Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Weniger Azubis, neue Ansätze: BASF startet ins Ausbildungsjahr

 Onboarding in der BASF: Für 478 Auszubildende in 30 verschiedenen Berufsfeldern und 55 Teilnehmer des Qualifizierungsprogramms
Onboarding in der BASF: Für 478 Auszubildende in 30 verschiedenen Berufsfeldern und 55 Teilnehmer des Qualifizierungsprogramms »Start in den Beruf« begann am Montag ein neuer Lebensabschnitt.

Etwa 530 junge Menschen haben am Montag ihre Ausbildung bei der BASF begonnen. Auch der Ludwigshafener Chemiekonzern bekommt den demografischen Wandel zu spüren.

Mit 478 Auszubildenden in 30 verschiedenen Berufsfeldern sowie 55 Teilnehmern des Qualifizierungsprogramms „Start in den Beruf“ bleibt das Unternehmen der größte Ausbildungsbetrieb in Rheinland-Pfalz – auch wenn die Zahlen im Vergleich zu früheren Jahren deutlich zurückgegangen sind. „Wir bilden nach Bedarf aus“, erklärte Elmar Benne, Leiter der Ausbildung, im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Die Zeiten, in denen mehr als 800 Auszubildende am ersten Tag mit nervösem Blick vor Tor 11 auf ihren Werksausweis warteten, gehören der Vergangenheit an. Der demografische Wandel und der geringere Bedarf an Arbeitskräften in der Produktion haben die Ausbildungszahlen am Standort Ludwigshafen sinken lassen. Dennoch konnten die Plätze in den Kernberufen, etwa als Chemikant oder Chemielaborant, aus den rund 8300 eingegangenen Bewerbungen vollständig besetzt werden, wie das Unternehmen informierte. Lediglich eine Ausbildungsstelle als Koch und eine weitere als Restaurantfachkraft seien unbesetzt geblieben, da keine geeigneten Bewerber gefunden werden konnten. Dabei, so Benne, lege die BASF bei der Auswahl der Kandidaten mehr Wert auf persönliche Eindrücke als auf Schulnoten.

Mehr als 100 Quereinsteiger

Das Qualifizierungsprogramm „Start in den Beruf“ bietet jungen Menschen eine wichtige Perspektive. In diesem Jahr werden 55 Teilnehmer für eine anschließende Ausbildung oder den Besuch einer weiterführenden Schule vorbereitet. „Rund 80 Prozent davon gehen im Anschluss in eine Ausbildung“, hob Benne den Erfolg des Programms hervor. Zudem starteten mehr als 100 Quereinsteiger in diesem Jahr in Berufe wie Chemikant, Kraftwerker oder Elektroniker für Automatisierungstechnik. „Wir hoffen, dass auch wirklich alle Neuen kommen, die für heute einen Vertrag unterschrieben haben“, fügte Benne hinzu und deutete damit die zunehmende Spontaneität junger Menschen bei festen Absprachen an.

Die BASF versteht sich nicht nur als attraktiver Arbeitgeber, sondern auch als innovativer Ausbildungsbetrieb. So können angehende Chemikanten seit Jahren in einem Probebetrieb risikofrei verschiedene Szenarien üben – ein Angebot, das dem Unternehmen zufolge nun auch für Elektroniker verfügbar ist. Die rund 300 Auszubildenden in diesem Bereich trainieren in einem speziellen Elektro-Fertigkeitsparcours. Zwar ist die Halle weder klimatisiert – sie ist im Sommer zu heiß und im Winter zu kalt –, noch mit optimalen Bedingungen ausgestattet, doch die Arbeitsumgebung ist dafür umso realitätsnäher.

„Das ist hier sehr nahe an der Realität draußen in den Betrieben“, betonte Martin Woltersmann, Leiter der technischen Ausbildung. Im Parcours wurden bewusst kleine, knifflige Fehler eingebaut, die die Auszubildenden erkennen und gefahrlos beheben müssen. „Hier hat Sicherheit höchste Priorität und wir wollen, dass unsere Auszubildenden von Anfang an lernen, Verantwortung für ihre Aufgabe zu übernehmen“, ergänzte Benne.

Auch die Vorbereitung der Auszubildenden nehme bei der BASF einen hohen Stellenwert ein, betonte Daniela Kalweit, Leiterin des Recruitings. Sie verwies auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, der zufolge 90 Prozent der Auszubildenden angeben, sich vorab unzureichend über Anforderungen und Berufsbilder informiert zu fühlen. „Wir nehmen die jungen Menschen von Anfang an an die Hand“, sagte Kalweit.

Berufliche Orientierung

Ein Beispiel dafür sei das digitale Beratungsangebot „Let’s Talk“, das sich rund um die berufliche Orientierung dreht. „Selbstverständlich stehen die Informationen auch alle im Netz, aber wir haben festgestellt, dass der Faktor Mensch wichtiger ist als eine reine digitale Information“, berichtete Kalweit. So fänden Gespräche mit erfahrenen Experten statt, die die Bewerber individuell beraten. Die Bewerbungsphase für das Ausbildungsjahr 2026 habe bereits begonnen. „Nach dem Ausbildungsstart bedeutet für uns vor dem Ausbildungsstart“, brachte Kalweit die kontinuierliche Planung auf den Punkt.

Auch die bisher gestarteten Auszubildenden schienen mit ihrer Wahl zufrieden zu sein, wie das Beispiel von Lavinia Rammrath zeigte. Die Haßlocherin begann am Montag ihr Studium als Werkstudentin in der Elektrotechnik. „Der technische Bereich hat mich schon immer interessiert“, sagte die 19-Jährige. Nach mehreren Praktika bei der BASF habe sie das für sie passende Studium gefunden: „Und es ist eine große Erleichterung für mich, dass es wirklich geklappt hat.“

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