Interview
Warum es in Rheingönheim kein Straßenfest mehr gibt
Herr Wißmann, schon während des letzten Straßenfests hat es Gerüchte gegeben, es wäre das letzte Mal. Was war da dran?
Die Gerüchte waren zutreffend. Es wird in Zukunft kein Straßenfest in Rheingönheim mehr geben.
Das letzte Straßenfest 2022, das nach Corona endlich wieder möglich war, lief doch recht erfolgreich. Warum jetzt das Aus?
Bei der anschließenden Sitzung zur Nachbereitung haben der Reiterverein, der Paddelverein und der Gesangsverein Germania gesagt, es geht nicht mehr. Übrig geblieben wären von den Vereinen als Ausrichter nur die Arminia und der Turnverein, aber nur für beide allein wäre das Ganze nicht zu stemmen. Schon in den Jahren kurz vor Corona haben sich die Turngemeinschaft Frei Heil und die Klotzgrumbeere zurückgezogen.
Warum? Hatte das einen besonderen Grund?
Mit den Klotzgrumbeere gab es etwas Streit mit mir wegen dem Toilettenwagen. Wir hatten immer einen gemietet und ungefähr in der Mitte der Hauptstraße aufgestellt. Von den Klotzgrumbeere kam die Aussage, der Weg sei zu weit für ihre Gäste. Sie hätten gern einen zweiten Toilettenwagen in der Kurve bei der alten Brauerei gehabt. Der Vorwurf an mich war, ich hätte mich zu wenig gekümmert. Das stimmt aber nicht. Schon der Toilettenwagen in der Mitte hat uns das letzte Mal 2000 Euro gekostet. Ein zweiter Toilettenwagen wäre selbst in kleinerer Ausführung nicht zu bezahlen gewesen. Außerdem hätten wir dafür Wasser und Stromanschluss gebraucht. Die Turngesellschaft Frei Heil hatte den Hof der Apotheke genutzt, der vor dem Hof der Klotzgrumbeere liegt, aber nicht mehr zur Verfügung stand. Ohne die TG waren die etwas allein im hinteren Bereich. Es wurde versucht, die Lücke mit einem Kinderkarussell zu füllen und noch mehr Schausteller zu finden, was aber nicht gelungen ist.
Wie konnte das letzte Straßenfest finanziell gestemmt werden?
Das war schon ein Problem. Die Tontechnik für die Bühne und vieles andere war teurer geworden. Wir haben einen Etat von rund 12.000 Euro gebraucht, ohne die Schilder für die Absperrung. Die Arbeitsgemeinschaft der Vereine hatte noch 4700 Euro angespart, dazu kamen 7000 Euro an Spenden für den neuen Stadtteilverein, es ging gerade so auf. Allerdings haben sich inzwischen die Voraussetzungen geändert. Das Budget für den Ortsvorsteher ist von der Stadt wegen der Haushaltsprobleme gestrichen worden. Frühere Sponsoren wie die BASF haben ihre Spenden-Richtlinien geändert.
Das endgültige Aus für das Straßenfest wäre ein echter Verlust für den Stadtteil. Ist da nichts mehr zu machen?
In der Hauptstraße sicher nicht. Wir brauchen ein neues Konzept. Es gibt Überlegungen über eine Ersatz-Veranstaltung im Luitpoldhain. Die Veranstaltung „Kultur im Hain“ im Sommer läuft dort gut, geht aber nur einen Tag. Das Straßenfest hat drei Tage gedauert, das ist eine andere Hausnummer. Der Vorteil im Hain wäre, dass wir dort keine Straßensperrung brauchen. Nachteil ist, dass wir keinen festen Boden haben. Bei Regenwetter weicht uns alles auf. Das größte Problem ist aber, dass uns auch dort noch die ehrenamtlichen Helfer der Vereine fehlen, um die 100 wären für drei Tage nötig. Eine konkrete Planung ist bisher daran gescheitert, dass die Reiter und Paddler nicht mitmachen wollen. Und besser wäre eine befestigte Fläche.
Gibt es für dieses Jahr noch die Chance für ein Fest?
Im Grunde müsste die Organisation jetzt beginnen, damit es Ende August stattfinden kann. Der Stadtteilverein hat noch nicht aufgegeben und will dranbleiben. Klar ist, dass Umsätze wie beim letzten Straßenfest nicht mehr erreichbar sind. Auf einem Platz könnte es aber eine zentrale Bühne geben, so dass jeder Verein und Standbetreiber etwas davon hat. Aber das Entscheidende wäre, die nötigen Helfer zu finden. Vielleicht gibt sich der eine oder andere noch einen Ruck.
Zur Person
Wilhelm Wißmann (76) ist seit 2017 Ortsvorsteher in Rheingönheim. Der Christdemokrat bewirbt sich bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr erneut um das Amt in dem südlichen Stadtteil.