Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Warum nicht wenige einen großen Bogen um die Buga machen

Eine belebte Spielwiese gibt es auch im Park in der Mannheimer Neckarstadt.
Eine belebte Spielwiese gibt es auch im Park in der Mannheimer Neckarstadt.

Seit Mitte April steht Mannheim im Zeichen der Bundesgartenschau. Davon profitiert auch der Herzogenriedpark, der gar nicht Teil der Mega-Veranstaltung ist. Ein Besuch.

Er ist bald 50 Jahre alt, ist grün, groß, blütenreich und farbenfroh, hat einen alten Baumbestand, Wasserspielplatz, Klettergerüste, Picknickwiesen, Tiergehege, Rosarium, Grillplatz und eine Buga-Vergangenheit. Nein, die Rede ist nicht vom Luisenpark, sondern vom oftmals vergessenen und übersehenen kleinen Bruder: dem Herzogenriedpark. 1975 war die Anlage in der Neckarstadt-Ost Teil der Bundesgartenschau. Während die Buga23 nun schon über 1,2 Millionen Gäste zählt, jeden Tag die Besucher zum Spinelli-Gelände und Luisenpark strömen, steht der andere Mannheimer Park im Schatten der Buga – und erfreut sich gerade dadurch einer ungeahnten Beliebtheit.

Schon von draußen hört man Kinder toben. Auch an einem wettertechnisch eher durchwachsenen Sommerwochenende ist die Spielwiese sehr belebt. Väter und Mütter spielen mit ihren Kindern Fußball, Federball oder Frisbee, auf blauen Kletterseilen sind Balance und Schwindelfreiheit gefragt, manche üben sich im Minigolf, andere im Tischtennis. Viele erwachsene Gäste aber wollen einfach nur ganz entspannt den freien Tag im idyllischen Grün genießen. Stühle und Decken werden ausgebreitet, während in der Konzertmuschel gerade die ersten Akkorde für ein kleines Gratis-Konzert ertönen.

„Total praktisch mit Baby“
Judith Schor und Hans Oppitz genießen mit ihrem Sohn die Ruhe im Herzogenriedpark.
Judith Schor und Hans Oppitz genießen mit ihrem Sohn die Ruhe im Herzogenriedpark.

Judith Schor sucht dagegen mit ihrer jungen Familie die Ruhe. Etwas abseits haben sie es sich auf einer schattigen Wiese unweit des Rosariums gemütlich gemacht. Der einjährige Sohn Georg krabbelt umher, während die junge Mutter und ihr Mann Hans Oppitz mit Freunden plaudern. „Wir sind fast jeden Tag hier, es ist total praktisch mit Baby, wir wohnen aber auch in der Nähe“, verrät sie. Für gewöhnlich hat Schor wie so viele Stammbesucher eine Kombikarte, die für den Luisen- wie für den Herzogenriedpark zählt. In diesem Jahr aber ist der Luisenpark nur in Verbindung mit der Buga besuchbar. Ihren Gästen aus Essen aber wollte die Mannheimerin lieber den anderen Park zeigen. „Er hat tolle Spielplätze, ist weniger trubelig und ein wenig der Underdog. An vielen Stellen wirkt es hier manchmal so, als wäre die Zeit stehen geblieben, er hat einen goldigen Charme“, findet sie.

Welche genauen Auswirkungen aber hat die Bundesgartenschau auf den Herzogenriedpark? „Man hat hier nicht das Gefühl, dass alle bei der Buga sind“, sagt Schor. Auch Malle Beßler, der quasi um die Ecke wohnt, beobachtet einen Besucheranstieg. „Es sind mehr Leute geworden, das merkt man auch an den Parkplätzen, der Park hat etwas vom Fame abbekommen“, betont er. Das macht sich auch in Zahlen bemerkbar: 2022 zählte der Herzogenriedpark 3806 Besucher mit einer Jahreskarte, 2023 gibt es seit Einführung der 12-Monatskarte (ab 1. Dezember 2022) bereits 9168 Inhaber einer Herzogenriedpark-Karte.

Deutlicher Besucheranstieg

Auch bei den Einzeleintritten ist ein Anstieg zu verzeichnen: 2022 waren es bis einschließlich 23. Juli 2022 insgesamt 75.527 Besucher, in diesem Jahr zählt man 89.835 Gäste. Dazu Wolfgang Adrian, der gärtnerische Leiter des Herzogenriedparks: „Auch von meinem Gefühl her haben wir deutlich mehr Besucher, ich denke der Bekanntheitsgrad wird auch weiter steigen.“ Der Park mit der berühmten Multihalle, die derzeit eine Großbaustelle ist, ist also bereits weit mehr als ein Geheimtipp.

Für viele ist die Parkbesuch-Entscheidung in diesem Jahr vor allem eine Preisfrage. 3,50 Euro kostet die Tageskarte für den Herzogenriedpark, schon für 18 Euro gibt es die 12-Monatskarte. Dem stehen der Eintritt für die Buga in Höhe von 28 Euro oder die Dauerkarte für 145 Euro für Erwachsene über 24 Jahren gegenüber. Mit Blick auf die Entfernung hat Elena Hoffmann, die in den Quadraten wohnt, die Qual der Wahl. „Ich habe meist ein Kombi-Ticket, gehe aber häufiger in den Luisenpark“, sagt sie. Eine Buga-Dauerkarte hat sie nicht, statt den bekannteren Park mit Gondoletta und Co. zu besuchen, weicht sie in diesem Sommer lieber in den Herzogenriedpark aus.

„Kein Schatten auf Spinelli“

Vor allem für junge Familien gibt es hier viel zu entdecken: ein Bambus-Labyrinth, Mini-Scooter, Wasserspielplatz, Kindereisenbahn oder Riesentrampolin. „Die Kinder haben vor allem die Tiere liebgewonnen“, sagt sie bei einer Pause vor dem Streicheltiergehege und der Nutztierarche. Nur einmal besuchte sie auch die Buga, dem Spinelli-Gelände aber konnte sie als junge Mutter nicht viel abgewinnen. „Es gibt keinen Schatten, da ist es hier viel besser. Ehrlich gesagt bin ich aber auch froh, wenn die Buga rum ist und wir wieder ganz normal den Luisenpark besuchen können“, gesteht sie.

So sieht es auch Daniela Mandel aus Sandhofen. „28 Euro pro erwachsene Person für einen Tagesausflug ist schon happig. Dann muss man schon den ganzen Tag dort verbringen“, findet sie. Viele wollen aber nur mal zwei, drei Stunden frische Luft tanken, vielleicht ein Buch unter einem Baum lesen und bei Sommerhitze im Schatten spazieren. Dank eines Familienpasses kann sie in diesem Jahr den Herzogenriedpark sechsmal umsonst besuchen. Auch für die Buga hätte sie sich als Mutter eine Ermäßigung gewünscht.

Noch Fragen?

Jährlich gibt die Stadtpark-Gesellschaft für den Gesamtbetrieb des Herzogenriedparks etwa 2,6 Millionen Euro aus. Bis zum 50-jährigen Parkbestehen im Jahr 2025 soll unter anderem der Holzsteg am Teich saniert sowie ein neuer Wasserspielplatz an der Stelle des jetzigen Minigolf-Platzes errichtet werden. Die Arbeiten an der denkmalgeschützten Multihalle (geschätzte Kosten von über 30 Millionen Euro) werden dagegen erst bis 2027 abgeschlossen sein.

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