der Termin für die Eröffnung des Willersinn-Freibads endlich fest. Am 4. Juni darf in dem für viele Millionen Euro aufgehübschten, aber längst nicht fertig sanierten Areal wieder getobt, geplanscht und relaxt werden. Vielleicht einigen sich die Streithähne ja für nächsten Samstag auf eine gemeinsame Rutschpartie – ein wenig Abkühlung könnte allen nicht schaden. Spätestens, wenn’s um die Finanzierung des mit Piranhas kombinierten Haifischbeckens für FWG-Guru Rainer Metz geht, tauchen SPD und CDU sowieso wieder ab, vermuten