Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Wo die Eier herkommen – Ein Besuch auf dem Hühnerhof Kraut

Die „Mädels“ auf dem Hof. Alle Hühner leben hier in Bodenhaltung.
Die »Mädels« auf dem Hof. Alle Hühner leben hier in Bodenhaltung.

Was war zuerst da: das Ei oder die Henne? Beim Hühnerhof Kraut ist die Antwort ganz klar: das Huhn. Seit 1965 betreiben die Krauts Landwirtschaft in Ruchheim. Gerade jetzt in der Osterzeit herrscht Hochbetrieb auf dem Hof. Wir haben uns umgeschaut.

„Hi Mädels“, begrüßt Matthias Kraut seine Hühner, die munter im eigens für sie gebauten Wintergarten umhertapsen und seine Gummistiefel neugierig beäugen. Einige von ihnen genießen ein Bad im Sand. Die Frühlingssonne zeigt sich an diesem Donnerstagvormittag von ihrer schönsten Seite und wärmt das Gefieder. Die „Mädels“ sind allesamt 25 Wochen alt und legen in den nächsten vier, fünf Wochen gewichtsmäßig noch zu. Allerdings bleiben sie ein Leben lang eher der Typ „elegante Leichtathletin“ und werden trotz eiweißreichem Futter nicht zur „Bodybuilderin“.

Es ist elf Uhr, die Hühner haben längst ihr Tagwerk vollbracht, Eier in die Nester gelegt, getrunken und gefressen – jetzt steht Wellness im hellen Wintergarten auf dem Programm. Bevor wir – unser Fotograf und ich – den Vorraum betreten, müssen wir unsere Schuhsohlen in die Desinfektionswanne tauchen. Hygiene ist allererstes Gebot, gerade in Zeiten der Vogelgrippe und von Corona. Die „Mädels“ sind zwar durchaus vorwitzig, haben aber auch eine ziemlich sensible Seite. Als sie uns nämlich hinter der Glasscheibe entdecken, werden sie nervös, nehmen erst einmal Reißaus und flüchten in die hintere Ecke des Wintergartens. Doch als sie Landwirt Kraut entdecken, entspannen sie sich schnell wieder. Ihn kennen sie schließlich. „Hühner sind Gewohnheitstiere“, sagt er.

14.000 Hühner auf dem Hof

Rund 14.000 Hühner leben derzeit in fünf Abteilungen auf dem Hof, nach Alter geordnet. Damit gehört der 1965 gegründete Aussiedlerhof In den Villen zu den eher kleineren Familienbetrieben. Krauts Hühner leben in Bodenhaltung, das heißt, dass sie sich frei bewegen dürfen, allerdings allzeit ein Dach über dem Kopf haben.

Krauts erster Rundgang ist an diesem Tag bereits vorbei. Stimmt die Raumtemperatur? Sind alle fit? Am Abend folgt die zweite Kontrolltour, ehe es ruhig wird auf dem Hühnerhof. Pünktlich auf die Sekunde geht jeden Morgen um drei Uhr in den fünf Stallabteilungen das Licht an. Eng aneinander gekuschelt schlafen die Hühner bis dahin gerne auf der oberen Etage. Wie die Hühner auf der Stange eben. Ob zeitgleich einer der Hähne kräht, ist nicht bekannt. Fakt ist, dass sich acht Hähne inmitten der weiblichen Gesellschaft befinden. „Die sind so reingerutscht“, sagt Kraut, der den Hühnerhof mit seiner Frau Bettina betreibt, lachend. Fühlen diese sich denn auch wie der „Hahn im Korb“? Der Landwirt verneint und schmunzelt. „Ich glaube nicht, dass sie es inmitten der Schar so gut haben. Schon aufgrund ihres Aussehens werden sie eher kritisch beäugt.“

Ei-Farbe ist genetisch bedingt

Seine Hühner sind durchweg weiß und legen weiße Eier. Nicht mal eine Handvoll ist es, die braune oder gesprenkelte produziert. „Das ist genetisch bedingt“, erklärt er. Um ein Ei zu legen, ziehen sich die Hühner in eines der Nester im Stall zurück. Sie sind allesamt abgedunkelt und mit einem Belag, der einem Fußabstreifer ähnelt, ausgekleidet. „So sitzen sie nicht auf dem blanken Boden“, erklärt Kraut. Ruhig muss es sein, denn Hektik können die Hinkel beim Eierlegen so gar nicht haben. Meist mehrere von ihnen sitzen nebeneinander im Nest und legen ihr Ei. „Das Huhn ist ein Herdentier“, betont der 49-Jährige.

