Ludwigshafen Wie ein Krankenhaus – nur ohne Betten
Das neue Jahr hat auch dem Zentrum für Chirurgie und Orthopädie Neues beschert. So sind die langjährigen Partner Wolfgang Lorenz und Heinz-Dieter Götz ausgeschieden. Die Nachfolger sind schon da: Da ist zum einen Solange Jöhnk, die streng genommen gar nicht so neu ist. Denn die auf Erkrankungen an Enddarm und bei Gefäßen spezialisierte Medizinern ist nach vielen Jahren am Neustadter Hetzelstift und in einer Heidelberger Praxis schon seit 2015 beim Zentrum tätig, das seinen Hauptsitz in der Ludwig-Guttmann-Straße und damit in unmittelbarer Nachbarschaft zur BG-Klinik hat. Sie sei Stück für Stück reingewachsen und ist nun als Partnerin an Bord. Ein ganzes Stück „neuer“ ist im Vergleich zu ihr Irfan Halaceli: Er war sieben Jahre lang am Klinikum Süd in Nürnberg („dem größten kommunalen Krankenhaus Europas“) und hat da seine Facharztausbildung in Chirurgie und Orthopädie gemacht. 2017 wechselte er in die Drei-Standorte-Praxis und ist jetzt Teilhaber. Über die beiden Neuen freuen sich die bisherigen Ärzte. Denn nun sei es möglich, auch am Standort Friesenheim chirurgische Leistungen anzubieten. Noch wichtiger sei aber der fachliche Hintergrund von Jöhnk und Halaceli: „Jeder fachliche Einzelbereich kann dank unserer Ausbildungen und Vorkenntnisse von zwei Kollegen abgedeckt werden“, sagt Lars Gunther Hein. Mit den inzwischen erreichten 13.000 Patienten pro Quartal und seinem Leistungsspektrum, das laut Angaben der Ärzte alle chirurgischen, orthopädischen und konservativen Behandlungsformen abdecke, arbeite das Zentrum „wie ein Krankenhaus, nur ohne Betten“. Die 13.000 Patienten (zum Vergleich: eine durchschnittliche Hausarztpraxis hat etwa 1000/1500 Patienten im Quartal) sowie die 54 Angestellten machen aus dem Zentrum zudem „einen kleinen mittelständischen Betrieb“, wie Ahsam Din ergänzt. Der Umsatz gehe in die Millionenhöhe. Doch um Zahlen gehe es bei dem Konstrukt mit der Drei-Standorte-Praxis und den zehn Ärzten nicht, betont Din. Viel wichtiger sei, dass man fachlich so breit aufgestellt sei, um den Patienten eine umfassende Behandlung anbieten zu können. Hein kommt daher auf das Krankenhaus-Beispiel zurück. Auch dort seien viele Experten unter einem Dach. Ähnliches gelte für das Zentrum, weil die zehn Ärzte bei Fragen und Diagnosen einen Patienten auch zu einem ihrer Kollegen schicken können. Die drei Standorte hätten sich dabei bewehrt. „So haben unsere Patienten oft kurze Wege. Das ist vor allem bei Unfallopfern wichtig“, sagt Norman Gutsmiedl. So könne er sich direkt in Mutterstadt um Kinder kümmern, die auf dem Schulhof einen Unfall hatten. „Das erspart lange Transportwege.“ Din ergänzt, dass man dank der drei Praxen in der Fläche gut vertreten sei, da die Patienten aus einem Bereich zwischen Bobenheim-Roxheim und Speyer kommen. Dass das Zentrum bei Operationen ein breites Spektrum abdecke – im Prinzip alles vom Fuß bis zum Kopf sowie von jung bis alt –, sei für Krankenhäuser kein Problem. „Wir decken alle kleineren Geschichten ab, und Kliniken wie die BG können sich um die wirklich schweren Fälle kümmern“, sagt Hein. Zum Teil biete er auch selbst stationäre Behandlungen in Speyer an. Überhaupt setze das Team auf die enge Verzahnung mit weiteren Spezialisten in Krankenhäusern. „Wenn da etwas ansteht, rufe ich direkt an und vermittle den Patienten“, sagt Gutsmiedl. „Wir sind gut vernetzt“, ergänzt Hein. Was am Ende zähle, sei, dass man einem Patienten helfen könne. Dies beinhalte auch die vernünftige Nachsorge nach Eingriffen, erklärt Halaceli. „Eine gute Operation sorgt etwa bei einem Knie nur zu 50 Prozent dafür, dass es danach wieder funktioniert.“ Daher sei es wichtig, dass sich im Zentrum zehn spezialisierte und qualifizierte Fachärzte zusammengefunden hätten. „Wenn wir jemanden zur Nachsorge bekommen, kennen wir die OP-Techniken und die Fallstricke“, sagt Halaceli. Zum Fachwissen trage bei, dass man auch selbst viel operiere. So gibt es allein 400 Eingriffe an Knie und Schulter jährlich. Die Praxis sei in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, erläutert Din. Die große Anzahl an Ärzten ermögliche dabei Öffnungszeiten von morgens bis spätabends sowie am Samstagvormittag, „damit wir auch für Berufstätige erreichbar sind“. Im Boot seien auch die Hausärzte als die „zentrale Schaltzentrale“ (Din), „deshalb engagieren wir uns auch in Netzwerken wie der Go-Lu“.