Die Reportage aus der Stadt RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Laufen auch bei Minusgraden eine gute Idee ist

Martin Jeck und Kathy Ermert joggen im Schnee.
Martin Jeck und Kathy Ermert joggen im Schnee.

Laufen ist eine Ganzjahressportart, sie kann immer und überall betrieben werden. Selbst bei Schneefall und Minustemperaturen sind die Hartgesottenen unterwegs. Wir haben uns am Donnerstag mit zwei Läufern verabredet, die regelmäßig ihre Laufrunden auf der Parkinsel drehen.

Zugegebenermaßen kostet es auch mich als passionierte Läuferin manchmal Überwindung, bei eiskaltem Wetter meine Laufschuhe zu schnüren. Doch wenn ich mir ins Gedächtnis rufe, wie gut das Laufen an der frischen Luft nach einem Arbeitstag im heimischen Büro tut, dann muss ich nicht lange überlegen. Und dass ich damit mein Immunsystem stärke, ist kein Geheimnis. Allerdings nur, solange ich moderat laufe und es nicht übertreibe.

Wie war das doch schön, als am Montag die ersten Schneeflocken vom Himmel fielen und sich der Schnee sanft auf den Asphalt legte. Klar, da musste ich unbedingt vor die Tür. Und traf auf etliche Gleichgesinnte, die auf der Park- und Hafenstraße, auf der Hafen- und Rheinschanzenpromenade im Schein der Straßenlaternen ihre Runden drehten. Der Stadtpark ist aktuell noch gesperrt, aber auch außerhalb lässt sich bestens joggen.

Laufen im Team

Ich laufe ganzjährig bei Wind und Wetter. So wie die fünfköpfige Laufcrew, zu der unter anderem Kathy Ermert und Martin Jeck zählen. Normalerweise, sprich wenn es die Corona-Vorgaben erlauben, ist die Gruppe zwei-, drei Mal pro Woche gemeinsam unterwegs. Da kann es Katzen und Hunde regnen oder die Sonne gnadenlos auf die Hannelore-Kohl-Promenade knallen. Aktuell dürfen sie maximal zu zweit laufen, und so steht regelmäßig ein Partnertausch an.

Ermert und Jeck starten am Donnerstag bei minus fünf Grad und teils vereistem Boden an der Pegeluhr. Selbstverständlich mit dem nötigen Sicherheitsabstand. „Heute müssen wir das Tempo anpassen“, sagt der Teamleiter Vertriebsmanagement der Deutschen Bahn zu Laufkollegin Ermert. Über die Parkstraße laufen sie in die Dämmerung hinein. Ermert fährt jedes Mal nach Ludwigshafen, um mit ihrem Team, ihren „Laufbuddies“, wie sie sagt, zu sporteln.

Besondere Motivation

Die Termine seien ein positiver Zwang, unterstreicht die Lehrerin für Französisch und Kunst am Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium in Speyer. Hinzu kommt für die 41-Jährige in dieser Woche eine ganz besondere Motivation. Gemeinsam wollen die Speyerer Gymnasiasten und Lehrer in einer Challenge laufend und per Rad die 9095 Kilometer lange Strecke in die Partnerschule nach Gikonko in Ruanda zurücklegen.

„Wenn man – wie aktuell – in einen gewissen Sofatrott verfällt, dann ist es wichtig, dass man eine Routine hat“, betont der 36-jährige Jeck, der momentan wie zahlreiche Bundesbürger viele Stunden sitzend im Homeoffice verbringt. Das Laufen sei da eine willkommene Abwechslung. Meist ist die Laufcrew zwischen acht und zwölf Kilometer unterwegs.

Nussschokolade zur Belohnung

Der Gesprächsstoff geht ihnen dabei nicht aus. „Wir sind ja eine sehr heterogene Gruppe aus allen Lebensabschnitten. Da gibt es immer etwas zu reden“, meint er lachend. Der Älteste der Laufgruppe ist knapp 60, die Jüngste 20. Schon zur Tradition ist es geworden, dass sich die Läufer nach getaner Arbeit meist mit Süßem belohnen. Hoch im Kurs steht bei fast allen Nussschokolade. Ermert verwöhnt sich gerne mit Selbstgebackenem.

Laufen kann man immer, da sind sich die beiden einig. Allerdings gilt es ein paar Regeln zu beachten. Bei Temperaturen jenseits der null Grad empfiehlt es sich, vorrangig durch die Nase zu atmen. Mit einem Tuch oder Schal vor dem Mund wird die Atemluft angewärmt. Ein langsamer Start beugt Verletzungen vor. Wer bei Dunkelheit läuft, sollte über die Anschaffung einer Lauflampe, sei es für die Stirn oder die Brust nachdenken. Hier gibt es unterschiedliche Geschmäcker. Laufkleidung mit Reflektoren oder Warnwesten geben zusätzliche Sicherheit. Sich im Zwiebelprinzip zu kleiden, gilt bei fast jeder Temperatur. Eine Jacke – idealerweise windabweisend – ein Langarmfunktionsshirt und eventuell noch ein atmungsaktives Unterhemd – und schon ist man gewappnet für die winterliche Laufrunde.

Schutz für den Kopf

Nicht vergessen: eine Mütze, denn einen Großteil der Körperwärme verliert der Läufer über den Kopf, Schätzungen zufolge 30 bis 40 Prozent. Mit Trailschuhen ist der Sportler auch bei eisglatten Straßen und Wegen gut gewappnet. Anfänger sollten langsam und behutsam beginnen, beispielsweise mit kurzen Lauf-Geh-Intervallen im Wechsel: zwei Minuten joggen, zwei Minuten gehen. Wer das fünf, sechs Mal packt, ist auf einem guten Weg und kann die Laufintervalle sukzessive ausbauen und die Gehpausen verkürzen.

Auch wenn Ermert, Jeck und Co. selbst die frostigen Temperaturen nicht von ihrem liebsten Hobby abhalten können, so sind sie sich in einem einig: „Im Frühling, wenn es wieder länger hell ist, lässt es sich besonders gut laufen.“ Es ist nicht mehr lange hin. Die Schneeglöckchen bahnen sich langsam einen Weg aus dem teils hartgefrorenen Boden. Das Frühjahr steht vor der Tür.

Nicht nur wegen Corona, sondern auch gegen die Kälte ist ein Schutz für Mund und Nase eine gute Idee.
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Eine Mütze und Schuhe mit gutem Profil brauchen Läufer im Winter.
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