Ludwigshafener Geschichte(n)
Wie aus dem Lehrer Karl Kreuter ein Buchautor wurde
Allein mehr als 47 Jahre verbrachte Karl Kreuter als Lehrer an Volksschulen in Oggersheim, wo er zuletzt als Rektor tätig war. Der Ludwigshafener Stadtrat benannte die Schule in der Notwende, die am 18. September 1968 eingeweiht wurde, nach Kreuter und ehrte damit einen Mann, der weit über die Ludwigshafener Grenzen hinaus Heimatforschung betrieb.
Die südwestpfälzische Schuhgemeinde Hauenstein, wo Karl Kreuter am 18. September 1876 geboren wurde, ernannte ihn zum Ehrenbürger – als Dank und Anerkennung für seine anspruchsvolle Monografie „Hauenstein im Wandel der Zeiten“, die er vor genau 100 Jahren veröffentlichte. Bis zu seinem Tod im Alter von 88 Jahren am 1. September 1965 schrieb Karl Kreuter mehrere historische Werke – darunter allein ein halbes Dutzend über seine Wahlheimat Oggersheim.
Zu Oggersheim geforscht
1910 präsentierte er die vielzitierte „Geschichte der Stadt Oggersheim“, die mittlerweile in mehr als 50 Jahren acht Neuauflagen oder Erweiterungen erlebte. Zwei Jahre vor seinem Tod brachte Kreuter 1963 auch „Aus der Chronik von Oggersheim“ heraus. Bis 1983 gab es auch hiervon vier Neuauflagen.
Oggersheimer Hintergrund haben ferner seine Werke „Kurfürstin Elisabeth August von Pfalz-Bayern“ (1914), die Festschrift zum 150-jährigen Bestehen der Pfarr- und Wallfahrtskirche (1925), „Die Güter von Oggersheim“ (1934) und „Eine kurze Heimatkunde von Oggersheim“ (1939). „Maudach im Wandel der Zeiten“ (1955) und „Aus der Chronik von Studernheim“ (1957) entstanden ebenfalls an Kreuters Schreibtisch in der Oggersheimer Schillerstraße.
Um für diese Bücher den notwendigen historischen Hintergrund zu bekommen, opferte der keineswegs auf Rosen gebettete Volksschullehrer viel Zeit und Geld. So war Kreuter ständiger Besucher der Archive in Speyer, München und Karlsruhe, wo er auf der Suche nach „Stichworten“ zu seinen Themen war.
Stadtrechte im Schrank
Diese Leidenschaft Kreuters zu geschichtlichen Stoffen wurde durch einen Zufall geweckt. „Verschiedenes alt’ Gelumps“, stand auf dem Deckel eines verstaubten Papierbündels, das er 1909 in einem alten Schrank des Rathauses von Oggersheim fand. Kreuter machte sich an die Durchsicht der vergilbten Blätter – und war fasziniert: Es handelte sich bei diesem scheinbaren „Gelumps“ um die Zusammenstellung der Oggersheimer Stadtrechte von 1683. Kreuter war begeistert über den Fund, und von Stund an hatte er ein neues Hobby: die Heimatforschung.
Bei seinen Vorgesetzten in der bayerischen Regierung fand er auf Anhieb die notwendige Unterstützung, denn just zu dieser Zeit entdeckte man in München den tieferen Sinn der bis dahin kaum nennenswerten Heimatforschung. Per Verordnung wurden Lehrer damals angehalten, sich mit der Heimatgeschichte vertraut zu machen und sie ihren Zöglingen in den Schulen weiterzugeben.
Viele Archive durchstöbert
Die Suche nach historischen Quellen war nicht immer einfach. Kreuter fand bei den städtischen Beamten nicht überall Unterstützung. „Da ist in den Kriegen doch alles untergegangen“, wollte man den damals 33-jährigen Lehrer abwimmeln. Doch Kreuter blieb hartnäckig, „weil in den Kriegen zwar viel Wertvolles verschwand – aber keine staubigen Akten. Die wollte doch keiner ...“ Kreuter suchte in allen Ecken der Amtsstuben sowie in Archiven und wurde fündig.
1910 konnte er seine ersten Funde in einer „Ortsgeschichte“ zusammenfassen und veröffentlichen. Die Leidenschaft war in ihm geweckt, und so verbrachte er viele Stunden beim Studium alter Akten und Briefe. Um alles zu vertiefen, waren Reisen zu den Archiven angesagt. Kreuter war viele Wochen unterwegs, wenn er auf „Spurensuche“ war.
Seine verdienstvolle Tätigkeit in der Heimatforschung blieb nicht unentdeckt, und so wurden im Laufe der Jahre auch die Politiker auf den Oggersheimer Lehrer aufmerksam. Sie veranlassten, dass Kreuter vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.
Fast 53 Jahre im Schuldienst
In seiner pfälzischen Heimat arbeitete Kreuter im „Arbeitskreis Nesseler der Heimatfreunde“ mit und schrieb auch in Zeitungen über seine heimatkundliche Leidenschaft. Aber seine Haupttätigkeit als Volksschullehrer vernachlässigte er dabei keineswegs und trat erst in den längst wohlverdienten Ruhestand, als er 52 Jahre und acht Monate Schuldienst hinter sich hatte. Das war 1947 – und er selber war zu diesem Zeitpunkt bereits 71 Jahre alt.