Direkt vom Nest rollen die Eier sanft auf ein rund 70 Meter langes Förderband, das direkt in den Raum mit der Sortiermaschine führt. Zwei Damen haben an diesem Vormittag Dienst und überprüfen die Qualität. Jedes einzelne der rund 13.000 Eier täglich durchläuft eine Eingangskontrolle, wird durchleuchtet und mit einem Stempel versehen. Im nächsten Schritt werden die Eier gewogen und entsprechend nach Größe sortiert. Das alles läuft vollautomatisch ab. Wieder rollen ein paar Eier sachte das Förderband herunter. Eine Mitarbeiterin entfernt noch eine Feder und verschließt den Karton. Jetzt sind sie fertig zum Verkauf.

Verkauf auch im Hofladen

Entweder landen sie direkt im Hofladen, in dem an diesem Donnerstag Hochbetrieb herrscht, auf einem der heimischen Wochen- oder in einem Supermarkt. Kraut ist Direktvermarkter, ausschließlich regional unterwegs. Verkauf, Verpackung, Auslieferung – um all das kümmern sich das Ehepaar Kraut und seine Teilzeit- und 450-Euro-Kräfte. Zwischen 18 und 28 Cent – je nach Größe – zahlt der Kunde pro Ei. „Hauptsächlich wollen die Kunden das L-Ei“, weiß Kraut zu berichten. Für die Ostereier allerdings würden sich hauptsächlich die M-Eier aufgrund ihrer dicken, weniger zerbrechlichen Schale eignen. Gefärbt wird nicht auf dem Hühnerhof Kraut in Ruchheim, sondern in einem Betrieb in der Nähe von Kirchheimbolanden. Bis zu 70.000 bunte Eier werde er in diesem Jahr an Ostern verkaufen, schätzt er. „Das ist ein gutes Stück weniger als in den normalen Jahren“, unterstreicht Kraut und verweist auf die fehlenden Aktionen, wie das Ostereier-Schießen der Schützenvereine.

Generell läuft sein Geschäft auch in Zeiten von Corona nicht schlecht. Aufgrund geschlossener Restaurants und Kantinen wurde zu Hause deutlich mehr gekocht und gebacken, was natürlich auch zu einem erhöhten Eierkonsum führte. An Weihnachten und an Ostern werden traditionell mehr Eier als im Rest des Jahres gekauft. Sollten die Hühner aber doch mal zu viele Eier gelegt haben, dann verkauft er diese an den Großhändler. Der Preis, den er da bekomme, sei natürlich deutlich niedriger, als wenn er sie direkt an seine Kunden verkaufe. Aber im Normalfall kalkuliert Kraut gut.

Abschied im Suppentopf

Damit nicht alle Hühner gleichzeitig in die Mauser kommen und keine Eier mehr legen, greift der 49-Jährige regulierend ein, reduziert Futter, Temperatur und Licht. „Damit rege ich die Mauser an.“ In der Natur findet diese in der Regel im Herbst statt. „In der rund fünfwöchigen Regenerationszeit legen sie keine Eier“, erläutert Kraut. Nach rund eindreiviertel Jahren heißt es schweren Herzens „Abschied nehmen“, denn dann verlassen die Hühner, die so treu ihre Dienste verrichtet haben, den Hof. „Sie werden dann geschlachtet und als Suppenhühner weiterverkauft“, sagt Kraut, für den es auch jedes Mal wieder schwierig ist, seine „Mädels“ gehen zu lassen. Bis eine neue Gemeinschaft einzieht, dauert es mindestens eine Woche, denn die Abteilung des Stalls muss nun komplett gereinigt und desinfiziert werden, ehe wieder neue Jungtiere einziehen.

Kraut isst die Eier seiner Hühner auch gerne selbst, am liebsten im Kuchen oder als Drei-Minuten- oder Spiegelei. „Aber nur, wenn sie nicht mausetot gekocht oder gebraten sind. Ein bisschen Salz darüber, mehr braucht es nicht. Dann kommt der Eigeschmack am besten raus“, empfiehlt er.

Der Herr der Hühner: Matthias Kraut.
Der Herr der Hühner: Matthias Kraut.
Vor dem Verpacken werden die Eier kontrolliert.
Vor dem Verpacken werden die Eier kontrolliert.
So kennen wir die Eier aus dem Hofladen oder Supermarkt: ordentlich verpackt.
So kennen wir die Eier aus dem Hofladen oder Supermarkt: ordentlich verpackt.
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