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Was die Stadtmuseums-Leiterin am Rathaus-Center schätzt
Sie verlässt den Ort nach eigener Aussage mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Seit zehn Jahren leitet Regina Heilmann die Geschicke des Stadtmuseums, hat es mit viel Eigeninitiative aus dem Dornröschenschlaf geweckt, ihm neues Leben eingehaucht. „Aus Museumssichtweise war es schwierig, da der Standort ursprünglich ja gar nicht als Museumsbau konzipiert worden war, was ein ,klassisches’ Arbeiten dort nicht immer einfach machte“, erklärt die 48-jährige Archäologin, promovierte Kulturwissenschaftlerin und Mutter zweier Kinder.
Was die Öffnungszeiten betraf, sei man auf der einen Seite oftmals von den Regeln und Planungen der Center-Betreiber abhängig gewesen, auf der anderen Seite seien immer wieder Kinder und Erwachsene als Laufkundschaft auf einen Besuch vorbeigekommen. „Einige davon sind hängengeblieben und gehören seitdem zum Stammpublikum“, sagt Heilmann. Positiv hebt sie die Zusammenarbeit, Hilfsbereitschaft und Flexibilität des Center-Managements hervor, „auch wenn diese als Teil eines Wirtschaftsunternehmens und wir als eine kommunale Non-Profit-Einrichtung sozusagen auf unterschiedlichen Planeten leben“.
Arbeiten und Einkaufen
Das Rathaus-Center war für Heilmann zehn Jahre nicht nur Arbeitsort, sondern viel mehr. „Den nicht für jeden sofort erschließbaren Charme der späten 1970er Jahre habe auch ich erst auf den zweiten Blick zu schätzen und vor allem die wirklich fortschrittlichen Konzepte von damals zu verstehen gelernt.“ Die Kombination aus Arbeiten und Einkaufen bedeutete für Heilmann einen Sechser im Lotto. „Die Verbindung war für mich sehr praktisch: Wenn ich plötzlich in der Mittagspause oder nach der Arbeit Lust auf ein Backfischbrötchen bekam, dringend einen neuen Haarschnitt oder einen Blumenstrauß brauchte, wurde ich fündig.“
Beeindruckt hat sie eine Führung der Volkshochschule Ludwigshafen durch die dortige „Unterwelt“ in die stillgelegten und teilweise nie in Betrieb genommenen tieferen Straßenbahnebenen – Zeugnis einer Stadt, die in Sachen Urbanität und Moderne Großes vorhatte. Doch nicht erst der Ausflug weckte ihr Interesse an der Bauphilosophie und den Stadtentwicklungskonzepten der 1960er und 1970er Jahre sowie deren Umsetzung in den folgenden Jahrzehnten. Das Rathaus-Center spielte schon deutlich früher eine Rolle im Leben von Heilmann.
Von Mannheim bis ins Center
Als ihr Sohn, mittlerweile 20 Jahre alt, noch klein war, packte Heilmanns Mutter regelmäßig den Enkel, um direkt mit der Straßenbahn von Mannheim nach Ludwigshafen ins Rathaus-Center zu fahren. „Sie konnte mit dem staunenden Kind aus einem ruhigen Vorort an der Hand und ohne die Gefahr von Autos, Hunden, Temperatur- oder Wettereinflüssen als eigentlich eingefleischte Mannheimerin ihre Besorgungen fast komplett innerhalb der Einkaufsmall erledigen“, erzählt Heilmann. Während sie dem bunten Treiben zusahen, genossen sie mittendrin einen Kaffee oder eine heiße Schokolade.
„Highlights waren dann kleine Theateraufführungen oder auch mal ein Zauberer auf der Mini-Bühne am Treppenhaus“, erinnert sich Heilmann. Als sie das Stadtmuseum übernahm, war der Sohn allerdings schon aus dem Alter raus und hatte mit Zauberern nichts mehr am Hut. Heilmanns Mutter aber behielt die Tradition bei, besuchte weiterhin das Rathaus-Center, was sie gerne mit einem Besuch der Tochter im Stadtmuseum verband.