Ludwigshafen
Wie Seniorenheime mit der Hitze umgehen
Als jüngerer Mensch kann man der Hitze ausweichen. Ältere Menschen können das nicht. Vor allem, wenn sie Einschränkungen haben und im Seniorenheim leben. Gibt’s Strategien, die man empfehlen kann?
Ja, wir haben ein Hitzemanagementkonzept.
Das heißt?
Das heißt: Wir haben ganz bestimmte Vorgaben, was gemacht wird, wenn eine gewisse Temperatur erreicht ist. Und da ist das ganze Haus dran beteiligt. Das fängt im Keller schon bei der Haustechnik an. Die macht regelmäßig Kontrollen, wie warm es in der Einrichtung ist. Und es geht hoch bis zum sechsten Stock mit der Betreuung. Jeder ist involviert.
Und was sieht dieses Konzept vor, wenn dann eine bestimmte Stufe überschritten ist?
Wenn die Bewohner sagen: „Uns ist so heiß“, dann reagieren wir unabhängig von den Stufen. Grundsätzlich ist es so, dass der Nachtdienst anfängt zu lüften. Und im Frühdienst wissen wir genau, dass wir zuerst die Ostseite zumachen müssen. Und gegen Mittag muss dann die Straßenseite komplett dichtgemacht werden. Wir haben zudem Sonnenrollos, die werden runtergemacht. Man sieht’s ja, die sind hauptsächlich unten. Die, die nicht unten sind, haben die Bewohner selbstbestimmt, dass sie oben bleiben. Aber wir als Mitarbeiter machen beim Frühdienst alles dicht. Dann gibt’s in jedem Aufenthaltsraum und in allen öffentlichen Bereichen Ventilatoren.
Und trinken?
Natürlich schauen wir, dass die Leute mehr trinken, ausreichend trinken. Wir bieten andere Getränke an und stellen mit den Bewohnern selbst Limonaden her, zum Beispiel mal eine Zitronenminzlimonade. Oder wir machen eine Saftverkostung. Das sind Beschäftigungsangebote, die angepasst werden. Eigentlich machen wir sonst Sitztanz.
Das ist clever. Mit einer Verkostung bringe ich natürlich jeden dazu, etwas zu trinken. Was machen Sie noch?
Wir machen unsere Spazierfahrten direkt am Morgen. Wir achten darauf, dass die Bewohner lockere, luftige Kleidung tragen. Wir achten darauf, dass sie mit Sonnencreme geschützt werden. Die kann man auch besorgen. Wir haben hier einen Kiosk, da holen wir Sonnencreme, wenn es niemanden gibt, der das für die Bewohner macht. Wir achten darauf, dass die Bewohner eine Kopfbedeckung haben. Das ist alles für die Bewohner, die mobil sind, die rauskönnen. Und generell achtet die Küche darauf, dass es andere Nachtische gibt. Es gibt öfter Eis oder Wassermelone.
Haben Sie die Küche im Haus?
Ja. Wir haben eine eigene Küche – und deswegen können wir das auch anpassen. Und normalerweise backen wir einmal die Woche mit den Bewohnern. Das machen wir in den heißen Sommermonaten natürlich nicht. Dann belegen wir Obstboden oder stellen zusammen einen Obstsalat her.
Wie sieht es mit Bewohnern aus, die nicht mehr mobil sind?
Das haben wir weniger in diesem Haus. Bei uns wird jeder, solange er motiviert ist, auch mobilisiert. Bei denen, die tatsächlich nicht mehr können, achten wir darauf, dass die Raumtemperatur angemessen bleibt, indem wir dann auch mal ein kaltes Handtuch vor den Ventilator hängen. Natürlich nicht direkt die Bewohner anstrahlen, aber so, dass sich die Luft bewegt. Und wir machen Sinnesanregungen mit kalten Ableitungen und so weiter. Wenn die Bewohner sitzen können, hilft auch ein kühlendes Handbad.
Bringt so ein Handbad viel?
Fürs Gefühl schon. Können Sie selbst ausprobieren. Und was auch etwas bringt, sind Aromadiffusoren, gerne mit einem Zitrusduft. Es geht ja auch einfach oft ums Gefühl, wie warm einem ist.
Im Alter sitzt man auch viel. Und gerade bei der Hitze kann das schnell dazu führen, dass es wunde Stellen gibt. Wie kann man dem begegnen?
Es gibt Lagerungsprotokolle. Und da wird festgeschrieben, wann wie viel, in welche Richtung wer gelagert wird. Leute, die im Rollstuhl sitzen, werden zur Mittagszeit auch mal hingelegt. So vermeidet man dann den Dekubitus auch bei Hitze.
Noch mal zur Flüssigkeitsaufnahme: Je älter man wird, desto geringer fällt ja das Durstgefühl aus. Helfen Trinkprotokolle, also das Aufschreiben, wie viel man getrunken hat?
Es gibt Bewohner, bei denen muss dokumentiert werden, wie viel sie getrunken haben. Manche haben auch eine Trinkmengenbegrenzung aufgrund von Krankheiten. Da notieren wir das und geben das dann an die diensthabende Pflegefachkraft weiter. Und es gibt Bewohner, die können einfach so viel trinken, wie sie möchten.
Gibt es Tipps, die Sie Leuten raten können, die ältere Angehörige haben?
Ich kann immer empfehlen: Nur dann lüften, wenn’s draußen kälter ist als drinnen. Auch wenn man manchmal das Gefühl hat, mitten am Tag müsse man mal das Fenster aufreißen – es ist nicht unbedingt sinnvoll. Stattdessen muss man alle Zimmertüren aufmachen und einen Ventilator aufstellen. Man kann auch die Leute abreiben mit einem frischen Waschlappen mit lauwarmem Wasser. Ganz angenehm empfinden es manche, wenn man, wie ich’s schon gesagt hab, auch einen Diffusor aufstellt mit Zitrusduft. Das gibt auch ein frisches Gefühl. Und immer drauf achten, dass die Leute ausreichend trinken, mit ihnen nicht rausgehen. Wenn man selbst schon lieber abends rausgeht, dann sollte ich auch nicht mit meinen Angehörigen spazieren gehen.
Wie sieht es aus mit Klimaanlagen? Passabel? Oder gerade in einem Altenheim eine Risiko?
Wir haben eine in unserem obersten Wohnbereich im fünften Stock. Die ist selten an, obwohl die Mitarbeiter das vielleicht ganz gerne hätten – aber die Bewohner möchten das eher nicht. Deshalb lassen wir die morgens laufen, wenn die Bewohner noch nicht raus sind. Der Nachtdienst schaut dann, dass die Räume runtergekühlt sind. Und wenn die Bewohner dann rauskommen, macht man sie wieder aus.
Zur Person
Vanessa Bevier ist Leiterin des Sozialdienstes bei Vitanas am Rheinufer in Ludwigshafen. Die gelernte Physiotherapeutin hat vor neun Jahren im Seniorenheim an der Rheinallee begonnen und hat im Sozialdienst 13 Mitarbeiter unter sich. Vitanas verfügt über fünf Wohnbereiche und betreut am Standort Ludwigshafen 135 Bewohner. Zudem gibt es noch eine Tagespflegeeinrichtung.